Bildnachweis: Nexum Group.
Über den Börsenmantel der im General Standard gelisteten Creditshelf AG gelangt vermutlich noch in den letzten Juni-Tagen 2026 ein neues Immobilien-Geschäftsmodell an die Börse. Unter dem Namen Nexum Group AG – die Namensänderung wurde in der HV am 3. Juni beschlossen – will sich das Team um CEO Philipp von Erffa (siehe Interview) bewusst von klassischen Projektentwicklern abgrenzen. Statt langer Entwicklungszyklen mit hohem Baugenehmigungsrisiko setzt der Münchner Wohnimmobilienspezialist nach eigenen Angaben auf eine vertikal integrierte, datenbasierte Plattform – und auf einen Markteintritt in einer für viele Wettbewerber schwierigen Phase. Von Robert Steininger
Das Reverse-Listing unterliegt folgendem Ablauf: Die Aktien der Creditshelf AG, nach Handelsregister-Eintragung der HV-Beschlüsse Nexum Group AG, notieren im Regulierten Markt (General Standard). Am 11. Juni hatte die Philipp von Erffa zuzurechnende First Capital AG 64 % der Aktien übernommen. Weitere 24 % sollen über einen Anteilserwerb von der Private Values Media AG (Sascha Magsamen) hinzukommen, der Rest ist Streubesitz. Ein Uplisting in den Prime Standard sei geplant, so das neue Management. Im Rahmen der Hauptversammlung vom 3. Juni 2026 wurden unter anderem die Namensänderung und ein Aktiensplit beschlossen (neues Grundkapital: 100 Mio. Aktien), die Geschäftstätigkeit in der Satzung angepasst und ein neuer Aufsichtsrat gewählt.
Plattform statt klassischer Projektentwicklung
Im Kern verfolgt Nexum eigenen Angaben zufolge einen Ansatz, der Akquisition, Entwicklung und Vertrieb von Wohnimmobilien in einer integrierten Wertschöpfungskette vereint. Anders als traditionelle Entwickler will das Unternehmen nur in Projekte einsteigen, für die bereits eine Baugenehmigung vorliegt oder die kurz vor der Genehmigung stehen. Das soll Entwicklungsrisiken erheblich reduzieren und Projektlaufzeiten um bis zu 80 % gegenüber klassischen Ansätzen verkürzen.
Realisiert werden sollen die Vorhaben mit etablierten Generalunternehmern, die Vermarktung will Nexum über eigene
und partnerschaftliche Vertriebsstrukturen steuern – und zwar bereits in frühen Projektphasen. Technologie- und datenbasierte Prozesse sollen die Analyse, Priorisierung und Bewertung potenzieller Projekte unterstützen. Geografisch will sich das Unternehmen auf die deutschen Top-7-Städte fokussieren, in denen die Wohnraumnachfrage strukturell hoch ist.
Günstiges Einstiegsfenster
Den Zeitpunkt des Markteintritts hält Nexum für günstig. Marktverwerfungen, zurückhaltende Kreditvergabe und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten führten derzeit dazu, dass zahlreiche Projekte trotz bestehender Nachfrage nicht umgesetzt werden können. Als neuer Akteur ohne historische Belastungen in der Bilanz sieht sich das Unternehmen in einer Position, bereits weit entwickelten Wohnprojekte selektiv und schnell aufzugreifen.
Pipeline übersteigt Wert von 1 Mrd. EUR
Aktuell verfügt Nexum eigenen Angaben zufolge über eine Projektpipeline mit einem Gesamtentwicklungsvolumen von mehr als 1 Mrd. EUR, mehrere Projekte stünden unmittelbar vor der Umsetzung. Mittelfristig strebe man ein jährliches Entwicklungsvolumen von mehr als 500 Mio. EUR an, so die Gesellschaft. Geführt wird das Unternehmen von einem interdisziplinären Team: Vorstand und Aufsichtsrat vereinen nach eigenen Aussagen Erfahrung aus Immobilien-, M&A- und Kapitalmarkttransaktionen im Volumen von mehr als 30 Mrd. EUR.
Fazit
Mit der Nexum Group kommt via Reverse Listing ein Immobilien-Plattformunternehmen an die Börse. Es handelt sich hier nicht um eine gewachsene Geschäftstätigkeit, die schon mit umfangreichen Vergangenheitsdaten, Umsätzen und Erträgen unterlegt ist. Vielmehr startet das Management-Team nun im Zuge der Börsennotiz mit der Einbringung ihrer eigenen Projektpipeline durch und tritt an, die Praxistauglichkeit zu beweisen. Man darf gespannt sein, wie sich der neue strategische Ansatz operativ sowie am Kapitalmarkt entwickelt.
