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Als BioM-Geschäftsführer Prof. Dr. Ralf Huss am 16. Juni den neuen Branchenreport „Biotech in Bavaria 2025/26 – Where Champions Grow“ im Faculty Club des Innovations- und Gründerzentrums Biotechnologie (IZB) in Martinsried vorstellte, standen vor allem Rekorde im Mittelpunkt. Mehr als 930 Mio. Euro Finanzierungskapital, 26 Neugründungen und steigende Beschäftigtenzahlen sprechen für einen starken Standort. Der Bericht dokumentiert den Aufschwung des Standorts, verweist aber zugleich auf die Herausforderungen der nächsten Entwicklungsphase. Von Urs Moesenfechtel


Rekordfinanzierungen prägen das Jahr
Mit mehr als 930 Mio. EUR erreichte das eingeworbene Finanzierungskapital 2025 einen neuen Höchststand. Gegenüber 2023 hat sich das Volumen nahezu verdoppelt. Das ist ein starker Beleg für die Widerstandsfähigkeit des Standorts. Getragen wurde das Rekordjahr allerdings von einigen besonders großen Finanzierungen. Die mit Abstand größte Runde schloss Tubulis mit einer Series-C-Finanzierung über 344 Mio. EUR ab. Hinzu kamen bis zu 231 Mio. EUR Fremdfinanzierung für ITM, 84 Mio. EUR für Nuclidium, 70 Mio. EUR für Formycon, 57 Mio. EUR für Immunic sowie 52 Mio. EUR für AMSilk.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte liegt bei den Gründungen
Noch bemerkenswerter als die Finanzierungszahlen ist die Entwicklung bei den Neugründungen: Nach zehn neuen Unternehmen im Jahr 2023 und 16 im Jahr 2024 wurden 2025 insgesamt 26 neue Start-ups gegründet. Hinzu kamen drei Neuansiedlungen. Bei der Vorstellung des Berichts verwies BioMs Geschäftsführer Prof. Dr. Ralf Huss darauf, dass das Cluster damit insgesamt auf 29 neue Unternehmen kommt. Die Entwicklung spricht für die Leistungsfähigkeit eines Ökosystems, das über Jahre hinweg aufgebaut wurde. Inkubatoren, Förderprogramme, Forschungsinstitute und industrielle Partner erzeugen weiterhin einen konstanten Zufluss neuer Projekte und Unternehmensideen.

Die Zahlen stehen damit in einem interessanten Kontrast zur häufig geäußerten Kritik, Europa tue sich schwer mit der wirtschaftlichen Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Zumindest für den bayerischen Biotechnologiesektor zeichnet der Report ein anderes Bild: Der Transfer von Forschung in Unternehmensgründungen und kapitalfinanzierte Wachstumsunternehmen scheint derzeit vergleichsweise gut zu funktionieren.
Die Herausforderung beginnt nach der Gründung
Während die Zahl der Neugründungen steigt, warb der bayerische Biotech-Nachwuchs 2025 in fünf Seed-Runden zusammen mehr als 21 Mio. EUR ein. Zugleich bleibt die Finanzierung größerer Anschlussrunden ein Schwachpunkt: Der Report verweist auf eine geringe Zahl größerer Series-A-Finanzierungen und damit auf anhaltende Herausforderungen bei der Finanzierung wachsender Biotech-Unternehmen. Die Daten zeichnen damit kein einfaches Erfolgsbild. Bayern bringt derzeit viele neue Unternehmen hervor; entscheidend wird jedoch sein, wie viele davon auch die kapitalintensiven nächsten Entwicklungsschritte finanzieren können.
Die zentrale Frage lautet heute nicht mehr, ob neue Unternehmen entstehen. Die Zahlen zeigen, dass dies gelingt. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, junge Unternehmen durch die kapitalintensiven Entwicklungsphasen zu begleiten und ihnen Zugang zu ausreichendem Wachstumskapital zu ermöglichen. Für die europäische Biotechnologie ist das seit Jahren ein wiederkehrendes Thema – von dem auch Bayern nicht vollständig abgekoppelt ist.
Eine starke Pipeline mit begrenzter Spitze

Optimismus trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Trotz der Diskussionen über Kapitalzugang, Regulierung und Wettbewerbsfähigkeit blickt ein Großteil der bayerischen Biotech-Unternehmen weiterhin zuversichtlich auf die eigene Entwicklung. Laut der von BioM durchgeführten Unternehmensbefragung bewerten 63 % der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder sehr gut. 82 % erwarten in den kommenden drei bis fünf Jahren eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung. Die Umfrageergebnisse stehen dabei neben einer Reihe weiterer Indikatoren, die der Report für die Entwicklung des Standorts anführt: Umfangreiche Investitionen in Forschungs- und Produktionskapazitäten.
In Würzburg erreichte das Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung mit dem Richtfest seines Neubaus einen wichtigen Meilenstein. Der Freistaat Bayern und die Europäische Union stellen dafür rund 60 Mio. EUR bereit. In Penzberg treibt Roche gleich zwei Großprojekte voran: eine neue Laboranlage für Sequencing-by-Expansion-Technologien im Umfang von 40 Mio. EUR sowie ein Diagnostik-Produktionszentrum mit einem Investitionsvolumen von mehr als 600 Mio. EUR. Das Werk soll 2028 den Betrieb aufnehmen und rund 200 Arbeitsplätze schaffen. Ebenfalls in Penzberg entsteht mit dem Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie ein neuer Forschungsstandort. Das Vorhaben wird von Bund und Freistaat mit knapp 90 Mio. EUR unterstützt und soll sich auf Infektionskrankheiten, Immunologie und Pandemieforschung konzentrieren. In Martinsried wurde zudem die erste Bauphase des neuen Biowissenschaftscampus der Max-Planck-Gesellschaft mit einem Budget von 361 Mio. EUR beschlossen. Für das Gesamtprojekt stellt der Freistaat Bayern bis zu 500 Mio. EUR bereit.
Diese Projekte verdeutlichen, dass sich der Ausbau des bayerischen Biotech-Ökosystems nicht nur in Gründungs- und Finanzierungszahlen widerspiegelt, sondern auch in langfristigen Investitionen in Forschung, Infrastruktur und Produktion.
Fazit
Der Jahresreport dokumentiert einen Biotechnologie-Standort, der bei Gründungen, Finanzierung, Beschäftigung und Infrastruktur neue Höchstwerte erreicht. Die Zahlen zeigen, dass Bayern heute zu den dynamischsten Life-Science-Regionen Europas gehört. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass sich die Maßstäbe verändern. Rekordwerte bei Unternehmenszahlen, Finanzierungen oder Investitionen sind wichtige Voraussetzungen für langfristigen Erfolg.
Sie sind jedoch noch kein Beleg für internationale Spitzenpositionen. Auch zukünftit wird entscheidend sein, wie viele der heutigen Gründungen, Forschungsprojekte und klinischen Programme in den kommenden Jahren zu Unternehmen, Produkten und Wertschöpfung von globaler Relevanz werden. Der Report beschreibt damit weniger einen Zielzustand als einen Entwicklungsstand. Bayern hat in den vergangenen Jahren erhebliche Stärke aufgebaut. Die nächste Aufgabe besteht darin, diese Stärke auch im internationalen Wettbewerb sichtbar zu machen und dauerhaft zu behaupten.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.





