Bildnachweis: Veraxa AG.

Ab dem 11. Juni wird die Aktie der VERAXA Biotech AG unter dem Kürzel VRXA (ISIN CH1476899161, WKN A4205C) an der Nasdaq gehandelt, die Optionsscheine notieren als VRXAW. Im Zuge des Börsengangs über die SPAC-Fusion wurde das Unternehmen mit einer impliziten Pro-forma-Eigenkapitalbewertung von rund 1,64 Milliarden USD bewertet. Dem Börsendebüt gingen der Zusammenschluss mit der SPAC-Gesellschaft Voyager Acquisition Corp., erste auf der AACR-Jahrestagung 2026 präsentierte Daten zur BiTAC-Plattform sowie zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 77,5 Mio. USD voraus. Der Schritt an den US-Kapitalmarkt zeigt, dass Investoren weiterhin bereit sind, auf innovative Onkologieplattformen zu setzen. Im Fall von VERAXA basiert die Investmentstory jedoch nicht allein auf BiTAC, sondern auch auf Pipeline, präklinischen Daten und Kapital für die nächsten Entwicklungsschritte. Von Urs Moesenfechtel

Ein Börsengang mit Anlauf

Christoph Antz Ph.D., CEO, Co-Founder
Christoph Antz, Ph.D., CEO, Mitgründer

Für VERAXA ist das Nasdaq-Listing der Abschluss eines Prozesses, der im Frühjahr 2025 öffentlich wurde. Damals kündigte das Unternehmen den Zusammenschluss mit Voyager Acquisition Corp. an, einer SPAC-Gesellschaft, die 2024 an die Börse gegangen war, um ein Unternehmen aus dem Gesundheitssektor zu übernehmen und an die Börse zu bringen.

Effekte wie die US-Haushaltsblockade in Rekordlänge im vergangenen Herbst, mit negativen Auswirkungen auf die Arbeit der US-Kapitalmarktaufsicht SEC, legten VERAXA zusätzliche Steine in den Weg. Die Aktionäre von VERAXA stimmten der Transaktion Ende Februar 2026 zu, die Voyager-Aktionäre folgten im März. Im Zuge des Abschlusses fusionierten VERAXA Biotech AG und Voyager mit der VERAXA Biotech Holding AG, die künftig unter dem Namen VERAXA Biotech AG firmieren soll. Begleitet wurde die Transaktion von einer hohen Redemption-Quote. Nach Unternehmensangaben wurden rund 99,67 % der öffentlichen Voyager-Class-A-Aktien gegen Auszahlung des Trust-Guthabens zurückgegeben, sodass im SPAC-Trust lediglich rund 885.000 USD verblieben. Der Zusammenschluss verschaffte VERAXA damit zwar den Zugang zur Nasdaq, brachte aus dem ursprünglichen SPAC-Trust jedoch nur begrenzte zusätzliche Finanzmittel mit. Die mit SPAC-Transaktionen häufig verbundene Kapitalzufuhr fiel damit deutlich geringer aus als ursprünglich vorgesehen.

Für das Unternehmen mit Sitz in Zürich und Wurzeln im Raum Heidelberg ist der Börsenstart ein wichtiger Meilenstein. VERAXA entstand aus den EMBL-nahen Unternehmen Velabs und Araxa und wurde in seiner heutigen Struktur 2021 aufgebaut. Ende 2023 erweiterte VERAXA die Pipeline durch die Übernahme der Synimmune GmbH. Damit kam unter anderem ein klinisch bereits erprobter Anti-FLT3-Antikörper gegen akute myeloische Leukämie hinzu, der heute als VX-A901 geführt wird. Öffentlich verfügbaren Unternehmensprofilen zufolge beschäftigt VERAXA heute ca. 45 Mitarbeitende. Zu den wichtigsten Anteilseignern und Unterstützern zählen Xlife Sciences sowie EMBL und dessen Technologietransfergesellschaft EMBLEM. Für Xlife Sciences ist der Börsengang bedeutsam: VERAXA ist das erste Portfoliounternehmen des Schweizer Inkubators, das den Sprung an die Nasdaq geschafft hat. Zu den größeren bekannten Aktionären gehört zudem der Schweizer Unternehmer Gilbert E. Schöni, der nach einer Mitte Juni veröffentlichten Pflichtmitteilung rund 15,9 % der Aktien hielt. Schöni zählt gemeinsam mit David L. Deck zu den Gründern von Xlife Sciences. Damit befindet sich – neben der Beteiligung von Xlife selbst – weiterhin ein erheblicher Teil des wirtschaftlichen Interesses am Unternehmen innerhalb des erweiterten Xlife-Umfelds, auch wenn die Beteiligungen rechtlich voneinander getrennt sind. Gleichzeitig verbleibt nur ein vergleichsweise begrenzter Teil der Aktien im Streubesitz. Unternehmensangaben zufolge liegt der Free Float bei weniger als 25 %.

