Die Rekordfinanzierungsrunde Ende Mai über 240 Mio. USD mit deutschen und globalen Investoren katapultiert Focused Energy an die Spitze der internationalen Fusionsbranche. Das hessische Unternehmen wuchs zugleich zum neuesten Unicorn hierzulande. Von Stefan Preuß
Es handelt es sich um die bislang größte Series-A-Finanzierung in der globalen Fusionsbranche. Das Darmstädter Unternehmen setzt damit einen neuen Rekord und steigt zum wertvollsten Fusionsunternehmen Europas auf. Ganz nebenbei zählt das Deeptech-Aushängeschild damit zu den Unicorns hierzulande. Focused Energy setzt auf die Laserfusion, den bislang einzigen Ansatz in der Kernfusion, bei dem ein wissenschaftlich belegter Nettoenergiegewinn nachgewiesen wurde.
Zu den Kapitalgebern zählen neben RWE die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND, der European Innovation Council Fund, die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen, Futury Capital sowie der bisherige Lead-Investor Prime Movers Lab aus den USA. Bei der überzeichneten Finanzierungsrunde engagierten sich auch potenzielle Abnehmer von Fusionsenergie, die bereit sind, die gesamte Bauphase bis hin zum Fusionskraftwerk zu finanzieren. Damit fließt gezielt internationales Kapital nach Deutschland, um hier industrielle Wertschöpfung, strategische Infrastruktur und eine neue globale Hochtechnologieindustrie aufzubauen.
Mit der Gründung einer deutschen Dachgesellschaft hat Focused Energy zudem seine Unternehmensstruktur neu aufgestellt und sich von einem bisher amerikanisch-deutschen zu einem deutsch-amerikanischen Unternehmen gewandelt. Ziel des Unternehmens ist es, die Fusionstechnologie von der Forschung in die industrielle Anwendung zu überführen und gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft bis Mitte der 2030er-Jahre in Biblis das weltweit erste Laserfusionskraftwerk zu errichten. Focused Energy verfolgt einen konsequent industrieorientierten Ansatz: Aufbauend auf jahrzehntelanger internationaler Fusionsforschung und der technologischen Expertise seiner Gründer verbindet das Unternehmen wissenschaftliche Exzellenz mit der Geschwindigkeit und Skalierungsfähigkeit eines privat finanzierten Hightechunternehmens. Bei der Fusion verschmelzen Wasserstoffatomkerne unter hohen Temperaturen zu Helium. Dabei wird ein enormes Maß an Energie freigesetzt: Ein Gramm Fusionsbrennstoff liefert Energie vergleichbar mit rund elf Tonnen Kohle.
Strategisches Kapital grundlegend
Mit RWE hat Focused Energy einen strategischen Kapitalgeber und industriellen Partner gewonnen, der die Nutzung des Standorts Biblis für die Laserfusion ermöglicht und genehmigungsrechtliche Expertise einbringt. Focused Energy schafft damit Voraussetzungen für sein Vorhaben, die Industrialisierung der Fusionstechnologie in Deutschland und Europa mit hoher Geschwindigkeit voranzutreiben und den Weg zur kommerziellen Nutzung zu verkürzen. Dr. Markus Krebber, CEO der RWE AG, betont: „Dank seiner exzellenten Forschungslandschaft und innovativer Start-ups wie Focused Energy ist Deutschland gut positioniert, global eine Spitzenrolle in der Kernfusion einzunehmen. Deshalb sind wir bereit, unsere Investition in Focused Energy weiter auszubauen. Es ist ein wichtiges Signal, dass Bund und Länder gemeinsam daran arbeiten, die Entwicklung voranzutreiben, um einen kommerziellen Fusionsreaktor in Deutschland zu realisieren. RWE unterstützt dieses Ziel ausdrücklich: Mit unseren Rückbaustandorten, ihrer vorhandenen kerntechnischen Infrastruktur und unserer langjährigen genehmigungsrechtlichen Expertise schaffen wir ideale Voraussetzungen, um Deutschland im internationalen Wettbewerb Zeit- und Kostenvorteile zu sichern.“
|
Kurzprofil: Focused Energy |
|
|
Branche |
Technologie/Energieerzeugung |
|
Beschäftigte |
200 |
|
Standorte |
Darmstadt (Hauptsitz), Berlin, Austin, San Francisco |
|
Gründungsjahr |
2021 (Ausgründung TU Darmstadt) |
|
Internet |
www.focused-energy.co |
