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Nach dem kräftigen Kursanstieg seit Jahresanfang legt die Aktie von SFC Energy (ISIN: DE0007568578) bei einem aktuellen Börsenwert von rund 350 Mio. EUR eine Verschnaufpause ein. Über zwei Transaktionen hat der Hersteller von Brennstoffzellen zuletzt sein operatives Geschäft deutlich gestärkt. Zugleich profitiert das Unternehmen mit seinen Brennstoffzellen für die umweltfreundliche stationäre und mobile Hybrid-Stromversorgung immer stärker vom geopolitischen Umbruch in Europa. Von Stefan Riedel 


SFC Energy schließt eine technische Lücke in seinem Portfolio. Der im SDAX gelistete Hersteller von Wasserstoff- und Methanol-Brennstoffzellen übernimmt wesentliche Vermögenswerte der insolventen Siqens GmbH. Durch den Zukauf deckt das Unternehmen jetzt den Leistungsbereich von ein bis fünf Kilowatt (kW) ab, also das Leistungsspektrum zwischen kleinen Methanol-Zellen und großen Wasserstoffsystemen. Die patentierte Reformer-Technologie von Siqens ermöglicht SFC Energy hier ein lückenloses Produktsortiment. „Die Technologie eröffnet uns zusätzliche Anwendungen insbesondere in den Bereichen kritische Infrastruktur, Telekommunikation, Verkehrstechnik, öffentliche Sicherheit sowie Verteidigung, also überall dort, wo Wasserstoff als Druckgas nur eingeschränkt verfügbar oder nicht praktikabel ist“, erläutert Peter Podesser, der Vorstandsvorsitzende von SFC Energy.

Wegweisender Rekordauftrag

An der Börse löste der Siquens-Deal bisher kein neues Kursfeuerwerk aus. Ganz anders war das noch im Mai, als ein Ukraine-Auftrag den Aktienkurs um 30% abheben ließ. Der größte Einzelauftrag in der 26-jährigen Firmengeschichte sieht vor, dass SFC Energy hybride Systeme für die Energieversorgung im Wert von 42,7 Mio. EUR liefert. Die Bestellung erfolgt im Rahmen einer Unterstützungsinitiative der Bundesregierung. Geliefert werden sogenannte hybride Off-Grid-Systeme. Dabei handelt es sich um Kombinationen aus Brennstoffzellen und Batterien, die unabhängig vom Stromnetz funktionieren. Eingesetzt werden diese netzunabhängigen Hybrid-Energieversorgungssysteme militärisch und zivil – und zwar für Kommunikationssysteme, Navigation, Aufklärungstechnik wie auch zum Laden von Drohnen.

Zielmarkt Verteidigung

CEO der SFC Energy AG Dr. Peter Podesser. Copyright: SFC Energy AG
CEO der SFC Energy AG Dr. Peter Podesser. Copyright: SFC Energy AG

Für Firmenchef Podesser ist der Ukraine-Deal mehr als ein einzelner Großauftrag: „Dieser Auftrag verfügt über eine maximale Abstrahlkraft in weitere Märkte wie Asien und den Nahen Osten. Darüber hinaus zeigt er exemplarisch, wie stark der Bereich Sicherheit und Verteidigung inzwischen zu unserem Wachstum beiträgt.“ Die Leitmesse Eurosatory im Juni in Paris habe das große Interesse aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich für die SFC-Produkte gezeigt, insbesondere für die einsatzerprobten Brennstoffzellensysteme der JENNY- und EMILY-Serie und die hybride Energieversorgung EFOY ProShelter.

Einsatzerprobt, im Fachjargon „combat proven“, bedeutet, dass diese Systeme bereits unter realen Einsatzbedingungen getestet wurden. Weil sie mit niedriger Wärme- und Geräuschentwicklung arbeiten, sind sie nur schwer zu orten. Verglichen mit rein batteriebasierten Lösungen muss deutlich weniger Material transportiert werden.

Für Streitkräfte bedeutet dieser Vorteil weniger Nachschubbedarf, längere Einsatzzeiten und mehr Beweglichkeit. SFC will gemeinsam mit deutschen Behörden lokale Strukturen für Wartung, Training und Service aufbauen, und zwar über die Kampfhandlungen hinaus für zivile Anwendungen und den Wiederaufbau.

Jahresprognose angehoben

Weil der Auftrag vollständig im Geschäftsjahr 2026 verbucht werden soll, hob das Unternehmen im Anschluss an den Vertragsabschluss seine Jahresprognose an. Statt bislang 150 bis 160 Millionen Euro Umsatz erwartet SFC nun Erlöse zwischen 163 und 175 Millionen Euro. Das operative Ergebnis soll ebenfalls deutlich steigen: Beim bereinigten EBITDA rechnet das Unternehmen nun mit 29 bis 34 Millionen Euro, zuvor lag die Prognose bei 20 bis 24 Millionen Euro.

Auch das Indiengeschäft, ein Sorgenkind im Vorjahr, entwickelt sich laut Podesser im Rahmen der Erwartungen: „Das erste Quartal unseres neuen Geschäftsjahres fiel mit dem letzten Quartal des indischen Fiskaljahres zusammen und war daher erwartungsgemäß von einer verhaltenen Nachfrage geprägt. Für das laufende sowie das kommende Quartal erwarten wir eine Belebung der Geschäftsentwicklung.“

Attraktive Bewertung

1 Jahreschart SFC Energy AG Stand 09.07.2026 11:42 Uhr || Quelle: stock3.com

Die Halbjahreszahlen am 14. August geben Aufschluss darüber, in welchem Umfang sich bei SFC Energy der Aufwärtstrend vom ersten Quartal fortgesetzt hat. Für das Gesamtjahr erwarten die Konsensschätzungen der Analysten einen Konzerngewinn in der Größenordnung von 15 Mio. EUR. In den zwei darauffolgenden Jahren soll das Gewinnwachstum bei durchschnittlich 30% liegen. Damit würde das 2028er-KGV der Aktie auf unter 15 sinken. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA, eine zentrale Kenngröße für die Ertragsstärke im operativen Geschäft, soll sich zwischen 2025 und 2028 von 10,8 auf 5,7 fast halbieren.

Fazit

Angesichts der aktuellen Geschäftsentwicklung und der günstigen Aktienbewertung sollte es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Aktie ihren im Frühjahr eingeschlagenen Aufwärtstrend fortsetzt. Eine wichtige Rolle bei der Wachstumsdynamik spielen das US-Geschäft und die Nachfrage auf dem indischen Markt. Liefert SFC Energy hier in den nächsten Quartalen, werden sich immer mehr Investoren für die Equity Story begeistern.

 

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.