Bildnachweis: KNDS.

Es zeichnete sich seit einigen Tagen ab und wird nun zur Gewissheit: Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht an die Börse. Die Aktien sollen im Rahmen einer Doppelnotierung in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen am heutigen Mittwoch mitteilte. Von Christian Euler


Weitere Details sollen mit dem Prospekt zum Börsengang veröffentlicht werden. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt. Kreisen zufolge könnte es bereits im Juli so weit sein. KNDS-Chef Jean-Paul Alary hatte erst kürzlich auf der Rüstungsmesse Eurosatory angekündigt, die erste sich bietende Gelegenheit für einen Börsengang nutzen zu wollen.

Dem geplanten Marktdebüt war eine Einigung zwischen Berlin und Paris über die künftige Macht- und Eigentümerstruktur von KNDS vorausgegangen. Danach sichern sich Deutschland und Frankreich jeweils 40 % der Anteile an dem Rüstungskonzern. Die übrigen 20 % sollen im Zuge des IPOs an institutionelle Investoren platziert werden. Ein Verkauf von Aktien an die breite Öffentlichkeit ist nicht geplant.

Bund sichert Einfluss

Jean-Paul Alary, CEO, KNDS || Foto: KNDS

Als Kandidaten für das Bankenkonsortium gelten seit geraumer Zeit die Deutsche Bank, Société Générale, Goldman Sachs, Bank of America, UniCredit und BNP Paribas. Auf eine Kapitalerhöhung im Rahmen des Börsengangs soll nach aktuellem Stand verzichtet werden. „Der geplante Börsengang ist ein natürlicher nächster Schritt für KNDS“, betonte Unternehmenschef Jean-Paul Alary. „Er wird unsere strategische Agilität erhöhen und die fortgesetzten Investitionen in Kapazitäten, Innovation und Technologien der nächsten Generation unterstützen.“

Erst vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission den Einstieg des Bundes genehmigt. Mit dem Einstieg will sich Berlin eine Sperrminorität und damit Einfluss auf wesentliche Unternehmensentscheidungen sichern. Ergänzend sind zusätzliche staatliche Kontrollrechte vorgesehen, während Deutschland und Frankreich künftig gleichberechtigte Stimmrechte sowie gegenseitige Vetorechte in Führungsfragen erhalten sollen. Der große staatliche Einfluss wird offensichtlich ein zentrales Merkmal der künftigen Struktur sein.

Staatlicher Einfluss hat seinen Preis

Ein Detail sorgt für Aufsehen: Die Bundesregierung zahlt für ihr Aktienpaket mehr als den Ausgabepreis beim Börsengang. Nach einer Vorlage für den Haushaltsausschuss des Bundestages, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag, hat sich der Bund mit den Familieneigentümern „auf eine Kaufpreisformel für den Erwerb von 40 % der Anteile an KNDS geeinigt, welche auf dem IPO-Preis zuzüglich eines marktüblichen Paketaufschlags basiert und außerdem die Kursentwicklung der Monate nach IPO berücksichtigt“.

Bewertung und Fazit

Auch, wenn der Hype rund um Rüstungsaktien seinen Zenit überschritten hat, will KNDS-Chef Jean-Paul Alary das Momentum für Rüstungsunternehmen nutzen, die in diesem Jahr einen großen Teil der Börsengänge prägen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen wird KNDS mit 15 bis 18 Milliarden Euro bewertet. Damit könnte der Konzern direkt nach dem Börsengang zu den 20 wertvollsten Rüstungsunternehmen weltweit zählen – in Europa wäre sogar ein Platz unter den Top 10 möglich. Ausgehend von einer mittleren Bewertung von 16,5 Milliarden Euro würde KNDS mit dem rund 3,8-Fachen seiner für 2025 erwarteten Umsätze bewertet. Damit läge der Konzern unter dem Bewertungsniveau von Rheinmetall (5,4-facher Umsatz), aber deutlich über dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems (2,4-facher Umsatz).

Autor/Autorin

Christian Euler
Redakteur at GoingPublic Media AG

Christian Euler gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist regelmäßig Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Als Redakteur beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit Wirtschaft und Finanzen.