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Nach einer Kursrally von zeitweise mehr als 35 Prozent innerhalb weniger Handelstage nutzt Abivax (ISIN: FR0012333284, WKN: A14UQC; Ticker: ABVX) das wiedergewonnene Vertrauen des Kapitalmarkts für eine Kapitalmaßnahme. Das an der Euronext Paris und der Nasdaq notierte Biotechnologieunternehmen kündigte eine öffentliche Platzierung von American Depositary Shares (ADS) im Volumen von rund 600 Mio. US-Dollar an. Die Marktkapitalisierung belief sich unmittelbar vor der Transaktion auf rund 9,21 Mrd. USD. Von Nils Heinrich
Nur wenige Tage nach den positiven Phase-III-Daten zu seinem Wirkstoffkandidaten Obefazimod und einer Kursrally von zeitweise mehr als 35 % nutzt Abivax das derzeit günstige Finanzierungsfenster für eine groß angelegte Kapitalmaßnahme. Das französische Biotechnologieunternehmen kündigte am Dienstagabend die öffentliche Platzierung von American Depositary Shares (ADS) im geplanten Volumen von rund 600 Mio. USD an. Jede ADS entspricht einer Stammaktie des Unternehmens. Im Zuge des Bookbuilding-Verfahrens wurde der Handel der Stammaktien an der Euronext Paris am Mittwochmorgen auf Antrag des Unternehmens vorübergehend ausgesetzt. Nach Angaben von Abivax dient die Handelsaussetzung dazu, die Zuteilung der ADS an Investoren abzuschließen und den endgültigen Ausgabepreis der Transaktion bekanntzugeben. Die Wiederaufnahme des Handels an der Euronext Paris wurde für den Nachmittag des 1. Juli erwartet.
Begleitet wird die Transaktion von einem internationalen Bankenkonsortium unter Führung von Leerink Partners, Morgan Stanley, Piper Sandler und Guggenheim Securities. LifeSci Capital fungiert zusätzlich als Bookrunning Manager, Van Lanschot Kempen als Lead Manager. Mitglieder des Verwaltungsrats und des Managements unterliegen im Zusammenhang mit der Transaktion einer 60-tägigen Lock-up-Vereinbarung.

Neue Phase-III-Daten verändern die Ausgangslage
Die Wahrnehmung des Unternehmens hat sich innerhalb weniger Wochen stark verändert. Nachdem Abivax Anfang Juni vier während des Phase-III-Programms beobachtete Krebserkrankungen erhebliche Zweifel am Sicherheitsprofil von Obefazimod ausgelöst und den Aktienkurs zeitweise massiv belastet hatten, haben die zuletzt veröffentlichten Studiendaten das Vertrauen vieler Investoren offenbar zurückgebracht. Innerhalb weniger Handelstage legte die Aktie zeitweise um mehr als 35 % zu und machte einen Großteil der zuvor erlittenen Verluste wieder wett. Der Kursanstieg ging zugleich mit einem deutlich erhöhten Handelsvolumen einher und deutet darauf hin, dass neben Privatanlegern auch institutionelle Investoren wieder verstärkt Interesse an der Aktie zeigten.
Auslöser der Neubewertung waren detaillierte Ergebnisse aus ABTECT Maintenance Part 2, einem ergänzenden Teil des zulassungsrelevanten Phase-III-Programms, mit Obefazimod bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa. Besonders im Fokus standen Patienten, die bislang als schwer behandelbar gelten und auf andere Therapien unzureichend angesprochen hatten. In der Maintenance-Part-2-Studie erreichten unter anderem 37,2 % der ursprünglichen Induktions-Non-Responder nach fortgesetzter Behandlung mit 50 mg Obefazimod eine klinische Remission. Patienten, die unter der 25-mg-Erhaltungstherapie einen Krankheitsschub erlitten hatten, erreichten nach einer Dosiserhöhung auf 50 mg zu 45,5 % erneut eine klinische Remission.
Die Daten untermauern sowohl die Wirksamkeit als auch das Sicherheitsprofil des Wirkstoffs. Von besonderer Bedeutung für den Kapitalmarkt war dabei, dass die jetzt vorgelegte integrierte Sicherheitsanalyse nach Unternehmensangaben keine Hinweise auf ein über das erwartbare Maß hinausgehendes Malignitätsrisiko ergab. Damit relativierten die neuen Daten einen wesentlichen Teil der Verunsicherung, die Anfang Juni nach Bekanntwerden einzelner Krebsfälle entstanden war.
Damit verschiebt sich der Fokus wieder auf das eigentliche Potenzial des Wirkstoffs. Obefazimod soll über die gezielte Modulation regulatorischer RNA-Mechanismen die Immunantwort stabilisieren und wird als potenzielle Langzeittherapie für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen entwickelt.
Kapitalerhöhung soll nächsten Entwicklungsschritt finanzieren
Jede ADS entspricht einer Stammaktie von Abivax. Das endgültige Emissionsvolumen sowie der Ausgabepreis werden im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens festgelegt. Darüber hinaus erhalten die Konsortialbanken eine Greenshoe-Option über bis zu 15 % des Emissionsvolumens. Die Erlöse sollen nach Unternehmensangaben insbesondere für die Vorbereitung einer möglichen Kommerzialisierung von Obefazimod in den USA, die weitere klinische Entwicklung, vor allem bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sowie allgemeine Unternehmenszwecke verwendet werden.
Für bestehende Aktionäre bedeutet die Kapitalerhöhung zunächst eine Verwässerung ihrer Beteiligung, da neue Aktien ausgegeben werden. Gleichzeitig stärkt die Transaktion jedoch die Bilanz des Unternehmens erheblich und reduziert das Finanzierungsrisiko für die kommenden Jahre.
Autor/Autorin

Nils Heinrich
Nils Heinrich ist freier Autor mit Schwerpunkt auf Biotechnologie- und Kapitalmarktthemen.




