Bildnachweis: Veraxa AG.

Am 11. Juni (ab 15:30 Uhr Ortszeit) die Aktie der VERAXA Biotech AG unter dem Kürzel VRXA an der Nasdaq gehandelt, die Optionsscheine notieren als VRXAW. Dem Börsendebüt gingen der Zusammenschluss mit der SPAC-Gesellschaft Voyager Acquisition Corp., erste auf der AACR-Jahrestagung 2026 präsentierte Daten zur BiTAC-Plattform sowie zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 77,5 Mio. USD voraus. Der Schritt an den US-Kapitalmarkt zeigt, dass Investoren weiterhin bereit sind, auf innovative Onkologieplattformen zu setzen. Im Fall von VERAXA basiert die Investmentstory jedoch nicht allein auf BiTAC, sondern auch auf Pipeline, präklinischen Daten und Kapital für die nächsten Entwicklungsschritte. Von Urs Moesenfechtel

Ein Börsengang mit Anlauf

Christoph Antz Ph.D., CEO, Co-Founder
Christoph Antz, Ph.D., CEO, Mitgründer

Für VERAXA ist das Nasdaq-Listing der Abschluss eines Prozesses, der im Frühjahr 2025 öffentlich wurde. Damals kündigte das Unternehmen den Zusammenschluss mit Voyager Acquisition Corp. an, einer auf Healthcare ausgerichteten SPAC-Gesellschaft. Effekte wie die US-Haushaltsblockade in Rekordlänge im vergangenen Herbst, mit negativen Auswirkungen auf die Arbeit der US-Kapitalmarktaufsicht SEC, legten VERAXA zusätzliche Steine in den Weg. Die Aktionäre von VERAXA stimmten der Transaktion Ende Februar 2026 zu, die Voyager-Aktionäre folgten im März. Im Zuge des Abschlusses fusionierten VERAXA Biotech AG und Voyager mit der VERAXA Biotech Holding AG, die künftig unter dem Namen VERAXA Biotech AG firmieren soll.

Für das Unternehmen mit Sitz in Zürich und Wurzeln im Raum Heidelberg ist der Börsenstart ein wichtiger Meilenstein. VERAXA entstand aus den EMBL-nahen Unternehmen Velabs und Araxa und wurde in seiner heutigen Struktur 2021 aufgebaut. Zu den wichtigsten Anteilseignern und Unterstützern zählen Xlife Sciences sowie EMBL und dessen Technologietransfergesellschaft EMBLEM. Für Xlife Sciences ist der Börsengang ebenfalls bedeutsam: VERAXA ist nach Unternehmensangaben das erste Portfoliounternehmen des Schweizer Inkubators, das den Sprung an die Nasdaq geschafft hat.

Die Plattform im Mittelpunkt

Im Zentrum der Unternehmensgeschichte steht BiTAC. Die Abkürzung steht für „Bi-targeted Tumor-Associated Cytotoxicity“ und beschreibt einen Ansatz, der die Zielgenauigkeit moderner Krebstherapien verbessern soll. Die Grundidee: Eine therapeutische Wirkung soll erst dann ausgelöst werden, wenn zwei definierte Tumormerkmale gleichzeitig erkannt werden. Dieser AND-gesteuerte Mechanismus soll helfen, Tumorzellen präziser zu adressieren und gesundes Gewebe besser zu schonen. Damit zielt VERAXA auf ein zentrales Problem vieler hochwirksamer Krebstherapien: den Ausgleich zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit. Das Unternehmen nutzt BiTAC vor allem für bispezifische T-Zell-Engager und Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Beide Wirkstoffklassen zählen derzeit zu den besonders aktiven Innovationsfeldern der Onkologie. Darüber hinaus sieht VERAXA Anwendungsmöglichkeiten in angrenzenden Formaten wie Radioimmunokonjugaten und Antikörper-Oligonukleotid-Konjugaten. Die Pipeline umfasst mehrere Programme für solide Tumoren, unter anderem bei Lungen-, Brust-, Pankreas- und Eierstockkrebs. Hinzu kommt VX-A901, ein Anti-FLT3-Antikörper gegen hämatologische Malignome.

Erste Daten, aber noch keine klinische Antwort

Kurz vor dem Börsengang stellte VERAXA auf der Jahrestagung der American Association for Cancer Research 2026 Daten aus seinem bislang fortgeschrittensten BiTAC-Programm vor. Nach Unternehmensangaben zeigte der BiTAC-TCE-Kandidat in präklinischen Untersuchungen das gewünschte Selektivitätsprofil: Tumorzellen mit beiden Zielstrukturen wurden attackiert, Zellen mit nur einem der beiden Marker dagegen geschont. Zugleich berichtete das Unternehmen von vergleichbarer Wirksamkeit und einem verbesserten Sicherheitsprofil gegenüber einem konventionellen T-Zell-Engager.

Für eine Plattformgesellschaft sind solche Daten wichtig. Sie machen aus einem technologischen Konzept noch keinen klinischen Beweis, geben der Equity Story aber mehr Substanz als eine reine Plattformbeschreibung. Der entscheidende Schritt steht dennoch aus: Ob sich der präklinische Befund in Studien mit Patienten bestätigen lässt, wird erst die nächste Entwicklungsphase zeigen.

