Bildnachweis: www.vapiano.de.

Knapp drei Jahre nach dem IPO steht die Restaurantkette Vapiano vor der Insolvenz: Wegen der aktuellen COVID-19 Krise erwarten die Kölner weitere drastische Umsatzeinbußen und rechnen mit einem erneuten Rückgang des Ergebnisses.

Aufgrund der Einschränkungen durch COVID-19 mussten zwischenzeitlich nahezu alle weltweit mehr als 230 Restaurants schließen. In Deutschland sind seit gestern Abend bundesweit alle 55 durch den Vapiano-Konzern betriebenen Restaurants auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Keine Umsätze bei laufenden Kosten

Aktuell generiert Vapiano keine Umsätze mehr, während Gehälter, Mieten und Betriebskosten weiter anfallen. Dies bedeutet nunmehr einen weiteren Umsatzrückgang von über 20% in Q1 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, einen weiteren signifikanten Anstieg des Liquiditätsbedarfs und Rückgang des bereinigten EBITDA sowie des Konzerngesamtergebnisses im ersten und zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Niveau des jeweiligen Vorjahreszeitraums.

Damit ist die der Gastronomiebetreiber seit heute offiziell insolvent. Nach derzeit geltender Rechtslage ist der Vorstand verpflichtet, ohne schuldhaftes Zögern, spätestens aber innerhalb von drei Wochen den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen.

Hoffnung auf EU-Unterstützung

Der Vorstand wird vor diesem Hintergrund nun laufend sorgfältig prüfen, ob für das Unternehmen die Einleitung des Insolvenzverfahrens innerhalb vorgenannter Frist abgewendet werden kann. Insbesondere wird Vapiano kurzfristig Anträge unter den von verschiedenen Regierungen in Europa angekündigten finanziellen Unterstützungsprogrammen im Rahmen der COVID-19 Krise stellen.

Nur wenn rechtzeitig und in ausreichendem Maße staatliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, kann die entwickelte umfassende Finanzierungslösung mit den wesentlichen Aktionären und den finanzierenden Banken, auf deren Kernpunkte man sich bereits vor der COVID-19 Krise geeinigt hatte, abgeschlossen und implementiert werde. Andernfalls wird Vapiano unverzüglich Insolvenzantrag für die Vapiano SE und, falls erforderlich, für wesentliche Tochtergesellschaften stellen.

Seit Jahren rote Zahlen

Bereits vor der Corona-Krise sah es um Vapiano alles andere als rosig aus: 2018 machte das Unternehmen mehr als 100 Mio. EUR Verlust – im Vorjahr waren es -30 Mio. EUR. Erst vergangenen Sommer war CEO Everke nach nur sechs Monaten im Unternehmen ausgeschieden.

Die aktuelle COVID-Krise hat nun offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht bei der börsennotierten Systemgastronomie-Kette. Die Vapiano-Aktie ist in den letzten fünf Tagen um mehr als 50% gesunken und notiert derzeit bei knapp über einem EUR.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redaktionsleitern Kapitalmarktmedien bei der GoingPublic Media AG. Ihre Schwerpunktbereiche liegen bei Themen rund um IPOs, Investor Relations, Unternehmensfinanzierung und den Kapitalmärkten in Österreich und der Schweiz.