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Das Pharmaunternehmen APONTIS PHARMA AG plant das IPO im Mai 2021. Vor wenigen Tagen wurden die Preisspanne und weitere Details zur Notierung bekanntgegeben. Die Firma entwickelt, vermarktet und vertreibt ein Portfolio an „Single Pills“ und anderen Arzneimitteln – der Fokus liegt dabei auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Begriff Single Pills umschreibt Kombinationsarzneien aus bis zu drei generischen pharmazeutischen Wirkstoffen in einer Kapsel oder Tablette. Die Patienten ersparen sich damit das Einnehmen mehrerer Präparate: eine Pille für alle(s).

Börsengang

Die APONTIS PHARMA AG soll im Scale-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse notieren, dem Segment für KMU. Das frische Kapital will APONTIS PHARMA nutzen, um die weitere Wachstumsstrategie zu finanzieren. Mit der bekanntgegebenen Preisspanne von 18,50 EUR bis 24,50 EUR je Aktie geht ein Gesamtplatzierungsvolumen von ca. 98 Mio EUR bis 130 Mio. EUR einher.

Hauck & Aufhäuser agiert als Sole Global Coordinator und zusammen mit M.M. Warburg & CO als Joint Bookrunner für den Börsengang.

Die Angebotsfrist begann am 30. April 2021 und endet am 06. Mai 2021 um 12.00 Uhr (MESZ) für Privatanleger und 16.00 Uhr (MESZ) für institutionelle Anleger. Privatanleger können Kaufaufträge voraussichtlich ab dem 04. Mai 2021 über die Zeichnungsfunktionalität DirectPlace(R) der Frankfurter Wertpapierbörse erteilen. Der endgültige Angebotspreis und die endgültige Anzahl der im Rahmen des Börsengangs zu verkaufenden Aktien werden im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens ermittelt und am oder um den 06. Mai 2021 festgelegt werden. Der erste Handelstag der Aktien ist für den 11. Mai 2021 geplant. Die Lieferung der zugeteilten Aktien soll dann am 12. Mai 2021 erfolgen.

Das Angebot umfasst 2.000.000 neue Aktien aus einer Barkapitalerhöhung, 1.600.000 bestehende Aktien im Rahmen eines Base-Deals und 1.000.000 bestehende Aktien aus dem Bestand des Hauptaktionärs Paragon Partners im Zusammenhang mit einer Aufstockungsoption sowie 690.000 bestehende Aktien im Zusammenhang mit einer Mehrzuteilungsoption, was einem Gesamtplatzierungsvolumen zwischen 98 Mio. EUR und 130 Mio. EUR entspricht. Wenn alle 5.290.000 angebotenen Aktien platziert werden, wird die gesamte Marktkapitalisierung post-money zwischen 157 Mio. EUR am unteren Ende und 208 Mio. EUR am oberen Ende liegen, und der Streubesitz bei bis zu 62 %. Das ist ein wichtiges Merkmal bei der Beurteilung über den nachfolgenden Handel des Papieres, was in dieser Größenordnung einen liquiden Handel der Aktien erwarten lässt.

APONTIS PHARMA beabsichtigt nach eigenen Angaben, einen Nettoerlös von ca. 40 Mio. EUR (basierend auf der Mitte der Preisspanne) zu erzielen, und will damit vor allem ausgewählte Investitionen in die Entwicklung neuer Single Pills, die Beschleunigung der Entwicklung und Lizenzierung der bestehenden kurzfristigen Produktpipeline und den Ausbau der Marketing- und Vertriebsaktivitäten zur Gewinnung weiterer Marktanteile sowie Produktakquisitionen tätigen.