Plattform allein reicht selten aus

VERAXA kommt in einen Biotech-Markt, der sich 2026 wieder geöffnet hat, aber selektiv bleibt. BioPharma Dive zählte zuletzt zwölf Wirkstoffentwickler, die im laufenden Jahr zusammen mehr als 4,1 Mrd. USD über Börsengänge eingesammelt haben. Das ist ein deutliches Signal für wiedergewachsene Risikobereitschaft. Zugleich zeigen die erfolgreichen Transaktionen, dass Plattformtechnologien meist nicht isoliert vermarktet werden.

Parabilis Medicines ist dafür ein besonders sichtbares Beispiel. Das Unternehmen ging mit seiner Helicon-Technologie an den Markt, einer Plattform für stabilisierte helikale Peptide gegen schwer zugängliche Zielproteine. Der Kapitalmarkt honorierte jedoch nicht nur das Plattformversprechen. Zum Börsengang gehörten ein klinischer Entwicklungsansatz, ein Rekord-IPO über 670 Mio. USD, eine Platzierung von 33,5 Mio. Aktien zu 20 USD je Aktie sowie zusätzlich eine private Aktienplatzierung über 75 Mio. USD im Zusammenhang mit einer Kooperation mit Regeneron.

Auch Generate Biomedicines wurde als Plattformunternehmen wahrgenommen. Das Unternehmen nutzt generative Biologie und KI-gestütztes Protein-Design, trat am Kapitalmarkt aber nicht nur mit einer Technologieerzählung auf. Beim IPO im Februar 2026 platzierte Generate 25 Mio. Aktien zu 16 USD und erzielte Bruttoerlöse von rund 400 Mio. USD. Die Mittel sollten unter anderem die weitere Entwicklung der Pipeline unterstützen; das Unternehmen verwies dabei auch auf sein Anti-TSLP-Antikörperprogramm GB-0895, das in globale Phase-III-Studien bei schwerem Asthma gehen soll.

Parabilis und Generate waren in anderen Indikationen, mit anderen Plattformen und teils weiter fortgeschrittenen Programmen unterwegs. Für VERAXA ist dieser Unterschied wichtig:  BiTAC ist der Kern der Geschichte, aber nicht ihr einziger Baustein. Das Unternehmen verweist zusätzlich auf mehrere Programme für solide Tumoren und Blutkrebs, den Anti-FLT3-Kandidaten VX-A901, präklinische AACR-Daten und zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für die nächsten Entwicklungsschritte. Damit ist VERAXA weniger eine reine Plattformwette als wie der Versuch, eine Plattform frühzeitig mit Pipeline, Daten und Kapitalreichweite zu unterlegen.

Frisches Kapital für die nächste Entwicklungsstufe

Zur Kapitalmarktstory gehört deshalb auch die Finanzierung kurz vor dem Börsenstart. Ende Mai sicherte sich VERAXA zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten von bis zu 77,5 Mio. USD. Diese setzen sich aus einer vorrangig besicherten Note mit einem Nennwert von 27,5 Mio. USD sowie einer Aktienkaufvereinbarung über bis zu 50 Mio. USD zusammen.

Die Note hat nach Unternehmensangaben eine Laufzeit von 15 Monaten. Zusätzlich ist ein vierjähriger Warrant zum Erwerb von rund 2,39 Mio. Aktien mit einem Ausübungspreis von 11,50 USD vorgesehen. Die Struktur zeigt: Der Börsengang allein ist nicht die ganze Finanzierungsgeschichte. VERAXA sicherte sich ergänzende Instrumente, um den Abschluss der Transaktion und die Weiterentwicklung der Pipeline abzustützen.

Die Mittel sollen nun vor allem dazu dienen, BiTAC-TCE- und BiTAC-ADC-Programme in Richtung klinischer Entwicklung zu bringen und erste wertrelevante Meilensteine zu erreichen. Damit verschiebt sich der Blick vom Plattformversprechen auf die operative Umsetzung: Welche Kandidaten schaffen den Übergang in die Klinik, und wie belastbar sind die Daten, wenn sie nicht mehr aus präklinischen Modellen stammen?

Die nächste Bewährungsprobe beginnt jetzt

Mit dem Nasdaq-Listing hat VERAXA ein wichtiges Etappenziel erreicht. Die Aktie ist handelbar, die SPAC-Transaktion abgeschlossen, die Finanzierungsbasis gestärkt. Für die BiTAC-Plattform beginnt damit jedoch nicht das Ende der Entwicklung, sondern der nächste Abschnitt. Die Technologie hat genügend Interesse geweckt, um den Weg an den Kapitalmarkt zu ermöglichen. Erste präklinische Daten liegen vor. Eine Pipeline ist skizziert, das Kapital für die nächsten Schritte zumindest teilweise gesichert. Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der Programme noch in frühen Entwicklungsstadien. Ob BiTAC langfristig als Kapitalmarkterfolg, als Plattformtechnologie oder als Grundlage neuer Krebstherapien in Erinnerung bleibt, entscheidet sich daher nicht am ersten Handelstag. Die Antwort werden die Programme liefern müssen, die aus der Plattform hervorgehen.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.