Die Plattform im Mittelpunkt

Im Zentrum der Unternehmensgeschichte steht BiTAC. Die Abkürzung steht für „Bi-targeted Tumor-Associated Cytotoxicity“ und beschreibt einen Ansatz, der die Zielgenauigkeit moderner Krebstherapien verbessern soll. Die Grundidee: Eine therapeutische Wirkung soll erst dann ausgelöst werden, wenn zwei definierte Tumormerkmale gleichzeitig erkannt werden. Dieser AND-gesteuerte Mechanismus soll helfen, Tumorzellen präziser zu adressieren und gesundes Gewebe besser zu schonen. Damit zielt VERAXA auf ein zentrales Problem vieler hochwirksamer Krebstherapien: den Ausgleich zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das Unternehmen nutzt BiTAC vor allem für bispezifische T-Zell-Engager und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Beide Wirkstoffklassen zählen derzeit zu den besonders aktiven Innovationsfeldern der Onkologie. Darüber hinaus sieht VERAXA Anwendungsmöglichkeiten in angrenzenden Formaten wie Radioimmunokonjugaten und Antikörper-Oligonukleotid-Konjugaten. Die Pipeline umfasst mehrere Programme für solide Tumoren, unter anderem bei Lungen-, Brust-, Pankreas- und Eierstockkrebs. Hinzu kommt VX-A901, ein Anti-FLT3-Antikörper gegen hämatologische Malignome.

Erste Daten, aber noch keine klinische Antwort

Kurz vor dem Börsengang stellte VERAXA auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research 2026 Daten aus seinem bislang fortgeschrittensten BiTAC-Programm vor. Nach Unternehmensangaben zeigte der BiTAC-TCE-Kandidat in präklinischen Untersuchungen das gewünschte Selektivitätsprofil: Tumorzellen mit beiden Zielstrukturen wurden attackiert, Zellen mit nur einem der beiden Marker dagegen geschont. Zugleich berichtete das Unternehmen von vergleichbarer Wirksamkeit und einem verbesserten Sicherheitsprofil gegenüber einem konventionellen T-Zell-Engager.

Für eine Plattformgesellschaft sind solche Daten wichtig. Sie machen aus einem technologischen Konzept noch keinen klinischen Beweis, geben der Equity Story aber mehr Substanz als eine reine Plattformbeschreibung. Der entscheidende Schritt steht dennoch aus: Ob sich der präklinische Befund in Studien mit Patienten bestätigen lässt, wird erst die nächste Entwicklungsphase zeigen. Für Investoren ist dies zugleich die zentrale Bewertungsfrage. Die im Zuge der SPAC-Transaktion angesetzte Pro-forma-Eigenkapitalbewertung von rund 1,64 Mrd. USD reflektiert weniger heutige Umsätze oder klinische Daten als die Erwartungen an die BiTAC-Plattform, deren potenzielle Anwendbarkeit in mehreren Onkologie-Indikationen sowie die daraus abgeleitete Pipeline. Ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind, wird sich letztlich erst mit klinischen Daten zeigen.

Plattform allein reicht selten aus

VERAXA kommt in einen Biotech-Markt, der sich 2026 wieder geöffnet hat, aber selektiv bleibt. BioPharma Dive zählte zuletzt zwölf Wirkstoffentwickler, die im laufenden Jahr zusammen mehr als 4,1 Mrd. USD über Börsengänge eingesammelt haben. Das ist ein deutliches Signal für wiedergewachsene Risikobereitschaft. Zugleich zeigen die erfolgreichen Transaktionen, dass Plattformtechnologien meist nicht isoliert vermarktet werden.