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Über APONTIS PHARMA – Geschäftsmodell:

APONTIS PHARMA hat acht Single Pills im Portfolio, die seit 2013 auf dem Markt sind. Bis 2023 will die Firma vier weitere Wirkstoffe etablieren, zwei schon bis Ende 2021. Darüber hinaus arbeitet Apontis Pharma am weiteren Ausbau des Single Pill-Portfolios für chronische Erkrankungen vorwiegend im kardiovaskulären Bereich. Die schnelle Entwicklung und Lizenzierung der Produktpipeline sollen mit den Mitteln aus dem IPO vorangetrieben werden. Außerdem will das Unternehmen die Marketing- und Vertriebsaktivitäten ausbauen, auf dem Plan steht zudem Produktakquisition.
APONTIS PHARMA hat die gesamte Produktion ausgelagert, das garantiert laut Firma ein schlankes Geschäftsmodell, das schnell skalierbar sein soll. Es fallen keine Investitionen in Produktionsanlagen oder Lagereinrichtungen an, sodass man sich auf Forschung, Entwicklung und Marketing konzentrieren könne, heißt es beim Unternehmen. APONTIS PHARMA hat mehr als 190 Mitarbeiter, von denen 130 als Vertriebsmitarbeiter im eigenen Außendienst tätig sind.
Neben den Single Pills soll vor allem die Vertriebsmannschaft Apontis Pharma weiter voranbringen, die auf guten Kontakt zur Ärzteschaft baut und zudem das Co-Marketing bestimmter Arzneien übernimmt, die noch patentrechtlich geschützt sind – für globale Konzerne wie Novartis. Diese Verträge laufen in der Regel mehr als zehn Jahre und bringen wiederkehrende Umsatzerlöse.

Investoren will APONTIS PHARMA vor allem mit den guten Zukunftsaussichten überzeugen: Die Firma ist auf dem deutschen Pharmamarkt tätig, der mit einem Umsatz von 46,4 Mrd. EUR 2019 der größte Pharmamarkt Europas ist – geprägt von kontinuierlich steigenden Ausgaben. Der Anstieg wird durch Entwicklungen wie die alternde Bevölkerung, die zunehmende Prävalenz chronischer Krankheiten und den jüngsten COVID-19-Ausbruch verstärkt. Prognosen gehen von insgesamt weiterhin steigenden jährlichen Gesundheitsausgaben in Deutschland aus, die 2019 bereits 400 Mrd. EUR überschritten haben und fast 12% des Bruttoinlandsprodukts ausmachten.
Mit dem Fokus auf Single Pills will APONTIS PHARMA den wachsenden Markt adressieren: Die Präparate sollen eine verbesserte, praxistaugliche Therapie für chronische Indikationen ermöglichen. Die Lebenserwartung der Patienten steigt laut Unternehmen, während die Kosten für das Gesundheitssystem sinken. APONTIS PHARMA rechnet mit einem weiteren signifikanten Wachstum des Einsatzes von Single Pills und will von Wachstumsperspektiven profitieren, die sich aus einer alternden Bevölkerung, Bluthochdruck als bedeutendem chronischen Gesundheitsproblem und steigenden Akzeptanzraten für Single Pills als Behandlungstherapie für chronische Indikationen ergeben.

Geschäftszahlen

Im Jahr 2020 erzielte APONTIS PHARMA einen Umsatz von 39,2 Mio. EUR (nach 40 Mio. EUR in 2019). 2021 soll der Umsatz auf 48,5 Mio. EUR steigen – um +24%. Diese optimistische Einschätzung hat einen Grund: 174.000 Patienten wurden von der Firma 2020 mit Single Pills versorgt, das entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 72% und lässt auch die übrigen Zukunftsszenarien positiv leuchten: Der Umsatz mit den Präparaten soll um 44% steigen und 2021 etwa 57% zum Gesamtumsatz beitragen.
Man habe ein skalierbares Geschäftsmodell mit hochattraktiven Stückkosten etabliert, das mittelfristig EBITDA-Margen von 30% ermögliche, heißt es beim Unternehmen. Durch die Fokussierung auf die Profitabilität der Single Pills konnten die Gewinne aus den Markteinführungen maximiert werden. Gegenwärtig erzielt Apontis Pharma mit Single Pills laut eigener Aussagen im Durchschnitt Bruttogewinnmargen in Höhe von 70%. Das Unternehmen schätzt, dass die Erlöse aus diesen Produkten mittelfristig 85% bis 90% des Umsatzes ausmachen und sich die Entwicklungskosten in der Regel innerhalb von zwei Jahren amortisieren. Darüber hinaus will die Firma laut Mitteilung mit „ihrer schlanken Struktur und Fähigkeit, die Single Pills mit begrenzten Investitionen zu entwickeln, in Zukunft attraktive Renditen erzielen“. Für Apontis Pharma ergibt sich ein klares Managementziel von 100 Mio. EUR potenzieller jährlicher Zusatzumsätze mit Single Pills.

