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ToggleBildnachweis: InflaRx, stock3.com.
Das deutsch-amerikanische Biotech-Unternehmen InflaRx (ISIN: NL0012661870, MarketCap am 7.5.26: 180,73 Mio. USD) hat gestern (6.5.26) eine Kapitalerhöhung über 150 Mio. USD angekündigt. Die Finanzierung zählt zu den größeren Biotech-Equity-Deals der vergangenen Monate im europäischen Umfeld. Bemerkenswert ist vor allem die Beteiligung mehrerer großer Healthcare-Investoren. Gleichzeitig bedeutet die Transaktion eine erhebliche Verwässerung für bestehende Aktionäre. Gemessen an der bisherigen Börsenbewertung entspricht das Platzierungsvolumen einem außergewöhnlich großen Kapitalmarkt-Schritt für das Unternehmen. Die Platzierung erfolgt zudem nur wenige Wochen nachdem InflaRx wieder die Nasdaq-Mindestkursanforderungen erfüllt hatte. Von Urs Moesenfechtel
InflaRx kündigte gestern (6.5.26) die Ausgabe von 75 Millionen neuen Aktien zu einem Preis von jeweils 2,00 USD. Das Bruttoemissionsvolumen beläuft sich damit auf rund 150 Mio. USD. Sämtliche Aktien stammen aus einer Kapitalerhöhung des Unternehmens. Der Abschluss der Transaktion wird für den 7. Mai erwartet. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Erlöse vor allem in die Weiterentwicklung der klinischen Pipeline sowie in allgemeine Unternehmenszwecke fließen. Bei der Transaktion handelt es sich um ein „underwritten offering“. Lead Bookrunner ist Guggenheim Securities; beteiligt sind zudem Oppenheimer, LifeSci Capital, Raymond James, Needham sowie weitere Häuser.
Große Healthcare-Fonds beteiligen sich
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf die Investorenbasis der Transaktion. Zu den Teilnehmern zählen nach Unternehmensangaben sowohl bestehende als auch neue institutionelle Investoren, darunter TCGX, Farallon Capital Management, Columbia Threadneedle Investments und Great Point Partners. Darüber hinaus beteiligen sich unter anderem Sirenia Capital Management, ADAR1 Capital Management, Coastlands Capital und Squadron Capital Management Im aktuellen Biotech-Markt ist die Beteiligung großer spezialisierter Healthcare-Investoren ein wichtiges Signal: Viele Unternehmen im klinischen Entwicklungsstadium haben derzeit Schwierigkeiten, größere Finanzierungen am Kapitalmarkt zu platzieren. Dass InflaRx trotz des angespannten Marktumfelds ein Volumen von 150 Mio. USD einwerben konnte, dürfte daher auch als Ausdruck institutionellen Vertrauens in die klinische Pipeline interpretiert werden.
Die Kombination aus großvolumiger Finanzierung und der strategischen Fokussierung auf AAV- und Nierenindikationen wurde vom Markt zunächst positiv bewertet. Die Aktie gewann nach Bekanntwerden der Nachrichten zeitweise rund 25 %.

Massive Ausweitung der Aktienbasis
Für bestehende Aktionäre ist die Finanzierung allerdings mit deutlicher Verwässerung verbunden. Mit der Ausgabe von 75 Millionen neuen Aktien steigt die Zahl der ausstehenden Anteile substanziell an. Der Platzierungspreis lag zudem unter dem vorherigen Börsenkurs der Aktie. Solche Discounts sind im Biotech-Sektor jedoch üblich, da größere Finanzierungen häufig nur über Preisabschläge bei institutionellen Investoren platziert werden können. Kurzfristig erhöht dies aber in der Regel den Druck auf den Aktienkurs, reduziert für das Unternehmen jedoch zunächst das Finanzierungsrisiko.
Fokus auf entzündliche Erkrankungen
InflaRx entwickelt Therapeutika gegen entzündliche Erkrankungen mit Schwerpunkt auf dem Komplementsystem. Zu den wichtigsten Entwicklungsprogrammen zählt der oral verfügbare C5a-Rezeptor-Inhibitor INF904, der unter anderem bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden (AAV) und weiteren Nierenerkrankungen untersucht wird. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen den Anti-C5a-Antikörper Vilobelimab weiter, der bereits in mehreren klinischen Studien geprüft wurde. Neue klinische Daten oder regulatorische Entwicklungen enthält die Mitteilung allerdings nicht. Vilobelimab („Gohibic“) erhielt Anfang 2025 zudem eine EU-Zulassung für die Behandlung SARS-CoV-2-induzierter akuter Atemnotsyndrome (ARDS).
Kapitalmarkt statt klinischer Katalysator
Für Investoren dürfte nun entscheidend werden, wie effizient InflaRx das zusätzliche Kapital in klinische Fortschritte übersetzen kann. Die Transaktion verschafft dem Unternehmen zunächst erheblichen finanziellen Spielraum. Gleichzeitig steigt mit der deutlich ausgeweiteten Aktienbasis der Druck, in den kommenden Quartalen belastbare klinische Fortschritte und neue Werttreiber zu liefern. Die Finanzierung zeigt damit zweierlei: Einerseits verfügt InflaRx weiterhin über Zugang zu institutionellem Kapital, was im aktuellen Biotech-Markt keine Selbstverständlichkeit ist. Andererseits unterstreicht die Größe der Emission, wie kapitalintensiv klinische Entwicklungsprogramme inzwischen geworden sind – selbst für börsennotierte Biotech-Unternehmen mit fortgeschrittener Pipeline.
Autor/Autorin
Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.






