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Der finnisch-deutsche Quantencomputerhersteller IQM Quantum Computers, seit 2. Juli an der Nasdaq notiert und auch an zahlreichen deutschen Börsenplätzen gehandelt (Market Cap ca. 1,8 Mrd. EUR), hat ausgewählte Vermögenswerte der Berliner Quantistry GmbH übernommen, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Mit der Transaktion erweitert das Unternehmen seine Technologieplattform im Bereich Quantencomputing und baut insbesondere seine Kompetenzen in der Softwareentwicklung und Simulation für industrielle Anwendungen aus. Ziel ist es, die Entwicklung und den Einsatz von Quantencomputern für industrielle Anwendungsfälle weiter voranzutreiben.
Im Rahmen der Übernahme erwirbt IQM proprietäre Softwareanwendungen, Algorithmen sowie geistiges Eigentum von Quantistry. Zudem wechselt das Kernteam des Berliner Unternehmens aus den Bereichen Technik, Quantenchemie und Softwareentwicklung zu IQM.
Durch die Integration der Technologien und des Expertenteams will IQM seine Fähigkeiten für industrielle Einsatzgebiete ausbauen. Dazu zählen unter anderem Anwendungen in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, der Chemie, den Materialwissenschaften sowie der Pharmaindustrie.
In diesen Branchen gilt die Simulation komplexer Moleküle und Materialien als eines der vielversprechendsten Einsatzfelder für Quantencomputer, da herkömmliche Rechenverfahren bei bestimmten Fragestellungen an ihre Grenzen stoßen können. Die Akquisition soll dazu beitragen, Hard- und Software enger miteinander zu verzahnen und den Aufbau entsprechender Lösungen zu beschleunigen.
Strategischer Schritt nach doppeltem Börsendebüt
Die Akquisition erfolgt kurz nach dem Abschluss des Zusammenschlusses von IQM mit dem US-SPAC Real Asset Acquisition Corp. Die IQM-ADS werden seit dem 2. Juli 2026 unter dem Tickersymbol IQMX am Nasdaq Global Select Market in den USA gehandelt. Aber auch an vielen deutschen Börsenplätzen ist die IQM-Aktie zu haben, derzeit zu Kursen um die 10 EUR.
IQM ist das erste europäische Quantencomputing-Unternehmen am Kapitalmarkt. GoingPublic hat die Kapitalmarktstory von IQM bereits ausführlich begleitet, siehe zu Geschäftsmodell, Finanzierungsstruktur und Bewertung den Beitrag aus GoingPublic 2/26: IQM Quantum Computers: Europas erstes börsennotiertes Quantencomputing-Unternehmen
Über die Hintergründe des Börsengangs, die technologische Roadmap und die Kommerzialisierung von Quantencomputern sprachen CEO und Mitgründer Dr. Jan Goetz sowie CFO Jan Kürschner im persönlichen Interview mit GoingPublic-Vorstand Markus Rieger und Eva Rathgeber, Chefredakteurin der Unternehmeredition erst kürzlich:
„Meine Vision ist, Computer zu bauen, die niemand zuvor gebaut hat“

Finnisch-deutsches Technologieunternehmen
Das 2018 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz im finnischen Espoo entwickelt supraleitende Full-Stack-Quantencomputer. IQM bietet sowohl komplette Quantensysteme als auch Cloud-Zugänge für Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Hochleistungsrechenzentren und Unternehmen an.
Der finnisch-deutsche Charakter des Unternehmens zeigt sich unter anderem in seiner Niederlassung in München, der Herkunft von Mitgründer und CEO Jan Goetz sowie der Beteiligung deutscher Investoren. IQM ist nach eigenen Angaben in Europa, Asien und Nordamerika aktiv und beschäftigt weltweit mehr als 400 Mitarbeitende.
Das Unternehmen verfolgt insbesondere einen On-Premises-Ansatz: Kunden können ihre Quantencomputer unmittelbar in eigenen Rechenzentren betreiben und in bestehende IT- und Hochleistungsrechner-Infrastrukturen integrieren. Ergänzend bietet IQM über seine Cloud-Plattform Zugang zu eigenen Quantensystemen an.
Quantistry mit Sitz in Berlin entwickelt Cloud-native Simulationssoftware für die Chemie- und Materialforschung. Die Software kommt unter anderem in Forschung und Entwicklung für die Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrt, Energiespeicher sowie die Pharmaindustrie zum Einsatz.

Fazit
Mit der Übernahme der Quantistry-Vermögenswerte erweitert IQM sein bisher stark hardwareorientiertes Angebot um zusätzliche Software-, Simulations- und Quantenchemiekompetenzen. Der Schritt dürfte insbesondere für die Entwicklung industrieller Anwendungen relevant sein, bei denen Quantenhardware, Algorithmen und branchenspezifische Software eng zusammenspielen müssen. Zugleich setzt IQM wenige Wochen nach seinem Börsendebüt ein erstes strategisches Zeichen: Das durch den Kapitalmarktzugang finanzierte Wachstum soll nicht allein organisch, sondern auch durch gezielte Akquisitionen und die Erweiterung des Technologieportfolios vorangetrieben werden. GoingPublic hält die Aktie weiter für aussichtsreich und günstig bewertet, gerade im Vergleich zu den börsennotierten US-Wettbewerbern.
Autor/Autorin

Eva Rathgeber
Eva Rathgeber ist Chefredakteurin der Unternehmeredition und verfügt über langjährige Erfahrung in Journalismus, PR und Unternehmenskommunikation. Inhaltlich liegt ihr Fokus auf Mittelstand, Familienunternehmen, Finanzierung, Investitionen, Private Equity, M&A, Nachfolge, Digitalisierung und Innovation.