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Das Management:

Das Unternehmen verfügt über ein erfahrenes Managementteam: Der Vorstand besteht aus Karlheinz Gast, CEO, und Thomas Milz, Chief Product Officer. Gast arbeitet seit 33 Jahren in der pharmazeutischen Industrie und ist seit 1997 in verschiedenen Positionen für das Unternehmen tätig. Zuvor verantwortete er als Head of Business die Cardiovascular Unit von Asta Medica. Bei Apontis Pharma betreut er die Bereiche Strategie, Marketing & Vertrieb, Personal und Finanzen. Milz ist seit 1991 in verschiedenen Positionen im Unternehmen tätig und kann auf eine umfangreiche Erfahrung von mehr als 30 Jahren in der pharmazeutischen Industrie verweisen. Zuvor war er als Marketingleiter bei Schwarz Pharma Deutschland und als Head of Market Access bei UCB Pharma. Bei Apontis Pharma verantwortet er die Bereiche Business Development, Zulassung/Arzneimittelsicherheit, Qualitätssicherung, Medizin und Supply Chain. Ergänzt werden die beiden Vorstände durch ein erweitertes Management aus vier Pharmaexperten.
Der Aktienbesitz von Vorstand und Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Senior Managements beläuft sich aktuell auf insgesamt rund 9%. Keiner der Vorstände, Aufsichtsräte und leitenden Angestellten wird im Rahmen des Börsengangs Aktien verkaufen.

Fazit:

Medikamente nicht einzunehmen, ist eine eigene „Krankheit“. Die sogenannte „Compliance“ oder „Adherence“ der Patienten zu ihren verschriebenen Medikamenten ist eine große Herausforderung. Gerade bei mehrfach Erkrankten kann das Management der Tabletten ein großes Problem bedeuten. APONTIS PHARMA ist einer der ersten im Sektor der „single pills“, die mehrere Wirkstoffe in einem Präparat vereinen und dabei berücksichtigen, welche Medikament-Kombinationen bei bestimmten Erkrankungen üblich sind. Als „first mover“ kann es APONTIS gelingen die angestrebten hohen Wachstumsraten zu realisieren.

Für alle Geschäftsmodelle im deutschen Gesundheitssystem gilt gleichermaßen: der ständige Druck die Kosten zu senken, kann jeden treffen. Zudem wird auch in diesem neuen Sektor die Konkurrenz nicht tatenlos zusehen, wenn sich neue Chancen eröffnen.

Dass die Kombination von einzelnen Wirkstoffen zu einem einzigen Gebinde Skaleneffekte auf verschiedenen Ebenen auslöst, lässt sich einfach nachvollziehen. Dass vor allem ältere Patienten hiervon profitieren werden, ist darüber hinaus ein sehr wünschenswerter Effekt.

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Autor: Dr. Georg Kääb, Plattform Life Sciences, GoingPublic Media AG

Über den Autor

Dr. Georg Kääb ist seit 1. Februar Redaktionsleiter der Plattform LifeSciences. Davor war er über 10 Jahre Manager Communications bei der Biotech-Netzwerkagentur BioM. Von der Ausbildung her Biologe waren die ersten Berufsstationen als freier Journalist bei u.a. Süddeutscher Zeitung sowie DIE ZEIT und dann ebenfalls ein gutes Jahrzehnt als Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift des Verbandes dt. Biologen, vdbiol.