Zurück an der Börse: Am 21. März gegen 9.30 Uhr läutete nach fast 11 Jahren Abstinenz wieder die Börsenglocke für die Douglas Group, nach eigenen Angaben der führende Omnichannel-Anbieter für Premium-Beauty in Europa. Der erste Kurs lag mit 25,50 EUR knapp unter dem finalen Angebotspreis von 26,00 EUR.

Von Markus Rieger

Gastgeberin Caroline von Linsingen heißt die Douglas Group willkommen. Fotos: © Markus Rieger / GoingPublic Media
Gastgeberin Caroline von Linsingen heißt die Douglas Group
willkommen. Fotos: © Markus Rieger / GoingPublic Media

Den Wunschvorstellungen der alten und neuen Aktionäre sowie der Emissionsbanken entsprach der Börsenstart der alten neuen Douglas-Aktie nicht.

Schließlich erhoffte man sich im Rahmen des Bookbuilding eine Bewertung von 2,8 bis 3,2 Mrd. EUR für den Beauty-Konzern (Preisspanne 26 bis 30 EUR), zu dem die Marken DOUGLAS, NOCIBÉ, Parfumdreams und Niche Beauty gehören. Der erste Kurs lag schließlich bei 25,50 EUR, im Handelsverlauf des 21. März ging es noch einmal gen Süden für die Aktie auf unter 23 EUR, was einem Börsenwert von rund 2,5 Mrd. EUR entspricht.

 

Bell Ringing Vorstand Douglas am 21.3.2024 Markus Rieger, Going Public
Bell Ringing Vorstand Douglas am 21.3.2024 Markus Rieger, Going Public

Werttreiber Börsennotiz

Der IPO der Douglas Group kommt nicht von ungefähr. Nachdem 2013 nach dem Einstieg des Finanzinvestors Advent zusammen mit der Gründer-Familie Kreke das Delisting der zuvor fast 50 Jahre an der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Aktie erfolgte, waren bereits 2015 erstmals wieder IPO-Pläne im Gespräch. Letztendlich wanderte die Anteilsmehrheit von Advent noch einmal zu CVC und man verschrieb sich zunächst einmal ein internes Fitnessprogramm, dessen Ergebnisse sich durchaus sehen lassen können.

 

Beeindruckende Geschäftszahlen in keinem einfachen Markt

Im Geschäftsjahr 2022/23 (1.10.22-30.9.23) erwirtschaftete die Douglas Group mit rund
18.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 4,1 Mrd. EUR. Das Sortiment umfasst Düfte, Make-up, Hautpflege, Haarpflege, Accessoires sowie Beauty-Dienstleistungen, die online sowie in rund 1.850 Geschäften angeboten werden. Im darauffolgenden ersten Quartal 2023/24 (Oktober bis Dezember 2023) stieg der Konzernumsatz um 8 % auf 1,56 Mrd. EUR, zurückzuführen auf Filialumsatz und E-Commerce gleichermaßen. Das bereinigte EBITDA betrug 348,3 Mio. EUR, die EBITDA-Marge lag bei beeindruckenden 22,4%. Das Nettoergebnis für das erste Quartal 2023/24 gibt das Unternehmen mit 125,2 Mio. EUR an, den Free-Cashflow mit 459,6 Mio. EUR. Für die Zukunft zeigt sich das Unternehmen optimistisch. „Mit unserer ‚Let it Bloom – DOUGLAS 2026‘ haben wir die Weichen für langfristiges Wachstum gestellt“, so CEO Sander van der Laan.

