Bildnachweis: BASF SE .
Mit dem geplanten Börsengang der Agrarsparte setzt BASF seinen Konzernumbau konsequent fort. Der Schritt könnte den Wert des Agrargeschäfts deutlicher hervorheben und dem Chemiekonzern langfristig eine höhere Bewertung am Kapitalmarkt ermöglichen. Von Jenny Gspahn-Staudigl
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF plant den Teilbörsengang seines Agrargeschäfts. Die BASF-Agrarsparte zählt zu den profitabelsten Geschäftsbereichen des Konzerns und konnte allein 2025 rund ein Drittel des Konzerngewinns erwirtschaften. Der Umsatz lag bei rund 10 Mrd. EUR, das EBITDA bei rund 2 Mrd. EUR.
Vor dem geplanten Börsengang wird die Agrarsparte zunächst organisatorisch und rechtlich aus dem BASF-Konzern herausgelöst und als eigenständiges Unternehmen aufgestellt. Der Carve-out, dessen Ausgliederung die Aktionäre auf der Hauptversammlung Ende April 2026 beschlossen haben, bildet die Voraussetzung dafür, dass die Sparte voraussichtlich im zweiten Quartal 2027 an die Börse gebracht werden kann. Der Börsengang soll den eigenständigen Marktwert des Agrargeschäfts sichtbar machen und den Konglomeratsabschlag des Gesamtkonzerns verringern. Hintergrund ist die breit aufgestellte Konzernstruktur von BASF, die von Basischemie über Kunststoffe bis hin zur Agrarchemie reicht. Solche Konglomerate werden häufig mit einem Bewertungsabschlag gehandelt, da Investoren die einzelnen Geschäftsbereiche nur schwer isoliert bewerten können. An die Börse soll lediglich ein Minderheitsanteil gebracht werden. BASF will die Mehrheit an der Sparte behalten, um weiterhin von deren Ertragskraft und Cashflow zu profitieren.
Milliarden-IPO mit Signalwirkung
Ein Blick auf vergleichbare Unternehmen stützt diese Einschätzung. Als wichtigste Referenz gilt der US-Agrarchemiekonzern Corteva, der bei einer ähnlichen operativen Profitabilität aktuell mit dem etwa 14-fachen EBITDA bewertet wird. Beide Unternehmen erzielen eine operative EBITDA-Marge von rund 20 %. Überträgt man diesen Bewertungsmultiplikator auf die BASF-Agrarsparte, ergibt sich eine Bewertung von rund 26 Mrd. EUR. BASF selbst hat sich bislang nicht dazu geäußert.
Auch der Wettbewerber Bayer liefert einen Anhaltspunkt. Zwar ist dessen Agrarsparte größer, der Konzern wird jedoch aufgrund der Glyphosat-Rechtsrisiken insgesamt mit einem Abschlag bewertet. Im Branchenvergleich erscheint die diskutierte Bewertung der BASF-Agrarsparte daher durchaus realistisch. Mit Syngenta arbeitet zudem ein weiterer großer Wettbewerber an einem Börsengang, was auf eine zunehmende Dynamik im Agrarchemiesektor hindeutet.
Die Weichen für den IPO sind gestellt
Laut einem Bericht des Handelsblatts unter Berufung auf Finanzkreise wird für die BASF-Agrarsparte im Zuge des geplanten Börsengangs eine Bewertung zwischen 20 und 30 Mrd. EUR angestrebt. BASF selbst hat sich zu möglichen Bewertungsgrößen bislang nicht geäußert.
Ein Blick auf vergleichbare Unternehmen stützt diese Einschätzung. Als wichtigste Referenz gilt der US-Agrarchemiekonzern Corteva, der bei einer ähnlichen operativen Profitabilität aktuell mit dem etwa 14-fachen EBITDA bewertet wird. Beide Unternehmen erzielen eine operative EBITDA-Marge von rund 20 %. Überträgt man diesen Bewertungsmultiplikator auf die BASF-Agrarsparte, ergibt sich eine Bewertung von rund 26 Mrd. EUR. Damit liegt die rechnerische Bewertung innerhalb der vom Handelsblatt genannten Spanne.
Parallel zur Vorbereitung des Börsengangs wird Medienberichten zufolge auch ein möglicher Verkauf eines Minderheitsanteils geprüft. Welcher Weg letztlich gewählt wird, soll von den Marktbedingungen und dem erwarteten Erlös abhängen.
BASF-Aktie reagiert positiv

Nach den Berichten über den geplanten Börsengang legte die BASF-Aktie im frühen Handel um rund 2,5 % zu und notiert aktuell bei 49,99 EUR zu. Damit bewegt sich das Papier in der oberen Hälfte der 52-Wochen-Spanne von 41,48 – 55,05 EUR. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 43,5 Mrd. EUR, einem KGV von 18,7 und einer Dividendenrendite von knapp 4,8 % dürfte der Börsengang nun ein wichtiger Gradmesser dafür werden, wie Investoren den Konzern künftig bewerten.
Fazit
Der Börsengang soll die Bewertung des Agrargeschäfts vom übrigen Konzern entkoppeln und dessen Wert am Kapitalmarkt besser widerspiegeln. Die Sparte bleibt weiterhin mehrheitlich im Konzern und erfüllt eine strategisch wichtige Rolle. Entscheidend für den Erfolg werden die Bewertung und das Börsenumfeld im Jahr 2027 sein. Gelingt der Börsengang, könnte dies den Wert des Gesamtkonzerns nachhaltig steigern und den Konglomeratsabschlag reduzieren.
| BASF Agricultural Solutions (geplante SE) | |
| Branche | Agrarchemie (Pflanzenschutz & Saatgut) |
| Geplanter Börsengang* | 2027 (voraussichtlich Q2)* |
| möglicher Börsenplatz | Frankfurter Wertpapierbörse |
| mögliche Bewertung** | 20-30 Mrd. EUR |
| Umsatz 2025 | 9,6 Mrd. EUR |
| EBITDA 2025 | 1,9 Mrd. EUR (2,1 Mrd. EUR vor Sondereinflüssen) |
| EBITDA-Marge | 20,1 % (21,7 % bereinigt) |
| Cashflow 2025 | 1,5 Mrd. EUR |
| Anteil am BASF-Konzernumsatz | 16,1 % |
| Mehrheitsaktionär nach IPO | BASF SE |
| Internet | www.agriculture.basf.com |
*weitere Möglichkeiten (bspw. ein Verkauf) werden ebenfalls geprüft.
** Angaben Handelsblatt unter Berufung auf Finanzkreise
Autor/Autorin
Jenny Gspahn-Staudigl ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.





