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Johanna Müller, Chefredakteurin, M&A REVIEW

1. Einleitung

Die anhaltende Unsicherheit an den Märkten aufgrund der Euro-Krise und der unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft schwappt auf den M&A-Markt über. Vor allem die enormen Staatsschulden einiger Euro-Länder belasten die Eurozone (Schimmer, M., & Kunisch, S. 2012. Greek Drama – Behind the Scenes of Eu Integration. Harvard Kennedy School Review, 12(1): 26-27), führen zu Verunsicherung und Zurückhaltung in der Wirtschaft (Pressemitteilung des Bundeswirtschaftsministerium vom 10. August 2012 Quelle: BMWI). Die europäische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2012 sogar geschrumpft. Deutschland, Europas größte Volkswirtschaft, verzeichnete zwar (noch) ein Wirtschaftswachstum von 0,3% gegenüber dem ersten Quartal. Dies reichte jedoch nicht aus, um die deutlichen Rückgänge der anderen – vor allem südeuropäischen – Krisenländer zu kompensieren. Hinzu kommen das nachlassende Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern und die zögerlichen Entwicklungen Japans und der USA sowie die weiterhin nur eingeschränkt verfügbaren Bankfinanzierungen. Diese unsichere gesamtwirtschaftliche Lage wird von den M&A-Akteuren als wichtiges Hemmnis gesehen, was sich in gesunkenen M&A-Aktivitäten auch widerspiegelt. Das Transaktionsumfeld wird weiterhin äußerst pessimistisch gesehen (Quelle: CMS Transaktions-Panel, Juli 2012).

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen in Deutschland war im ersten Halbjahr 2012 durch einen Rückgang der Transaktionszahlen und -volumen sowohl bei den angekündigten als auch abgeschlossenen Deals gekennzeichnet. Darüber hinaus war das erste Halbjahr von folgenden Trends geprägt:

  • Nach einem Zwischenhoch im ersten Quartal, erfolgte der Einbruch der M&A-Transaktionen im zweiten Quartal. Das zweite Quartal, in dem 35% weniger Deals als im ersten Quartal abgeschlossen wurden, verzeichnet mit 174 Transaktionen den niedrigsten Wert in Abbildung 2.
  • Megadeals waren nicht in Sicht. Es fanden überwiegend kleinere Transaktionen (bis 250 Mio. Euro) statt, so dass der M&A-Markt momentan vom Mittelstand getragen wird.
  • Cross Border-Transaktionen – in früheren Jahren Wachstumstreiber des M&A-Geschäfts – gingen zurück, und der Trend zu innerdeutschen Transaktionen setzte sich fort. Auffallend ist jedoch, dass sieben der zehn größten Transaktionen mit deutscher Beteiligung grenzüberschreitend waren.
  • Der Immobilienboom in Deutschland überträgt sich auch auf den M&A-Markt: Vier der größten zehn Transaktionen mit deutscher Beteiligung sind dem Immobiliensektor zuzuordnen.
  • Das Geschäft mit Neuemissionen war nahezu nicht existent. Nur ein deutsches und fünf chinesische Unternehmen fanden den Weg an die Frankfurter Börse mit einem Emissionsvolumen von mageren 40 Mio. Euro. Zum Vergleich: Das Halbjahresvolumen 2011 betrug 1,5 Mrd. Euro.

2. Überblick zum weltweiten M&A-Markt (Quelle: Dealogic)

Der weltweite M&A-Markt war im ersten Halbjahr 2012 deutlich durch die Euro-Krise und die Unsicherheit hinsichtlich der Weltwirtschaft geprägt. Das Gesamtvolumen der angekündigten Transaktionen lag bei 1.260,8 Mrd. US-$ und damit etwa 16% unter dem Vorjahresvergleichswert von 1.503,8 Mrd. US-$. Der diesjährige Halbjahreswert liegt auf dem Niveau der ersten Jahreshälfte 2010. Die Anzahl der angekündigten Transaktionen ging mit 20.723 Deals gegenüber den ersten sechs Monaten 2011 nur um circa 10% leicht zurück, was ein niedrigeres durchschnittliches Transaktionsvolumen mit sich brachte. Obwohl die Anzahl der angekündigten Deals im zweiten Quartal 2012 im Vergleich zu den ersten drei Monaten um 9% auf ein Dreijahrestief zurückging, stieg das Volumen von 596,0 Mrd. US-$ auf 664,8 Mrd. US-$ an.

Im regionalen Vergleich bleibt nach wie vor Nordamerika an erster Stelle. Obwohl das Volumen der USA um 23% auf 398,6 Mrd. US-$ auf den niedrigsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2003 zurückfiel, sind sie weiterhin der größte M&A-Markt weltweit. Dahinter reihen sich die Emerging Markets (377,2 Mrd. US-$), Europa (365,3 Mrd. US-$) und Asien-Pazifik ohne Japan (246,6 Mrd. US-$) ein. Alle Regionen mussten Einbußen im Volumen gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum hinnehmen.

In den USA ist das Transaktionsvolumen trotz zunehmender Transaktionsaktivität (5.841 Deals) im ersten Halbjahr 2012 deutlich zurückgegangen, was darauf schließen lässt, dass vermehrt kleinere Transaktionen getätigt wurden. Die Unternehmen der Sektoren Öl & Gas, Technologie und Healthcare waren am gefragtesten. In Kanada war der umgekehrte Trend zu beobachten: Die Anzahl der Transaktionen klang um 20% ab, während das Volumen um 22% auf 69,8 Mrd. US-$ zulegte. Das Land des roten Ahorns sicherte sich mit diesem Volumen Rang vier im weltweiten M&A-Ranking.

Das M&A-Volumen der Emerging Markets lag mit 377,2 Mrd. US-$ zwar leicht unter dem Vorjahresvergleichswert (392,8 Mrd. US-$), jedoch über dem Wert des zweiten Halbjahres 2011 (360,5 Mrd. US-$). Damit fällt der Volumensrückgang in dieser Region mit 4% deutlich niedriger aus als im weltweiten Vergleich. Dies führt zu einer Erhöhung des Anteils am weltweiten M&A-Geschehen auf 30%. Wichtigste Nation innerhalb dieser Gruppe blieb China mit 97,6 Mrd. US-$ (+7% gegenüber dem ersten Halbjahr 2011). Mit diesem Transaktionsvolumen bleibt China im weltweiten Ländervergleich an zweiter Stelle. Zu den beliebtesten Nationen der Emerging Markets gehören – jedoch mit deutlichem Abstand zu China – Brasilien (42,1 Mrd. US-$), Russland (36,1 Mrd. US-$), Indien (26,2 Mrd. US-$) und Mexiko (23,9 Mrd. US-$). Die bedeutendsten Sektoren in dieser Region waren Finanzdienstleistungen mit 62,5 Mrd. US-$ (17% des M&A-Volumens), Nahrungs- und Genussmittel mit 35,5 Mrd. US-$ sowie Immobilien mit 28 Mrd. US-$.

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