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Die meisten der im Biotech Basket enthaltenen Firmen haben sich in einem für Small und Mid Caps aus dem Life-Science-Bereich schwierigen Markt gut behauptet. Zugleich feierte Veraxa Biotech im Juni seine Börsenpremiere. Dagegen befindet sich die Aktie von BioNTech, dem jahrelangen Aushängeschild der deutschen Biotechbranche, im Zuge einer Neuausrichtung des Unternehmens in einer Schwächephase. Von Stefan Riedel

Der im Mai 2022 aufgesetzte Biotech & Co. Basket der Plattform Life Sciences bildet aktuell die Wertentwicklung von 18 börsennotierten deutschen Biotechunternehmen und der Biotechfirma Marinomed aus Österreich ab, deren Aktie an deutschen Börsenplätzen gehandelt wird.

Die wichtigsten Zahlen, Trends und Kursentwicklungen des Biotech-Baskets im Berichtszeitraum (1. April bis 30. Juni 2026):

  • Der Börsenwert aller gelisteten Unternehmen belief sich zum Ende des Berichtszeitraums auf fast 32,7 Mrd. EUR. Davon entfielen 62,8 % auf die seit Ende 2019 an der Nasdaq notierende BioNTech AG und 21,5 % auf den im DAX gelisteten Diagnostikunternehmen Qiagen.
  • Die Marktkapitalisierung aller im Basket enthaltenen Unternehmen sank im Berichtszeitraum um 2,3%. Geschuldet ist diese in der Summe negative Performance der BioNTech-Aktie, die im Berichtszeitraum 7,9% ihres Börsenwerts verlor.
  • 12 der 18 Unternehmen schafften eine positive Kursperformance. InflaRx verzeichnete dabei mit rund 150% die größten Kursgewinne. Noch nicht berücksichtigt auf Quartalsebene ist die Kursperformance von Veraxa Biotech, die am 23. Juni ihre Börsenpremiere an der Nasdaq feierte.
  • Ein Sonderfall ist die seit dem 12. März an der Nasdaq gelistete Quantum Cyber N.V., die aus dem Molekulardiagnostikspezialisten Mainz Biomed hervorgegangen ist. Weil das neue Unternehmen in den Geschäftsfeldern Cybersicherheit und Quantencomputing tätig ist, spielt es ab jetzt im Biotech Basket keine Rolle mehr.
  • Der Basket schnitt im Berichtszeitraum schlechter ab als der DAX, der 10,2% hinzugewann. Noch deutlicher fällt der Unterschied zum Nasdaq Biotechnology Index aus, der getrieben durch positive Unternehmensnachrichten einzelner Schwergewichte wie Vertex Pharma und Revolution Medicines um 12,4% stieg.
  • Vier Unternehmen (BioNTech, Qiagen, atai Beckley Inc., Immatics) kommen auf eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Mrd. EUR, gefolgt von Evotec mit fast 900 Mio. EUR Börsenwert.
  • Das Feld der für Nebenwerte- und Spezialistenfonds in Frage kommenden Small Caps mit einem Börsenwert von 100 bis 500 Mio. EUR hat sich auf vier Unternehmen vergrößert (Formycon, InflaRx, Immunic, Heidelberg Pharma). Weitere vier Firmen kommen auf eine Marktkapitalisierung zwischen 50 und 100 Mio. EUR.

Im Berichtszeitraum standen zwei Schwergewichte und zwei Small Caps mit kursbewegenden Nachrichten im Blickpunkt der Märkte. Die Qiagen-Aktie verlor Ende April kräftig an Boden, nachdem das im DAX gelistete Diagnostikunternehmen seine Jahresprognose gesenkt hatte. Allerdings machte die Aktie in den zwei darauffolgenden Monaten diese Kursverluste wieder wett.

BioNTech auf dem Prüfstand

Der einstige Börsenstar BioNTech steht vor dem schwierigsten Geschäftsjahr seit dem Börsengang im Herbst 2019. Nach dem im März verkündeten Ausscheiden der Firmengründer Ugur Sahin und Özlem Türeci, die eine neues Forschungsunternehmen für mRNA-basierte Medikamente gründen, verkündete BioNTech im Berichtszeitraum einen weiteren Personalabbau und den Stopp der eigenen Impfstoffproduktion. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Nachrichten aus der Entwicklungspipeline den Aktienkurs in diesem Jahr wieder beflügeln.

