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Das erste Quartal 2021 ist in Sachen IPOs ein Jahresauftakt, der sich sehen lassen kann. Weltweit war bereits 2020 reich an Börsengängen – in Deutschland allerdings gab es nur magere sechs IPOs. Das ist in diesem Jahr anders: Mit Auto1 und Vantage Towers haben es zwei deutsche Neulinge unter die weltweite Top Ten geschafft – drei weitere IPOs gab es darüber hinaus und die Pipeline ist laut Dr. Martin Steinbach, Leiter Börsengänge und Listing Services bei EY, mehr als gut gefüllt. Zum starken IPO-Interesse trägt auch der Mega-Boom um SPACs bei.

GoingPublic: Das letzte IPO-Jahr lief weltweit bereits sehr gut. Wie sieht Ihre Bilanz für das erste Quartal 2021 aus?

Dr. Martin Steinbach: Das erste Quartal 2021 war das beste seit 20 Jahren. Das Momentum, das wir im letzten Quartal des vergangenen Jahres gesehen haben, hat sich fortgesetzt. Wir gehen davon aus, dass es weiter viel Aktivität geben wird: Indexstände sind auf Rekordniveaus, gleichzeitig ist die Volatilität gering.

Im weltweiten Vergleich lagen Europa und vor allem Deutschland im letzten Jahr stark zurück. Gerade einmal sechs magere IPOs waren hierzulande 2020 zu verzeichnen. Wird 2021 besser?

2021 wird auf jeden Fall besser – wir haben aufgeholt. Europa hat im ersten Quartal im Vergleich der Regionen das stärkste Wachstum verzeichnet.

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Und auch in Deutschland ist die Entwicklung gut: Mit Auto1 und Vantage Towers gab es bereits zwei sehr große Börsengänge, die es in die weltweite Top Ten geschafft haben. Das sind tolle Signale. Vor allem die Bereiche Technologie sowie Pharma und Life Sciences sind sehr interessant für Investoren.

Die Zahl der IPOs ist das eine, das Emissionsvolumen das andere. Wie sieht hier die Entwicklung im ersten Quartal 2021 aus?

Das Emissionsvolumen hat sich global fast verdreifacht: 105,6 Mrd. EUR wurden über 430 IPOs eingesammelt. Davon entfielen 109 IPOs auf Europa – das entspricht einem Anstieg um 179% gegenüber dem Vorjahr. Und auch die Volumina in der Region sind sehr stark gestiegen und haben sich mit 26,1 Mrd. EUR fast versiebenfacht.

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Können auch deutsche IPOs mit hohem Emissionsvolumen punkten?

Die beiden großen deutschen IPOs Auto1 und Vantage Towers mit einem Erlös von 1,8 Mrd. EUR und 2,3 Mrd. EUR belegen im weltweiten Ranking die Plätze acht und sieben. Das ist eine gute Bilanz für Deutschland, vor allem weil es ja auch noch einige weitere kleinere IPOs gab: die International School Augsburg, FRIEDRICH VORWERK und mit der Lakestar SPAC I auch die erste SPAC seit mehr als zehn Jahren. Ich halte das für einen guten Jahresstart für den Börsenplatz Deutschland.

Welche Erwartungen haben Sie an 2021 insgesamt?

Wir haben zwölf bis 16 Börsengänge im deutschen Markt ausgerufen und zu dieser Einschätzung stehen wir. Das Interesse der Börsenkandidaten ist groß. Wenn die Bedingungen am Kapitalmarkt positiv bleiben – hohe Bewertungsniveaus, niedrige Volatilität – und keine geopolitischen Krisen dazwischenkommen, wenn wir die Pandemie überwinden und es generell keine negativen Überraschungen gibt, können es sogar noch mehr IPOs werden.

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Gibt es Risikofaktoren?

Die Bewertungsniveaus lösen Bedenken aus. Allerdings haben wir nun einmal ein hohes Maß an Liquidität im Markt, das Anlageoptionen sucht. Mittel- bis langfristig sollte das makroökonomische Fenster geöffnet bleiben. Geopolitisch liegen mit Brexit und US-Wahl zwei große Unsicherheitsfaktoren hinter uns. Jetzt gilt es, die Absatzmärkte USA und China im Blick zu behalten – das sehr gute erste Quartal 2021 in China bringt uns gerade bereits ein positives Sentiment an den Märkten.

Wer sind die heißesten IPO-Kandidaten?

Die Unternehmen, die vom digitalen Wandel und Digitalisierungstrends profitieren, die Corona verstärkt hat. Die Bedingungen sind derzeit sehr günstig und viele Unternehmen sind gewillt, das Window of Opportunity zu nutzen, das sich jetzt bietet.

Kommen wir zum aktuellen Mega-Trend: SPACs. Wie haben sich hier die Zahlen im Vergleich zu 2020 entwickelt?

Es gab im ersten Quartal 2021 weltweit bereits mehr SPAC-Emissionen als im ganzen Jahr 2020: 307 SPACs, die 95,2 Mrd. USD eingesammelt haben. Der Boom konzentriert sich vor allem auf die USA, 300 Emissionen passierten dort. Die weiteren sieben SPACs entfallen auf Europa, Deutschland verzeichnet mit der Lakestar SPAC I SE wie vorher angesprochen eine Emission. 93,4 Mrd. USD wurden in den USA eingenommen, 1,8 Mrd. EUR in Europa. SPACs sind hier bisher ein zartes Pflänzchen.

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Wie wird sich die Zahl der SPACs in Europa entwickeln?

Das gilt es aus zwei Perspektiven zu betrachten:

Hinsichtlich des Auflegens einer SPAC gilt, was auch für reguläre IPOs zählt. Im Markt gibt es eine Menge Liquidität. Zudem gibt es viele vielversprechende Targets in Europa.

Das andere ist die Fusion eines Unternehmens mit einer SPAC. Grob 500 US-SPACs mit über 130 Mrd. USD Kapital sind in den nächsten ein bis zwei Jahren auf der Suche nach Targets. Sicher ist Europa für diese Börsenmäntel eine attraktive Region. Wir sehen vermehrt Anfragen von US-SPACs.

In den nächsten Monaten müssen diese Trends die ersten Erfolge durch Zusammenschlüsse mit SPACs bringen, davon wird es abhängen, ob SPACs in Europa weiter Fuß fassen.

Wie bewerten Sie den Hype um die Börsenmäntel?

Unternehmen, die sich für eine Fusion mit einer SPAC interessieren, müssen fit für die Börse sein, sonst wird der Prozess nicht funktionieren. Bei der Fusion mit einer US-SPAC gilt das noch mehr, da der Prozess deutlich aufwändiger ist, es gibt höhere Anforderungen im Bereich der Prüfstandards etc. – das muss man als Target sehr gut vorbereiten.

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Am Ende entscheiden die Investoren, ob sich SPACs etablieren und gut oder schlecht für den Kapitalmarkt sind. Und wie gesagt: Sehr viel hängt von den kommenden Übernahmen und den Erfolgen ab: success attracts success.

Herr Dr. Steinbach, vielen Dank für Ihre Einschätzung und das gute Gespräch.

Dr. Martin Steinbach - Ernst & Young - Head of IPO and Listing Services

Über Dr. Martin Steinbach

Dr. Martin Steinbach ist Partner und IPO Leader bei EY. Er verantwortet seit April 2011 den Bereich IPO und Listing Services in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Darüber hinaus leitet er das IPO Leader Netzwerk in Europa, Mittlerem Osten, Indien und Afrika.