Parabilis Medicines ist dafür ein besonders sichtbares Beispiel. Das Unternehmen ging mit seiner Helicon-Technologie an den Markt, einer Plattform für stabilisierte helikale Peptide gegen schwer zugängliche Zielproteine. Der Kapitalmarkt honorierte jedoch nicht nur das Plattformversprechen. Zum Börsengang gehörten ein klinischer Entwicklungsansatz, ein Rekord-IPO über 670 Mio. USD, eine Platzierung von 33,5 Mio. Aktien zu 20 USD je Aktie sowie zusätzlich eine private Aktienplatzierung über 75 Mio. USD im Zusammenhang mit einer Kooperation mit Regeneron.

Auch Generate Biomedicines wurde als Plattformunternehmen wahrgenommen. Das Unternehmen nutzt generative Biologie und KI-gestütztes Protein-Design, trat am Kapitalmarkt aber nicht nur mit einer Technologieerzählung auf. Beim IPO im Februar 2026 platzierte Generate 25 Mio. Aktien zu 16 USD und erzielte Bruttoerlöse von rund 400 Mio. USD. Die Mittel sollten unter anderem die weitere Entwicklung der Pipeline unterstützen; das Unternehmen verwies dabei auch auf sein Anti-TSLP-Antikörperprogramm GB-0895, das in globale Phase-III-Studien bei schwerem Asthma gehen soll.

Parabilis und Generate waren in anderen Indikationen, mit anderen Plattformen und teils weiter fortgeschrittenen Programmen unterwegs. Für VERAXA ist dieser Unterschied wichtig:  BiTAC ist der Kern der Geschichte, aber nicht ihr einziger Baustein. Das Unternehmen verweist zusätzlich auf mehrere Programme für solide Tumoren und Blutkrebs, den Anti-FLT3-Kandidaten VX-A901, präklinische AACR-Daten und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für die nächsten Entwicklungsschritte. Damit ist VERAXA weniger eine reine Plattformwette als der Versuch, eine Plattform frühzeitig mit Pipeline, Daten und Kapitalreichweite zu unterlegen.

Frisches Kapital für die nächste Entwicklungsstufe

Zur Kapitalmarktstory gehört deshalb auch die Finanzierung kurz vor dem Börsenstart. Ende Mai sicherte sich VERAXA zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 77,5 Mio. USD. Diese setzen sich aus einer Senior Secured Note (vorrangig besicherte Schuldverschreibung) mit einem Nennwert von 27,5 Mio. USD sowie einer Aktienkaufvereinbarung über bis zu 50 Mio. USD zusammen. Bei der Schuldverschreibung handelt es sich um einen besicherten Schuldtitel. VERAXA erhält damit Fremdkapital, das innerhalb einer vereinbarten Laufzeit zurückgeführt werden muss. Die Finanzierung hat nach Unternehmensangaben eine Laufzeit von 15 Monaten. Die Aktienkaufvereinbarung besteht mit Lincoln Park Capital Fund. Der in Chicago ansässige Spezialfinanzierer tritt seit Jahren als Anbieter sogenannter Equity-Purchase-Facilities für börsennotierte Wachstums- und Biotechnologieunternehmen auf. Das Modell: Lincoln Park verpflichtet sich, über einen festgelegten Zeitraum Aktien des Unternehmens zu kaufen, während das Unternehmen selbst über Zeitpunkt und Umfang der Verkäufe entscheidet. Lincoln Park investiert nach eigenen Angaben mit einer Long-only-Strategie und ist insbesondere im Life-Sciences-Sektor aktiv.

Die Aktienkaufvereinbarung bedeutet nicht, dass VERAXA sofort 50 Mio. USD erhält. Vielmehr kann das Unternehmen über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten neue Aktien an Lincoln Park verkaufen. Dadurch entsteht zusätzlicher Finanzierungsspielraum, allerdings um den Preis möglicher Verwässerungseffekte für bestehende Aktionäre.

Zusätzlich ist ein vierjähriger Warrant zum Erwerb von rund 2,39 Mio. Aktien mit einem Ausübungspreis von 11,50 USD vorgesehen. Warrants funktionieren ähnlich wie Optionsrechte: Liegt der Aktienkurs künftig über dem Ausübungspreis, können die Inhaber neue Aktien erwerben. Bei vollständiger Ausübung würden der Gesellschaft dadurch zusätzliche Mittel von rund 27,5 Mio. USD zufließen. Gleichzeitig würde sich die Zahl der ausstehenden Aktien erhöhen und die Anteile bestehender Aktionäre entsprechend verwässern.

