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Vor allem bei vier Unternehmen ist im neuen Börsenjahr für Spannung gesorgt. Das gilt vor allem für das am höchsten kapitalisierte Unternehmen BioNTech. Dagegen hat sich 2025 bei der Kursperformance die Spreu weiter getrennt zwischen Large und Mid Caps auf der einen Seite und der Vielzahl der Micro Caps. Während Curevac vom Kurszettel verschwand, schafften es zwei Titel im vierten Quartal, beim Börsenwert die Milliardenmarke zu knacken. Von Stefan Riedel

Der im Mai 2022 aufgesetzte Biotech & Co. Basket der Plattform Life Sciences bildet aktuell die Wertentwicklung von 19 börsennotierten deutschen Biotechunternehmen und der Biotechfirma Marinomed aus Österreich ab, deren Aktie an deutschen Börsenplätzen gehandelt wird.

Die wichtigsten Zahlen, Trends und Kursentwicklungen des Biotech-Baskets im Berichtszeitraum (1. Oktober bis 31. Dezember 2025):

  • Der Börsenwert aller gelisteten Unternehmen belief sich zum Ende des Berichtszeitraums auf etwas mehr als 35,6 Mrd. EUR. Davon entfielen 64,3 % auf die seit Ende 2019 an der Nasdaq notierende BioNTech AG und 22,5 % auf das im DAX gelisteten Diagnostikunternehmen Qiagen.
  • Die Marktkapitalisierung aller im Basket enthaltenen Unternehmen stieg im Untersuchungszeitraum um 7,0%. Damit schaffte der Basket eine bessere Performance als der DAX, der im selben Zeitraum um 3,1% stieg. Der aus Large und Mid Caps bestehende Nasdaq Biotechnology Index schnitt mit 18,1% Gewinn gleichwohl deutlich besser ab.
  • Ausschlaggebend für die positive Performance waren die Kursgewinne bei drei der am fünf höchsten kapitalisierten Unternehmen: BioNTech (+14,37%), atai Beckley Inc. (+54,02%) und Immatics (+43,13%) schafften hier zugleich die beste Kursperformance unter allen 20 Basket-Mitgliedern überhaupt. Zugleich setzte sich bei der Aktie von Formycon (+13,78%) die Kurserholung des Vorquartals fort.
  • Vier Unternehmen (BioNTech, Qiagen, atai Beckley Inc., Immatics) kommen auf eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Mrd. EUR.
  • Das Feld der Small Caps hat sich stark ausgedünnt: Hinter Formycon mit einem Börsenwert von rund 450 Mio. EUR kommen lediglich Famicord und Heidelberg Pharma noch auf mehr als 100 Mio. EUR Marktkapitalisierung.
  • Sieben der 20 im Basket enthaltenen Unternehmen schafften im Berichtszeitraum eine positive Kursperformance.
  • Die 4SC AG führte im Dezember das Delisting an der Börse durch. Bei der Medigene läuft des Insolvenzverfahren am Amtsgericht München

Biotech-Quartett im Blickpunkt

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass bei den Schwergewichten des Biotech Baskets im Berichtszeitraum die positiven Nachrichten im Berichtszeitraum überwogen. Im Gegenzug verzeichnete die Mehrheit der Micro Caps kräftige Kursverluste.

Für BioNTech wird 2026 ein spannendes Jahr, das im Januar mit der kompletten Übernahme von CureVac beginnt. Vom Zukauf verspricht sich BioNTech weitere Impulse für die eigene Entwicklung von Krebsimpfstoffen auf mRNA-Basis. Die eigene Entwicklungspipeline gegen Krebserkrankungen wird im Jahresverlauf Resultate aus fünf zulassungsrelevanten klinischen Studien liefern. Entsprechende positive Ergebnisse vorausgesetzt könnte BioNTech in diesem Jahr die Basis für mehrere Produkteinführungen legen – und damit den Aktienkurs weiter beflügeln. Mit rund 17,2 Mrd. EUR an liquiden Reserven ist BioNTech ungeachtet der rückläufigen Einnahmen aus den Covid-19-Impfstoffen langfristig durchfinanziert.

Qiagen befindet sich dagegen in einer Übergangsphase auf der Suche nach neuen Wachstumstreibern. Dazu zählt das Tuberkulose-Testsystem QuantiFERON, das sich in seinem Krankheitsfeld als globaler Standard für internationale Organisationen und staatliche Gesundheitsprogramme etabliert hat. Durch die Übernahme der US-Biotechfirma Parse verspricht sich Qiagen im Bereich der KI-basierten Analyse von Einzelzelldaten für die Wirkstoffentwicklung technologisch breiter aufzustellen. An den Finanzmärkten gilt Qiagen mit seinem Produktportfolio als potenzieller Übernahmekandidat.

Die Aktie der an der Nasdaq gelisteten Tübinger Biotechfirma Immatics schaffte es dagegen, beim Börsenwert wieder die Milliardenmarke zu überspringen. Auslöser waren positive klinische Resultate für den neuartigen Ansatz des Unternehmens in der Krebsimmuntherapie. Immatics verspricht sich damit, in Zukunft eine Vielzahl von Tumorarten behandeln zu können. Im Jahr 2026 werden die Ergebnosse aus einer klinischen-Phase-3-Studie der wichtigste Datenpunkt mit potenziell kurstreibenden Effekten. (Siehe auch den Beitrag zu Immatics vom 22. Dezember 2026.)

Bei Evotec setzte sich dagegen der Abwärtstrend der Aktie unter größeren Schwankungen fort. Die größten Kursverluste lösten dabei die enttäuschenden Quartalszahlen im November aus. Die Frühphasenforschung von Evotec für Auftraggeber aus der Pharma- und Biotechindustrie kämpft weiter mit einer schwachen Nachfrage für neue Aufträge. Nach Abschluss des Berichtszeitraums ging es mit der Aktie Anfang Januar nach oben. Auslöser war die Meldung, dass die Tochterfirma Just Biologics in den USA durch die Gates Foundation neue Fördermittel erhalten hat für die KI-gestützte Optimierung von monoklonaren Antikörpern im Labor. Den europäischen Standort von Just Biologics im französischen Toulouse hatte Evotec dagegen im Dezember für 300 Mio. USD an den Schweizer Biosimilarhersteller Sandoz verkauft.

Weniger im Blickpunkt der Investoren in Deutschland steht die aus der Fusion von Atai Life Sciences (NL0015000GX8) mit Beckley neu gebildete und an der Nasdaq gelistete Gesellschaft atai Beckley Inc. Das Unternehmen entwickelt psychedelische Wirkstoffe für die Behandlung von psychiatrischen und neurologischen Störungen. Mit den drei klinischen Kandidaten in der Pipeline kommt das Unternehmen auf eine Börsenbewertung von mehr als eine Mrd. EUR.

Autor/Autorin

Stefan Riedel
Finanzredakteur at Büro für Kommunikation

Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.