Die Börse bringt als Plattform bekanntlich Investoren und Emittenten zusammen. Ein solches Miteinander am „Marktplatz Börse“ funktioniert aber nur mit Spielregeln, die eingehalten werden müssen – für den Emittenten sind das u.a. Folge- und Berichtspflichten. Die Deutsche Börse nimmt hierbei eine beratende Rolle ein.

Wer als frisch gelistetes Unternehmen naiverweise denkt, dass nach dem IPO der Großteil der Arbeit erledigt sei, der täuscht sich bekanntlich – denn mit dem „Being Public“ geht IR erst richtig los. So müssen sich börsennotierte Unternehmen an Folgepflichten halten, die in der europäischen MAR und im WpHG festgeschrieben sind – dazu gehören u.a. Ad-hoc-Mitteilungen, Mitteilung von Directors‘ Dealings oder Stimmrechtsmitteilungen. Zudem besteht die Verpflichtung zur inhaltlichen Berichterstattung in Form des Finanz- und Lageberichts – diese Berichtspflichten dienen der Information und Transparenz für sowohl Investoren als auch alle anderen Stakeholder am Finanzmarkt.

Matthias Töke, Head of Rule Enforcement, Deutsche Börse AG
Matthias Töke, Head of Rule Enforcement, Deutsche Börse AG

Um einen Informations- bzw. Transparenzmangel gar nicht erst aufkommen zu lassen, kommt hier die Deutsche Börse mit ihrer Rule Enforcement-Abteilung ins Spiel: „Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Investor alle Informationen hat, die er für seine Entscheidung benötigt. Wir verstehen uns hierbei als Dienstleister für die Emittenten und die Investoren gleichermaßen. Dabei suchen wir immer den pro-aktiven Dialog“, erklärt Matthias Töke, Head of Rule Enforcement , Pre-IPO & Capital Markets der
Deutsche Börse AG. „Wir treten nicht erst dann in Erscheinung, wenn der Pflichtverstoß begangen wurde, sondern stehen schon vorher den Emittenten aktiv beratend zur Seite“, erklärt er weiter.

Weniger Verstöße

Besonders im Prime Standard ist die Zahl der Verstöße zuletzt etwas zurückgegangen.Im Jahr 2018 oblagen den im Schnitt 326 Emittenten im Segment Prime-Standard insgesamt 1.225 Berichtspflichten. Davon wurden insgesamt gegen 15 Berichtspflichten verstoßen. Das entspricht einem Anteil von 1,2% im gesamten Segment. Im Jahr 2017 betrug sie etwa 1,6% und im Jahr 2016 ca. 1,8%, so dass auch in den Vorjahren die diesbezügliche Qualität dieses Segmentes sehr hoch war.

Im Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse trafen im Segment Scale bei 50 Aktien-Emittenten insgesamt 99 Berichtspflichten drei Verstöße auf, was einen Anteil von 3,0% ausmacht. Bei den 14 Anleihen, die im Segment Scale gelistet sind, trafen 30 Berichtspflichten auf 10 Emittenten sowie 11 Ratingverpflichtungen. Insgesamt wurde kein Verstoß gegen Berichtspflichten festgestellt, lediglich einer gegen Ratingauflagen (2,4%).

Die beratende Funktion der Deutschen Börse spielt dabei eine große Rolle. Kommt es zu Pflichtverletzungen, wird zunächst versucht, Kontakt mit den Emittenten aufzunehmen – auch wenn sich das in manchen Fällen als schwierig erweist: „Es kommt auch manchmal vor, dass Emittenten sich gar nicht melden und den Pflichtverstoß aus welchen Gründen auch immer geschehen lassen. In einem solchen Fall suchen wir aktiv den Kontakt, schicken dem Emittenten Hinweiskommunikation und zeigen ihm Handlungsmöglichkeiten auf“, betont Töke.