Um die laufenden 15 zulassungsrelevanten Studien zu finanzieren und eine Ausweitung des Konzernverluste einzudämmen, ist es wichtig, dass der angepasste Corona-Impfstoff BNT161 im Winterhalbjahr stabile Einnahmen generiert. Größter Hoffnungsträger bei BioNTech ist das Krebspräparat Pumitamig. Liefert das Produkt bis 2027 positive zulassungsrelevante klinische Daten, steigen die Chancen, dass BioNTech der Wandel vom Impfstoffhersteller zum Entwickler von Krebs- und Immuntherapien gelingt.

Aktienkurs BioNTech. Stand: 10.7.2026, 8:35 Uhr. Copyright: stock3.com

Immunic vor der Schlussetappe

Eine personelle Veränderung gab es auch bei der auf Therapien gegen Autoimmunerkrankungen spezialisierten Immunic. Im Mai trat Erik Lundgren als Vorstandschef die Nachfolger des Firmengründers und langjährigen Vorstandschefs Daniel Vitt an. Im April hatte Immunic einen Aktiensplit im Verhältnis 1:10 durchgeführt. Seit Februar hat sich der Börsenwert mehr als verdoppelt. Im Blickpunkt der Investoren steht das Medikament Vidofludimus Calcium zur Behandlung von verschiedenen Formen der Multiplen Sklerose (MS). Das größte kommerzielle Potenzial verspricht sich Immunic in der Therapie mit fortschreitender MS zu adressieren, für die bislang keine adäquaten Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Die zulassungsrelevanten klinischen Daten will Immunic Ende 2026 präsentieren. Zeigt Vidofludimus Calcium die erwarteten positiven Resultate, will das Unternehmen Mitte 2027 den Zulassungsantrag in den USA einreichen.

Frisches Geld für InflaRx

InflaRx hat im Mai mit einer Kapitalerhöhung rund 150 Mio. USD eingeworben. Das Unternehmen sieht das operative Geschäft nach dieser Transaktion bis 2029 durchfinanziert. Der für die weitere Entwicklung der Biotechfirma entscheidende Schritt sind klinische Resultate, die den als Kapsel eingenommenen Wirkstoff Izicopan in einer Nischenindikation unter den Entzündungskrankheiten zur Marktreife bringen. Izicopan ist ein Präparat aus der Klasse der C5a-Antagonisten.

Nachdem FDA und EMA dem Konkurrenzprodukt Tavneos aus derselben Wirkstoffklasse die Zulassung als Therapie von ANCA-assoziierter Vaskulitis entziehen wollen, prüft InflaRx die Details seiner eigenen Phase-2-Studie für Izicopan in dieser lebensbedrohlichen Nierenerkrankung. Nach den bisherigen Plänen von InflaRx soll diese Studie die Basis für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bilden. Erst im Mai hatte InflaRx den Vertrieb des Antikörpers Gohibic in den USA gestoppt, um die finanziellen Ressourcen auf die Entwicklung von Izicopan als Therapie gegen verschiedene Nierenerkrankungen zu fokussieren.

Drehscheibe US-Markt

Unabhängig von der Größe der Unternehmen zeigen alle kursbewegenden Nachrichten für die börsengelisten deutschen Biotechs im Berichtszeitraum, dass die Finanzierung der klinischen Pipelines in den fortgeschrittenen und entscheidenden Entwicklungsstadien weitgehend am Engagement US-amerikanischer Investoren hängt. Es ist von daher auch kein Zufall, dass Small Caps wie InflaRx und Immunic nicht nur an der Nasdaq gelistet sind, sondern beim Einwerben von frischem Kapital weiter institutionelle Investoren aus den USA fokussieren.

Das IPO von Veraxa Biotech am 11. Juni an der Nasdaq ist ein positiver Lichtblick für die deutsche Biotechindustrie. Das Unternehmen, das seinen rechtlichen Sitz in der Schweiz und seine Forschungsaktivitäten in Heidelberg hat, besitzt eine Plattform für Krebsarzneien. Der Börsengang in New York ist jedoch ein weiteres Beispiel dafür, wie europäische Biotech-Startups auf US-Börsen ausweichen, wenn sich auf den heimischen Kapitalmärkten nicht mehr ausreichend Investorengelder für die Finanzierung der Produktentwicklung in Richtung Marktreife einwerben lassen. Das gilt in besonderem Maße für deutsche Biotechs und die Finanzierung ihrer klinischen Entwicklungspipelines. Die Übernahme von Tubulis durch den US-Biotechkonzern Gilead Sciences für 5 Mrd. USD im April zeigt wiederum, wie innovative deutsche Biotechs unter den Branchenschwergewichten als Übernahmeziele wahrgenommen werden.

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.