„Ein IPO ist für uns eher eine mittelfristige Option“Interview mit Thomas Forner, Mitgründer und CEO, Focused Energy GoingPublic: Herr Forner, Focused Energy baut den lokalen Schwerpunkt in Deutschland aus. Worin liegen die entscheidenden Gründe dafür? Thomas Forner: Wir stärken unseren Standort in Deutschland, weil hier mehrere wichtige Faktoren zusammenkommen: Wir glauben an Deutschland und Europa, wir erleben starke politische Unterstützung auf allen Ebenen, und wir finden hier die weltweit führende Optoelektronikindustrie. Besonders bei Lasertechnologie und Präzisionsoptik hat Deutschland einen technologischen Vorsprung, den wir für den Aufbau unseres Fusionsindustrieökosystems nutzen. Gleichzeitig bietet die starke industrielle Basis beste Voraussetzungen, um Fusion zu industrialisieren. Gelingt uns das, hat Europa die große Chance, bei einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts von Beginn an vorne dabei zu sein. Welche Einkommensströme sieht Ihr Geschäftsmodell vor? Wir selbst bauen keine Kraftwerke, sondern konzentrieren uns auf die Entwicklung und Vermarktung der zentralen Schlüsseltechnologien eines Laserfusionskraftwerks, für die wir die maßgeblichen Eigentumsrechte besitzen. Dazu zählen insbesondere hochpräzise Targets, perfekt darauf abgestimmte Lasersysteme und Reaktorkammertechnologien, die wir gemeinsam mit Partnern Wie sieht der Investorenmix aktuell aus – dominiert angelsächsisches Kapital oder spiegelt sich die Hinwendung zu Europa auch bei den Geldgebern wider? Es zeigt sich ein internationaler, diversifizierter Investorenmix. Neben RWE beteiligen sich Investoren aus Deutschland, Europa, den USA, Asien und der Golfregion, darunter auch strategische Investoren und potenzielle künftige Abnehmer von Fusionsenergie. Das ist für uns wichtig, weil Kapital in unserem Bereich nicht nur Finanzierung bedeutet, sondern auch industrielle Validierung. Zugleich wird gezielt internationales Kapital nach Deutschland gelenkt, um hier industrielle Wertschöpfung, strategische Infrastruktur und eine neue globale Hochtechnologieindustrie aufzubauen. Mit wie vielen weiteren Finanzierungsrunden kalkulieren Sie, welcher technische Stand muss aus Ihrer Sicht erreicht sein, um ein IPO anzustreben? Wann könnte das erreicht sein? Wir denken weniger in Finanzierungsrunden als in technischen Meilensteinen. Entscheidend für uns ist, die Technologie weiter zu deriskieren und die nächsten industriellen Fortschritte zu erreichen. Dafür sehen wir aktuell ausreichend privates Kapital im Markt. Ein IPO ist für uns daher eher eine mittelfristige Option und erst sinnvoll, wenn die technologischen Risiken deutlich weiter reduziert sind und die Equity Story den Schritt von Deeptech zu industriell glaubwürdiger Infrastrukturtechnologie zeigt. Dafür braucht es reproduzierbare experimentelle Ergebnisse, Fortschritte bei Target-Fertigung und Lasertechnologie, einen belastbaren Pfad zum Pilotfusionskraftwerk, starke industrielle Partnerschaften sowie eine glaubwürdige Kommerzialisierungs-Roadmap. Wann das erreicht ist, hängt an diesen Meilensteinen. Wir sind in allen Bereichen bereits weit fortgeschritten. Sehr geehrter Herr Forner, vielen Dank für diese sehr interessanten Einblicke. Das Interview führte Stefan Preuß. |
Zum Interviewpartner

Thomas Forner ist CEO und Mitgründer von Focused Energy. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung als CEO und CFO internationaler Hightech-Unternehmen verbindet er unternehmerische Expertise mit einer klaren Innovationsvision. Unter seiner Führung hat sich Focused Energy zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Laserfusion entwickelt und arbeitet daran, die Kernfusion als saubere Energiequelle der Zukunft zur Marktreife zu bringen.
Autor/Autorin

Stefan Preuß
Stefan Preuß ist Wirtschafts- und Finanzjournalist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur war zudem als Investor-Relations-Manager tätig. Er gehört zum Team der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Er schreibt regelmäßig zu den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen.