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Kurzprofil: Nexum Group AG |
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ISIN/WKN |
DE000A41YEG8 / A41YEG |
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Branche |
Wohmimmoblien-Entwickler |
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Gründung |
2026 |
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Fimensitz |
München |
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Mitarbeiterzahl |
11 |
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Vorstand |
Philipp von Erffa (CEO), Sebastian Holl, |
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Aufsichtsrat |
Dr. Johannes von Bismarck (Vorsitzender), Dr. Annedore Streyl, Marquard von Pfetten-Ambach |
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Marktsegment |
Regulierter Markt (General Standard) |
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Investor Relations |
www.nexum-group.de |
„Wir definieren eine neue Kategorie im deutschen Wohnimmobilienmarkt“Interview mit Philipp von Erffa, CEO, Nexum Group AG GoingPublic: Herr von Erffa, die Nexum Group ist frisch an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Was unterscheidet Nexum von anderen Immobiliengesellschaften? von Erffa: Wir verfolgen einen Ansatz, den es so im deutschen Markt bislang nicht gibt. Nexum ist eine vollständig integrierte Plattform, die Akquisition, Entwicklung und Vertrieb von Wohnimmobilien in einer datenbasierten Wertschöpfungskette vereint. Der entscheidende Unterschied liegt in unserer Fokussierung: Wir steigen nur in Projekte ein, für die bereits eine Baugenehmigung vorliegt oder die kurz vor der Genehmigung stehen. Das reduziert Entwicklungsrisiken erheblich, verkürzt Projektlaufzeiten auf typischerweise 15 bis 30 Monate und ermöglicht eine deutlich schnellere Kapitalrotation als bei traditionellen Projektentwicklern. Welche konkreten Probleme des Marktes lösen Sie damit? Im Kern adressieren wir zwei Probleme, an denen der Markt derzeit krankt. Das erste ist die Finanzierung – heute der entscheidende Engpassfaktor: Viele gute Projekte scheitern nicht an der Nachfrage, sondern am fehlenden Kapital. Genau hier setzen wir an. Das zweite ist das Produkt selbst: Neue Wohnungen sind oft zu groß und damit zu teuer. Die Anforderungen der Käufer und Mieter haben sich verändert – das Angebot ist dem bislang nicht gefolgt. Wie hebt sich Nexum beim Risikoprofil von klassischen Entwicklern ab? Das Risikoprofil ist strukturell anders. Klassische Projektentwickler tragen das volle Baugenehmigungsrisiko, haben lange Kapitalbindungszeiten und oft hohe Verschuldungsgrade. Wir hingegen verkürzen die Projektlaufzeiten um bis zu 80 % gegenüber traditionellen Ansätzen. Die Kapitalbindung sinkt entsprechend, die Planungssicherheit steigt. Dazu kommt, dass wir keine Altlasten in der Bilanz haben und als Plattform skalierbar aufgestellt sind. Das Ergebnis ist eine deutlich höhere Umschlagshäufigkeit bei attraktiven Renditen. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für Nexum? Weil viele Projektentwickler aktuell in finanziellen Schwierigkeiten sind und damit als Wettbewerber ausfallen. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Wohnraum ungebrochen. Genau in dieser Lücke positionieren wir uns – mit Kapital, mit dem richtigen Produkt und ohne Altlasten. Für uns ist das das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Wie groß ist die aktuelle Projektpipeline? Wir haben bereits eine Pipeline mit einem Gesamtentwicklungsvolumen von über einer Milliarde Euro aufgebaut. Mehrere dieser Projekte befinden sich unmittelbar vor der Umsetzung. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bereits in den nächsten Wochen erste operative Erfolge vermelden können. Was bedeutet der Gang an die Börse konkret für Nexum? Der Börsengang ist der Startschuss für die nächste Unternehmensphase. Mit dem direkten Zugang zum Kapitalmarkt können wir schneller skalieren, als es auf anderen Wegen möglich wäre. Liquidität, Transparenz und die Möglichkeit, kapitalmarktnahe Finanzierungsinstrumente zu nutzen, sind wesentliche strategische Vorteile. Wir planen daher auch ein Uplisting in den Prime Standard. Welche Wachstumsziele verfolgt Nexum mittelfristig? Mittelfristig streben wir ein jährliches Projektentwicklungsvolumen von mehr als 500 Mio. EUR an, bei einem Umsatz von mehr als 150 Mio. EUR und einer EBITDA-Marge von gut 20 %. Bereits 2027 wollen wir ein Entwicklungsvolumen von mehr als 350 Mio. EUR und einen Umsatz von mehr als 40 Mio. EUR erreichen. Das sind anspruchsvolle Ziele, aber sie sind das Ergebnis eines Modells, das konsequent auf schnelle Umsetzung, hohe Kapitalrotation und echte Skalierbarkeit ausgelegt ist. Herr von Erffa, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führte Robert Steininger. |
Zum Interviewpartner

Philipp von Erffa ist Gründer und Vorstand der First Capital AG sowie ein erfahrener Experte für Immobilienentwicklung und Capital Markets. Zuvor verantwortete er als Head of Acquisitions & Sales bei der SIGNA Group europaweit komplexe An- und Verkaufsprozesse sowie die Entwicklung strategischer Immobilienprojekte. Zuletzt leitete er den Verkauf eines der größten Gewerbeimmobilien-Insolvenzportfolios Deutschlands. Seine Expertise liegt in der Strukturierung anspruchsvoller Immobilientransaktionen, der Projektentwicklung und der Verbindung von Kapitalmärkten mit nachhaltiger Wertschöpfung.
Autor/Autorin

Robert Steininger
Robert Steininger ist Fachautor für u.a. Anlagestrategien und publiziert regelmäßig zu Fachthemen wie Online- und Investment-Strategien, Glücksspielthemen, Krypto und Verhaltensanalyse.