Die Struktur zeigt: Der Börsengang allein ist nicht die ganze Finanzierungsgeschichte. VERAXA sicherte sich ergänzende Instrumente, um den Abschluss der Transaktion und die Weiterentwicklung der Pipeline abzustützen. Die hohe Redemption-Quote bedeutete jedoch, dass aus dem ursprünglichen SPAC-Trust nur ein vergleichsweise geringer Mittelzufluss verblieb. Der Zugang zur Nasdaq gelang zwar, die ursprünglich mit der SPAC-Transaktion verbundene Kapitalzufuhr blieb jedoch weitgehend aus.

An ihre Stelle trat eine komplexere Kombination aus Fremd- und Eigenkapitalinstrumenten. Die Senior Secured Note über 27,5 Mio. USD ist wirtschaftlich Fremdkapital und muss innerhalb der vereinbarten Laufzeit zurückgeführt werden. Nach den SEC-Unterlagen sieht die Struktur monatliche Teilrückzahlungen von jeweils 2,75 Mio. USD vor. Zugleich zeigt der Blick in die Vertragsunterlagen, dass der Nennbetrag der Senior Secured Note nicht mit einem einfachen Mittelzufluss gleicher Höhe gleichzusetzen ist: Der Kaufpreis für die Senior Secured Note lag unter ihrem Nennwert, hinzu kamen Warrants zum Erwerb von Aktien. Bei einem Zahlungsausfall kann zudem ein Verzugszins von 15 % pro Jahr greifen.

Auch die Aktienkaufvereinbarung mit Lincoln Park bedeutet nicht, dass VERAXA sofort 50 Mio. USD erhält. Vielmehr kann das Unternehmen über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten neue Aktien an Lincoln Park verkaufen und so schrittweise Kapital aufnehmen. Der tatsächliche Mittelzufluss hängt damit von Marktbedingungen, Aktienkurs und den vertraglichen Vorgaben ab.

Damit rückt die Kapitalreichweite stärker in den Vordergrund. Wie hoch der Finanzierungsbedarf bis zum Erreichen der nächsten klinischen Meilensteine tatsächlich ausfällt, lässt sich von außen nur begrenzt abschätzen. Die jüngsten Finanzzahlen zeigen jedoch, dass sich VERAXA weiterhin in einer kapitalintensiven Entwicklungsphase befindet. Für Investoren wird daher nicht nur entscheidend sein, welche Kandidaten den Übergang in die Klinik schaffen, sondern auch, wie effizient das Unternehmen die vorhandenen Mittel einsetzt, ob zusätzliche Finanzierungsquellen erschlossen werden können und welche Rolle mögliche Partnerschaften oder Lizenzvereinbarungen künftig spielen.

Die nächste Bewährungsprobe beginnt jetzt

Mit dem Nasdaq-Listing hat VERAXA ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Aktie ist handelbar, die SPAC-Transaktion abgeschlossen, die Finanzierungsbasis gestärkt. Für Anleger beginnt damit zugleich die Phase der Kursfindung.

Operativ betrachtet steht VERAXA jedoch erst am Beginn der nächsten Entwicklungsphase. Die BiTAC-Plattform hat genügend Interesse geweckt, um den Weg an den Kapitalmarkt zu ermöglichen. Erste präklinische Daten liegen vor. Eine Pipeline ist skizziert, das Kapital für die nächsten Schritte zumindest teilweise gesichert.

Mit dem Börsengang sind jedoch nicht alle Fragen beantwortet. Die hohe Redemption-Quote reduzierte den unmittelbaren Mittelzufluss aus der SPAC-Transaktion erheblich. Gleichzeitig basiert ein Teil der Finanzierungsstrategie auf Instrumenten, deren tatsächlicher Umfang von künftigen Marktbedingungen abhängt. Für Investoren werden daher in den kommenden Quartalen nicht nur klinische Fortschritte relevant sein, sondern auch Fragen zur Kapitalreichweite, zu möglichen Partnerschaften und zur weiteren Finanzierung der Pipeline. Hinzu kommt die Frage, wie transparent und nachvollziehbar das Unternehmen seine Entwicklung gegenüber dem Kapitalmarkt kommuniziert.

Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der Programme noch in frühen Entwicklungsstadien. Ob BiTAC langfristig als Kapitalmarkterfolg, als Plattformtechnologie oder als Grundlage neuer Krebstherapien in Erinnerung bleibt, entscheidet sich daher nicht am ersten Handelstag. Die Antwort werden die Programme liefern müssen, die aus der Plattform hervorgehen.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.