Bildnachweis: KNDS.
Der Weg an die Börse schien für Europas größten Panzerbauer zeitweise versperrt. Eine Compliance-Affäre um zurückliegende Katar-Geschäfte brachte die Pläne ins Wanken und ließ Anleger im Unklaren. Nun ist die Richtung wieder vorgegeben: KNDS hält am Börsengang in Frankfurt und Paris fest. Von Christian Euler
Der deutsch-französische Rüstungskonzern peilt wie von GoingPublic berichtet das Dual-Listing noch für Juni oder Juli an. Die Verteidigungsausgaben in Europa kletterten 2025 auf 864 Mrd. USD – ein Zuwachs von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Mit einer angepeilten Bewertung von rund 20 Mrd. Euro würde KNDS zu den Top-Börsenkandidaten Europas in diesem Jahr zählen. Das IPO trifft auf ein günstiges Marktumfeld. Zusätzlichen Rückenwind liefert das E6-Abkommen vom 29. Mai. Die sechs größten EU-Volkswirtschaften wollen die Aufsicht über Kapitalmärkte stärker europäisch organisieren und wichtige Marktinfrastrukturen unter ein gemeinsames Regelwerk stellen. Das könnte Europas Börsen für internationale Großanleger deutlich attraktiver machen. Das frische Kapital soll den Kapazitätsausbau in Europa beschleunigen und gezielte Zukäufe im Landsystemgeschäft ermöglichen.
KNDS zählt zu den größten Profiteuren des europäischen Rüstungsbooms. Der Umsatz stieg 2025 um knapp 16 % auf 4,4 Mrd. EUR, getragen von einer starken Nachfrage über alle Geschäftsbereiche hinweg. Die deutsche Panzersparte wuchs um 17,4 %, das Frankreich-Geschäft um knapp 10 %, während das Munitionsgeschäft sogar um ein Viertel zulegte. Noch dynamischer entwickelte sich die Profitabilität: Das EBIT sprang von 500 Mio. auf 661 Mio. EUR, die Marge verbesserte sich von 13,2 auf 15,0 %. Als Treiber nennt das Unternehmen operative Effizienzgewinne und den hohen Anteil margenstarker Exportaufträge.
Expansion entlang der Wertschöpfungskette
Für die kommenden Jahre sorgt vor allem der Auftragsbestand für Visibilität: Mit 33,1 Mrd. EUR erreichte er einen Rekordwert und liegt rund zehn Milliarden Euro über dem Niveau zum Jahresende 2024. Allein im vergangenen Jahr verbuchte KNDS Neuaufträge im Volumen von 13,5 Mrd. EUR. Um die Produktionskapazitäten zu steigern, hält der Konzern Ausschau nach neuen Fertigungsstätten. Dabei rückt auch die Automobilindustrie in den Fokus: Der VW-Betriebsrat hat bereits Offenheit für Rüstungsprojekte am Standort Osnabrück signalisiert, wo die zivile Fahrzeugproduktion 2027 ausläuft.
Die Expansionsdynamik erfasst die gesamte Wertschöpfungskette – von gepanzerten Fahrzeugen bis zu aktiven Schutzsystemen wie dem Joint Venture mit der israelischen Rafael Advanced Defense Systems und General Dynamics European Land Systems. Derzeit werden rund 200 Fahrzeuge damit ausgestattet. Mit dem Joint Venture Pulse baut KNDS zudem seine Präsenz im Raketenartilleriemarkt aus. Gemeinsam mit dem israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems sollen Raketenartilleriesysteme für europäische Streitkräfte gefertigt werden.
Compliance-Altlasten und Katar-Affäre ausgeräumt
Parallel zum Börsengang sichert sich auch der deutsche Staat Einfluss bei KNDS. Über die KfW erwirbt der Bund 40 % der Anteile am Hersteller des Leopard 2 zum Ausgabepreis der Emission. Die Transaktion verschafft Deutschland und Frankreich künftig ein gleiches Stimmgewicht und unterstreicht die strategische Bedeutung des Konzerns für die europäische Verteidigungsindustrie. Mittelfristig soll der Bundesanteil zwar wieder auf 30 % sinken. Vorerst steht jedoch die strategische Einflussnahme im Vordergrund.
KNDS zählt zu den Schlüsselunternehmen der europäischen Landverteidigung und produziert neben dem Kampfpanzer Leopard 2 auch die Panzerhaubitze 2000 sowie weitere Waffensysteme. Der Einstieg des Bundes erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem KNDS eine wichtige Hürde aus dem Weg geräumt hat: Wochenlang hatten Compliance- und Governance-Probleme und Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit einem Katar-Rüstungsgeschäft von 2013 die Börsenpläne überschattet und für Unsicherheit bei Investoren gesorgt.
Fazit
KNDS kommt zu einem Zeitpunkt an die Börse, an dem Europas Verteidigungsindustrie vor einem jahrzehntelangen Investitionszyklus steht. Rekordaufträge, steigende Margen, wachsende Produktionskapazitäten und eine starke Marktstellung sprechen für die Investmentstory. Die politischen Risiken bleiben angesichts des Staatseinflusses und der regulatorischen Sensibilität des Geschäfts hoch. Für Anleger, die an eine anhaltend hohe Nachfrage nach europäischen Rüstungsgütern glauben, könnte KNDS zu den attraktivsten Neuemissionen der kommenden Jahre zählen.
Autor/Autorin

Christian Euler
Christian Euler gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist regelmäßig Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Als Redakteur beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit Wirtschaft und Finanzen.





