Bildnachweis: SMAG.
Die SMAG Mobile Antenna Masts AG strebt bereits im Juli an die Börse, wie am gestrigen 25. Juni bekannt wurde. Der Hersteller mobiler Antennenmastsysteme will ins Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse und über eine Kapitalerhöhung rund 30 Mio. EUR Wachstumskapital einnehmen. Die Münchner Private-Equity-Gesellschaft Aequita – 100 % Eigner der SMAG – plant darüber hinaus eine Umplatzierung von Anteilen. Cantor Fitzgerald fungiert als alleiniger globaler Koordinator und Bookrunner. Von Christian Euler
Die SMAG Mobile Antenna Masts AG erzielte nach eigenen Angaben im Jahr 2025 rund 99 % ihres Umsatzes in Höhe von 34 Mio. EUR mit militärischen Anwendungen. Das Unternehmen zählt sich zu den führenden europäischen Herstellern selbsttragender, abspannfreier mobiler Antennenmastsysteme. Nach Unternehmensangaben sind mehr als 2.000 Systeme in über 20 Ländern im Einsatz. Zum Kundenkreis gehören mehr als 50 Rüstungsunternehmen, OEMs und Regierungsbehörden sowie 15 NATO-Streitkräfte.
Die Systeme von SMAG lassen sich eigenen Angaben zufolge in weniger als zehn Minuten aufstellen, erreichen Höhen von bis zu 40 Metern, tragen Nutzlasten von bis zu 600 Kilogramm und funktionieren auch bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 km/h. Diese Spezialisierung macht das Unternehmen für den wachsenden Verteidigungsmarkt interessant. Der Börsengang erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Rüstungsaktien etwas weniger gefragt sind als noch vor wenigen Monaten. Jüngstes Beispiel: Die Aktie von Rheinmetall verlor am Mittwoch 18 % an Wert, nachdem die Bundesregierung das Fregattenprojekt F126 gestoppt hatte. Trotzdem dürfte die anhaltende Verteidigungskonjunktur auch dieses IPO-Projekt tragen.
„Champion der Verteidigungstechnologie“

Die 1974 in Salzgitter gegründete SMAG zählt zwar noch zu den kleineren Unternehmen im Rüstungssektor, wächst aber mit hohem Tempo. Nach einem Umsatzanstieg von 26,9 Mio. EUR im Jahr 2024 auf 34,0 Mio. EUR im Jahr 2025 peilt das Management für 2026 bereits Erlöse von 55 bis 60 Mio. EUR an. Das entspräche einer durchschnittlichen Wachstumsrate von rund 46 % pro Jahr. Mittelfristig will SMAG diese Dynamik fortsetzen und eine operative Marge von rund 35 % erreichen. Die bereinigte EBIT-Marge soll 2026 zwischen 19 und 21 % liegen.
„Wir sind stolz darauf, diesen deutschen Champion der Verteidigungstechnologie an die Börse zu bringen und neue Investoren willkommen zu heißen, die am nächsten Wachstumsabschnitt von SMAG teilhaben können“, kommentierte Vorstandschef Ulrich Feindt den bevorstehenden Börsengang.
Rüstungsphantasie trifft hohe Erwartungen
Die frischen Mittel sollen vor allem das weitere Wachstum finanzieren. Dazu zählen die Automatisierung der Fertigung, eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten sowie der Ausbau des Standorts Salzgitter, dessen Produktionsfläche bis Ende 2027 auf mehr als 20.000 Quadratmeter wachsen soll. Zudem soll das Kapital helfen, die hohe Nachfrage abzuarbeiten. Per Ende Dezember 2025 beziffert SMAG den Auftragsbestand auf 1,4 Mrd. EUR. Dies entspricht dem 41,2-fachen des Umsatzes 2025.
Auch SMAG profitiert von der Trendwende bei den europäischen Verteidigungsausgaben. Getrieben durch die NATO-Zielvorgaben bis 2035 und die deutsche Zeitenwende dürfte die Nachfrage nach militärischer Infrastruktur weiter steigen. Der adressierbare Markt für mobile militärische Mastsysteme in Europa wird bis 2030 auf rund 1 Mrd. Euro geschätzt, wobei Deutschland eine wichtige Rolle einnimmt.
Bewertung
SMAG operiert eigenen Angaben zufolge ohne Bankverschuldung und verfügte Ende 2025 über eine Netto-Cash-Position von 8,4 Mio. EUR. Eine mögliche Bewertung dürfte sich vor allem an den hohen Wachstumsperspektiven und weniger an klassischen Industrie-Multiplikatoren orientieren. Bei einem erwarteten Umsatz von 55 bis 60 Mio. EUR im Jahr 2026 und einer bereinigten EBIT-Marge von 19 bis 21 % läge das EBIT bei rund 11–12 Mio. EUR. Legt man ein EBIT-Multiple von 15 wie bei vergleichbaren Defense-Werten (Gabler Group, Vincorion) zugrunde, würde sich ein Unternehmenswert von 180 Mio. EUR errechnen, auf Basis steigender 2027er Gewinne über 200 Mio. EUR. GoingPublic geht deshalb von einem geplanten Börsenwert des Small Caps nach Kapitalerhöhung von 200 bis 250 Mio. EUR aus.
Fazit
SMAG ist ein noch relativ kleines Unternehmen, aber hochprofitabel und im Wachstumsmodus – und dies bei solider Bilanz. Mobile militärische Mastsysteme könnten auch im zunehmend von Drohnen geprägten Gefechtsumfeld an Bedeutung gewinnen. Der Auftragsbestand von 1,4 Mrd. EUR sticht in Relation zum prognostizierten 2026er Umsatz von 60 Mio. EUR heraus. SMAG ist eine weitere Wachstumsstory aus dem Verteidigungsumfeld, die auch als Aktie funktionieren sollte, auch wenn der Umfang der geplanten Umplatzierung von Anteilen des bisherigen Eigentümers noch nicht bekannt ist. GoingPublic wird die nächsten Schritte an den Kapitalmarkt weiter verfolgen. Aus Anlegersicht ist auf eine moderate Bewertung zu hoffen, die noch ausreichend Spielraum für Kursgewinne lässt.
Autor/Autorin

Christian Euler
Christian Euler gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist regelmäßig Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Als Redakteur beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit Wirtschaft und Finanzen.




