Bildnachweis: Pixel Alchemist – stock.adobe.com.

Mit einem speziellen Emissionskonzept versucht electrovac zusätzliche Investorengruppen anzusprechen und den Zugang für private sowie institutionelle Anleger breiter zu gestalten. Ziel des Modells ist eine stärkere Beteiligung unterschiedlicher Anlegergruppen – aus Sicht der emissionsbegleitenden BankM für mehr Liquidität, Stabilität und Demokratie am Kapitalmarkt. Von Jenny Gspahn


Wenige Tage, nachdem der Bundestag Ende März mit dem Altersvorsorgedepot eine „neue Ära der privaten Altersvorsorge“ einläutete, verkündete die electrovac AG ihre Pläne für einen Börsengang. Einen Börsengang, bei dem Privatanleger ausdrücklich als Teil des Emissionskonzepts berücksichtigt werden sollen.

Seit dem Ende des Neuen Marktes ist das selten geworden. Institutionelle Investoren bleiben für den Hersteller hermetischer Gehäuse aus Niederbayern von entscheidender Bedeutung. Aber anders als üblich, ist das Konzept nicht allein darauf ausgerichtet, sondern soll den Zugang für Privatanleger strukturell erleichtern.

Mehr als nur dabei sein

Die geplante Vorgehensweise hat in der Berichterstattung bereits Aufmerksamkeit erhalten.. Von „IPO mit viel P“ bis zu „Ein Herz für Privatanleger“ reichen die Schlagzeilen. Dabei wird unter anderem darauf hingewiesen, dass Privatanleger im Rahmen des Emissionskonzepts stärker berücksichtigt werden als bei vielen jüngeren Börsengängen. Ob sich daraus ein verändertes Modell für künftige IPO-Strukturen entwickelt, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen.

Das Retail-Konzept der electrovac AG basiert auf drei Elementen:

  • Öffentliches Research: eine von der Emissionsbank erstellte Unternehmensanalyse, welche allen Anlegern zur Verfügung gestellt wird
  • Direkte Zeichnungsmöglichkeit: Neben der Zeichnung über depotführende Banken und dem Direct-Place Angebot der Deutsche Börse wird Privatanlegern der Zugang über ein spezielles Zeichnungstool auf der Unternehmenswebsite von electrovac und damit eine echte „Direktzeichnungsmöglichkeit“ angeboten.
  • Hohe Zuteilungsquote: Erklärtes Ziel des von der BankM AG entwickelten Konzepts ist es, Privatanleger im Rahmen des öffentlichen Angebots so zu berücksichtigen, dass eine attraktive Zuteilungsquote auch für größere Orders aus dem Retailbereich erreicht wird.

Research für alle!

Um, im Vergleich zu früheren Phasen des Kapitalmarktes, eine nachhaltige Aktienkultur aufzubauen, müssen Privatanleger in die Lage versetzt werden, informierte Entscheidungen zu treffen. Das Unternehmens-Research spielt hier eine zentrale Rolle, da es eine Einschätzung des Geschäftsmodells sowie eine Bewertung zukünftiger Entwicklungen ermöglicht. Die Verfügbarkeit solcher Prognosen branchenerfahrener Analysten ist eine wertvolle Ergänzung zum Wertpapierprospekt und kann die Entscheidungsgrundlage für Retailinvestoren verbessern.

Signifikante Zuteilung

Nach dem Zugang zum Research, ist der Zugang zur Transaktion selbst oft der zweite Engpass für Privatinvestoren. Wenn Depotbanken nicht am jeweiligen Emissionsprozess beteiligt sind oder keine entsprechende Schnittstelle nutzen, kann dies den Zugang für bestimmte Anlegergruppen einschränken. Gerade die wachsende Zahl der jüngeren Anleger mit Depots bei Neobrokern bleibt während der Angebotsphase häufig außen vor und kann so nicht vom üblichen Abschlag profitieren. Ein breiter Zugang über zusätzliche Zeichnungswege ist deshalb erstrebenswert.

Wer Zeit in die inhaltliche Auseinandersetzung investiert und Geld für eine Zeichnung reserviert, sollte am Ende auch mit einer adäquaten Zuteilungsquote honoriert werden. Eine Kappung an eine maximale – häufig relativ niedrige – Aktienanzahl wird dem kaum gerecht. Zumal die Gruppe der Privatanleger sehr heterogen ist. Die Portfolios von Studenten, Facharbeitern oder Erben dürften höchst unterschiedlich aussehen. Ähnlich wie bei institutionellen Investoren sollte sich die Zuteilungshöhe deshalb prozentual an der Ordergröße orientieren.

Liquider und stabiler durch Retail?

Ein stärkerer Einbezug von Privatanlegern kann Auswirkungen auf die Handelsliquidität einer Aktie haben, so die Meinung des Emissionsbegleiters BankM. Da Retail-Investoren eigenes Geld verwalten, treffen sie Kauf- und Verkaufsentscheidungen oft aus sehr persönlichen Gründen. So können sich unterschiedliche Handelsmuster ergeben, die die Liquidität beeinflussen. Die Heterogenität der Investmententscheidungen unterschiedlicher Anlegergruppen kann in Phasen hoher Volatilität stabilisierend wirken. So haben Privatinvestoren beispielsweise die Möglichkeit, mit ihrem Geld antizyklisch zu agieren oder auch sehr früh Trends im Markt zu erkennen. Diese Faktoren könnten wiederum die Finanzierungsfunktion des Kapitalmarktes für börsennotierte Unternehmen verbessern.

Fazit

Ein Kapitalmarkt, der eine echte Wachstumsinfrastruktur bietet, ist auch für erfolgreiche Mittelständler wie electrovac eine attraktive Option. Und ein paar mehr Hidden Champions können im neuen Altersvorsorgedepot bestimmt nicht schaden. Die Research-Bereitstellung, die direkte Zeichnungsmöglichkeit über die Website des Emittenten sowie eine signifikante Zuteilung für Privatanleger markieren tatsächlich ein Novum. So kann’s weiter gehen am deutschen IPO-Markt 2026!

Direktzeichnungstool, so funktioniert‘s

Das Tool auf der Website von electrovac ist als „Direkt-Kanal“ konzipiert, um technische Hürden bei Hausbanken zu umgehen:

  • Ablauf: Der Anleger gibt auf der Webseite die persönlichen Daten, die gewünschte Stückzahl und das individuelle Limit ein
  • Abwicklung: Das Tool generiert ein Zeichnungsformular oder leitet die Daten an die Abwicklungsstelle weiter. Da die Aktien am Ende in ein Depot eingebucht werden müssen, werden die Depotnummer und die BLZ/BIC der Bank des Anlegers benötigt.
  • Zahlung: Die gezeichneten Aktien müssen sofort bezahlt werden. Etwaige überschießende Beträge werden zeitnah durch die begleitende Bank/Zahlstelle zurücküberwiesen.

Hinweis: Diese Veröffentlichung stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren dar. Ein öffentliches Angebot von Wertpapieren der electrovac AG erfolgt ausschließlich auf Grundlage eines gebilligten und veröffentlichten Wertpapierprospekts sowie etwaiger Nachträge, die bei der electrovac AG und auf deren Webseite kostenlos erhältlich sind. Anleger sollten jede Anlageentscheidung ausschließlich auf Basis dieses Prospekts treffen. Beachten Sie darüber hinaus den Disclaimer auf der Webseite der electrovac AG unter: https://www.electrovac.com/ipo-investorenportal-disclaimer/

Autor/Autorin

Content Managerin at GoingPublic Media AG

Jenny Gspahn ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.