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Der Berufsverband der Investment Professionals fordert ebenso wie andere Fachverbände, etwa DAI oder BVI, eindringlich, auf die Einführung einer Transaktionssteuer in Form einer reinen Aktiensteuer zu verzichten.

Sowohl die Regierung, die Bevölkerung, die Unternehmen sowie die Akteure am Kapitalmarkt halten die Finanzmarktstabilität für ein hohes Gut. Aus Sicht der DVFA werden zwei Konsequenzen der vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) geplanten Finanztransaktionssteuer herausgestellt:

Die vorgeschlagene Steuer führt nicht zu einer Verbesserung der Finanzmarktstabilität, sondern belastet den Zugang zum Eigenkapitalmarkt für einen großen Teil unserer bereits oder potenziell börsennotierten Unternehmen und gefährdet damit Wachstum, Innovation und Beschäftigung. Eigenkapital ist die Basis einer stabilen Unternehmensführung und -entwicklung. Die vom BMF geplante Besteuerung von Aktienkäufen ist jedoch ein indirekter Eingriff in die Unternehmensfinanzierung und führt in der Tendenz dazu, dass Fremdkapital (welches durch die extreme Niedrigzinspolitik ohnehin schon künstlich vergünstigt wird) weiter an Attraktivität gegenüber Eigenkapital gewinnt.

Im Ergebnis wird entsprechend die Unternehmensverschuldung tendenziell steigen und die Finanzmarktstabilität geschwächt anstatt gestärkt. Da die geplante Steuer ab einer Marktkapitalisierung von 1 Mrd. EUR greifen soll, wird sie ungefähr 140 Unternehmen in Deutschland betreffen.Das klingt wenig. Es betrifft jedoch schon rund 50% aller im deutschen Kleinwertesegment (S-DAX) zusammengefassten Unternehmen und reicht somit weit in den gehobenen Mittelstand hinein und konterkariert die Ziele der Kapitalmarktunion für einen effizienten und kostengünstigen Kapitalmarktzugang.

Anstatt einseitig die Eigenkapitalfinanzierung zu verteuern, sollte  deshalb gemeinsam mit Fachverbänden und der Regierung überlegt werden, wie der Zugang zum Eigenkapitalmarkt für Unternehmen weiter verbessert werden kann, um so die Finanzmarktstabilität zu erhöhen und Innovation und Beschäftigung anzuregen.  Eine Transaktionssteuer auf Aktien signalisiert der Bevölkerung, sich von Aktieninvestments zu distanzieren. Dieses psychologische Element ist von höchster Bedeutung, da es die in Deutschland sehr zarte Pflanze „Aktienkultur“ umzuknicken droht. Die DVFA vermisst ein positives Signal für die Menschen für Eigenvorsorge und für Aktieninvestments. Denn ein breit gestreutes Aktiendepot oder ein Aktiensparplan ist im Rahmen der Altersvorsorge eine sehr gute Ergänzung zum Umlageverfahren und hilft so, den Lebensstandard der Menschen im Alter zu sichern. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der erwarteten lang andauernden Nullzins-Landschaft für Sparer von hoher Bedeutung und hilft die bereits heute feststehenden negativen Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf Sozialkassen und Staatshaushalt abzumildern.

Anstelle einer Besteuerung wäre eine Förderung von langfristigen Vorsorgeanlagen wie in vielen anderen Ländern auch (u.a. Frankreich) volkswirtschaftlich daher sehr zu begrüßen. Die vom BMF geplante Finanztransaktionssteuer verzerrt aus Sicht des DVFA die Unternehmensfinanzierung weiter in Richtung Fremdkapital und führt zu einer steigenden Verschuldung des Unternehmenssektors. Zudem sendet eine Finanztransaktionsteuer ein kontraproduktives, hoch psychologisches Signal an die Sparer und Anleger gegen Eigenvorsorge und Teilhabe am Produktivkapital. Das führt im Ergebnis nicht zu mehr, sondern zu weniger Finanzmarktstabilität. Das kann politisch nicht gewollt sein. Der DVFA fordert deshalb entschieden, die Pläne zur Umsetzung der Finanztransaktionssteuer nicht weiterzuverfolgen.

Über den Autor

Svenja Liebig ist Redakteurin des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für goingpublic.de