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Quelle: M&A DATABASE, Universität St. Gallen

Die häufigsten Ziel- und Käuferländer deutscher Unternehmen sind – wie auch im Vorjahr – die Schweiz und USA. Allerdings haben im ersten Halbjahr 2012 die USA mit 34 Deals (Halbjahr 2011: 43 Deals) die Nase vorn und verdrängen somit die Schweiz mit 30 Transaktionen auf den zweiten Platz (Vorjahr: 55 Deals). Aufgrund der in Europa nach wie vor herrschenden Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung scheint sich die Schweiz anderweitig zu orientieren. So ist bei den Transaktionen mit Schweizer Beteiligung zu beobachten, dass acht der zehn größten Deals zwischen der Schweiz und Nordamerika stattfanden. Scheinbar sind die Schweizer Unternehmen bezüglich der Erholung des nordamerikanischen Marktes optimistischer gestimmt und ergreifen die Chance, sich in einer der größten Volkswirtschaften zu platzieren. Hinzu kommt natürlich der Mangel an Alternativen aufgrund der schwächelnden Eurozone und des teuren asiatischen Marktes.

7. Neuemissionen

Die Bestandsaufnahme zur Jahresmitte fällt für den deutschen Primärmarkt ernüchternd aus (vgl. Abb. 7): Ganze sechs IPOs spielten in der Summe gerade einmal magere 40 Mio. Euro Emissionserlös ein – darunter mit KTG Energie nur ein deutsches Unternehmen, eingerahmt von fünf chinesischen Emittenten. Abgesehen vom mauen Halbzeitergebnis stimmen auch die inneren Werte der bislang gesehenen ausländischen Neuzugänge ganz und gar nicht zuversichtlich, denn zwei der fünf neuen chinesischen Titel liegen bereits 40% im roten Bereich.

Da chinesische Mittelständler auf ihrem Heimatmarkt bis zu drei Jahre Wartezeit für ein Börsenvorhaben einplanen müssen, liegt die Option Frankfurt näher als man denken sollte. Dass die jüngeren chinesischen Emittenten bei ihren Listings fast nur Kosten, aber keine Emissionserlöse haben, ist ein Malus, den sie notgedrungen in Kauf zu nehmen bereit sind. So erlösten FAST Casualwear, Ming Le Sports, Vange Software, Goldrooster und Haikui Seafood (allesamt 2012) zusammen weniger als 20 Mio. EUR. Um eine Größenordnung zu bemühen: Zur Jahresmitte hatten laut China Securities Regulatory Commission (CSRC) mehr als 700 chinesische Unternehmen eine Notierung auf ihrem Heimatmarkt beantragt, davon fast die Hälfte für die ChiNext in Shenzhen. Bei diesem Ansturm legt die CSRC die Messlatte zunehmend höher: Unternehmen, die nur geringe Gewinne ausweisen oder gar einen Verlust im ersten Halbjahr zu beklagen haben, brauchen sich erst gar nicht zu bewerben. Das qualifiziert sie dann wohl für ein Listing in Übersee, namentlich Deutschland. Gemäß Papierform sind sie jedoch allesamt irre profitabel und müssten gerade für Value-Investoren höchst interessant sein – Anleger scheint das einstweilen nicht zu interessieren. Das könnte sich lediglich ändern, würden es die Chinesen schaffen, ihre vermeintlich üppigen Profite beispielsweise als Dividende an ihre deutschen Investoren auszuschütten. Dass das bislang unterblieben ist, hinterlässt reichlich Interpretationsspielraum.

Anders als chinesische sind deutsche Emittenten derzeit nicht zur Reduzierung ihrer Preisvorstellungen bereit. Da deshalb keiner der potenziellen Eisbrecher wie Evonik, Osram oder Talanx bisher den Weg an die Börse fand, traut sich auch kein kleinerer IPO-Kandidat aus der Deckung. Zu Ungunsten der Börsen als Aufnahmemöglichkeit für Eigenkapital schlägt zudem die Reformierung des Open Markets zu Buche. Die Regionalbörsen ziehen die harte Frankfurter Linie nicht unisono mit, sondern eröffnen wie gerade die Börse Düsseldorf mit ihrer kleinen Marktsegmentreform alternative Gleise. Die weitere Entwicklung verspricht spannend zu werden: Die Aussichten für den deutschen Primärmarkt sind mehr als neblig; niemand will hierbei eine mutige Prognose für die nächsten sechs bis zwölf Monate wagen.