 

Emissionsparameter Douglas
Emissionsparameter Douglas

Equity Story – mehr als Schuldenabbau…

„Der Börsengang ist für die DOUGLAS Group der nächste logische Schritt, um unser Potenzial künftig als börsennotiertes Unternehmen voll auszuschöpfen. Dank unseres hochmotivierten Teams sind wir bestens aufgestellt, um weiterhin vom großen, widerstandsfähigen und wachsenden Premium-Beauty-Markt in Europa zu profitieren“, so CEO van Laan weiter. Doch auch die Eigentümer um den Private-Equity-Investor CVC reden bei der Equity Story kräftig mit. Von Anfang an wurde kein Hehl aus den wesentlichen Motiven gemacht. Der „Börsengang würde die Verringerung der Verschuldung beschleunigen, Zinsaufwendungen reduzieren und dadurch die finanzielle Flexibilität und den künftigen Wertzuwachs erhöhen“, hieß es in einer Unternehmensmitteilung vom 11. März.

 

MR_mit_Henning_Kreke,_Vorsitzender_des_Aufsichtsrats, Markus Rieger, GoingPublic Media AG
Markus Rieger und Henning_Kreke,_Vorsitzender_des  Aufsichtsrats, GoingPublic Media AG

 

Emissionskonzept

Über eine Kapitalerhöhung sollten neben einer „kleinen“ Zweitplatzierung aus dem Be-
stand des Finanzinvestors (1,9 Mio. Aktien) schließlich bis zu 32,7 Mio. neue Aktien zum
Preis von 26 EUR platziert (850 Mio. EUR) und zum Schuldenabbau verwendet werden. Darüber hinaus haben sich die Alteigner CVC und Familie Kreke dazu verpflichtet, dem Unternehmen über eine Einzahlung in die Kapitalrücklage weitere 300 Mio. EUR Eigenkapital zuzuführen und nach dem Börsengang Anteilseigner zu bleiben mit dann rund 55 bzw. 10 Prozent der Anteile. Auch das Management wird mit einigen Prozentpunkten beteiligt sein. Das finale Platzierungsergebnis war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt; in jedem Fall muss man konstatieren, dass es bei Vollplatzierung am Ende 250 Mio. EUR weniger Emissionserlös für die Gesellschaft geworden sind als ursprünglich erhofft. Der Streubesitz wird mit rund 30 % erwartet. Im Konsortium vertreten waren neben den Leadbanken Citigroup und Goldman Sachs die Deutsche Bank, UBS und UniCredit.

 

Spannende Erstnotiz - Douglas-Mitarbeiter fiebern mit auf dem Frankfurter Börsenparkett - Markus Rieger, GoingPublic Media AG
Spannende Erstnotiz – Douglas-Mitarbeiter fiebern mit auf dem Frankfurter Börsenparkett – Markus Rieger, GoingPublic Media AG

Fazit

Mit der Douglas Group kehrt ein alter Bekannter an den Kapitalmarkt zurück. Fast 50Jahre lang notierte die „alte Douglas“, geprägt durch die Gründerfamilie Kreke, an der Börse. Der heutige Aufsichtsratschef Henning Kreke war damals Vorstandsvorsitzender. Eine bekannte Beauty-Retail-Marke, gelenkt durch 18.000 Mitarbeiter, die jeder von uns praktisch schon einmal kennen gelernt hat in „seinem“ Store, passt eigentlich perfekt zum Kapitalmarkt. Die öffentliche Wahrnehmung an der Börse trägt zum Geschäft bei, Mitarbeiter und Kunden sind potenzielle Aktionäre. Der Schuldenabbau ist bei Private-Equity-Sponsored IPO-Projekten oftmals Teil des Deals, auch wenn Aktionäre lieber den Kapitaleinsatz für Wachstumsprojekte sehen. Sollte die Douglas Group die EBIT-Marge von 18-20 % tatsächlich nachhaltig erzielen können, ist die Aktie, gerade bei ersten Kursen von 25 % unter dem gewünschten Platzierungspreis, auf jeden Fall eine Überlegung wert.

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Autor/Autorin

GoingPublic Media AG

Markus Rieger ist Gründer und Vorstand der GoingPublic Media AG. Als „Brückenbauer“ zwischen Unternehmen und Investoren ist er gelegentlich auch als Autor von Analysen und Beiträgen tätig.