Bildnachweis: Der Hauptsitz in Wedel geht auf ein Werk der AEG aus den 1960er-Jahren zurück. © Foto: Vincorion.

Hinter den rund 900 Beschäftigten von Vincorion liegen spannende Zeiten: Abschied aus dem Jenoptik-Konzern, starkes Wachstum, nun der Börsengang. Vor diesem Hintergrund wirkt das Beteiligungsprogramm in beide Zeitachsen: als Dank in die Vergangenheit und als Motivationsbooster in die Zukunft. Von Stefan Preuß

Dieser Beitrag ist auch im Special Mitarbeiterbeteiligung 2026 erschienen!


Vincorion ist ein führender Entwickler und Hersteller von einsatzkritischen Energie- und Mechatroniklösungen für Verteidigungsplattformen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme. Kunden und Nutzer verlassen sich dabei seit Jahrzehnten auf Ingenieurskompetenz „Made in Germany“ sowie auf robuste, zuverlässige und effiziente Produkte für deren einsatzkritischen Missionen. Der Hauptsitz des Unternehmens entstand als Produktionsstandort für AEG. Nach ­einer kurzen Selbstständigkeit kam das Unternehmen später in den Jenoptik­Konzern, schließlich erfolgte der Kauf durch einen Private-Equity-Fonds des Finanzinvestors Star Capital.

Heute bedient Vincorion die Kernsegmente Vehicle Systems, Power Systems und Aviation und ist damit in den wichtigsten Verteidigungs- und einigen zivilen Märkten präsent. Zum Lieferumfang gehören Schlüsselkomponenten für führende Plattformen wie Leopard 2, Puma, Iris-T SLM, H145 und NH90. Rund 900 hoch qualifizierte Vollzeitbeschäftigte entwickeln, fertigen und servicieren Lösungen an drei Standorten in Deutschland und einem Vertriebsstandort in den USA.

3 Monatschart Vincorion SE Stand 15.06.2026 11:39 Uhr || Quelle: stock3.com

Hoher Auftragsbestand

Kajetan von Mentzingen (llinks) und Dieter Holst führen Vincorion SE als CEO und Finanzvorstand. © Foto: Vincorion.

Hoher Umsatz – doch der Auftragsbestand wächst auf ein Vielfaches: das bedeutet, dass Vincorion mehr denn je ­eine hoch motivierte Belegschaft benötigt und viele neue Kollegen hinzugewinnen möchte. An dieser Stelle greift das Schenkungsprogramm, das für jeden Mitarbeiter 30 Gratisaktien vorsieht – als Dank und Motivationsboost. Zur Umsetzung arbeitet Vincorion mit J.P. Morgan Workplace Solutions zusammen, deren Administration alle ­Aspekte auch des zukünftig geplanten jährlichen Beteiligungsangebots abdeckt.

„Wir freuen uns sehr über die erfolgreiche Einführung eines Vincorion Mitarbeiteraktienprogramms anlässlich des Börsengangs und begrüßen es ausdrücklich, dass mit Vincorion wieder ein echtes, breit angelegtes Mitarbeiterbeteiligungsprogramm zum IPO im Markt umgesetzt wurde“ erläutert Jörg Ziegler, Managing Director Equity Plan Services bei J.P. Morgan Workplace Solutions. Solche IPO-Programme seien in Deutschland selten geworden und setzen ein starkes Zeichen für Wertschätzung und Teilhabe der Belegschaft. „Die Entscheidung, allen Mitarbeitenden zum IPO 30 Gratisaktien zuzuteilen unterstreicht die besondere Unternehmenskultur und bestätigt die wissenschaftlich belegten positiven Effekte auf Motivation und Bindung.“

Fazit

Die positive Wirkung von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen ist wissenschaftlich vielfach dargelegt. Vincorion macht sich mit professioneller Hilfe auf den Weg, die Vorteile zu heben und somit die aussichtsreiche Entwicklung des Unternehmens zu flankieren. 

„Unsere Kultur ist von einer Zusammen­arbeit auf Augenhöhe geprägt“

Interview mit Nina Römhild, Leiterin Human Resources, Vincorion

GoingPublic: Welche Gründe haben Vincorion veranlasst, ein Beteiligungsprogramm einzuführen – was gab den Anstoß?

Nina Römhild: Als Zeichen der Wertschätzung hat Star Capital beschlossen, jedem Mitarbeiter 30 Aktien zum ­Börsengang kostenlos zuzuteilen. ­Damit bedankt sich der bisherige ­Mehrheitsgesellschafter und nun Hauptaktionär, denn ein Börsengang
ist ein besonderer Moment in jeder ­Unternehmensgeschichte. Um die IPO-Reife zu erlangen und Investoren zu überzeugen, hat die gesamte Belegschaft Außergewöhnliches geleistet. Das Aktiengeschenk kennzeichnet ganz grundsätzlich die Unternehmenskultur, die auf Respekt und Verantwortung ­basiert.

War die gesamte Belegschaft ­berechtigt, die Aktien zu erhalten?

Berechtigt sind alle Mitarbeiter, die zum Zeitpunkt der Übertragung in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis beschäftigt sind. Die Regelung gilt auch für Auszubildende und dual Studierende sowie für inaktive Arbeitsverhältnisse wie ­Elternzeiten oder Altersteilzeitverhältnisse. Zahlreiche Empfänger der Aktien sind noch nicht einmal 18 Jahre alt. Wie alle Beschäftigten erhalten auch sie ein eigenes Aktienpaket, sammeln damit wertvolle Erfahrungen auf dem Kapitalmarkt und machen sich im besten Fall erste Gedanken, eine langfristige persönliche Finanzplanung zu erstellen. Auch das sind wichtige positive Aspekte rund um die Aktienschenkung, die weit über die bloße Gewährung hinausgehen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie vom Kapitalmarkt? Wird dort die ­Meinung geteilt, dass der Nutzen die Kosten überwiegt?

Grundsätzlich zeigt sich, dass Aktienprogramme die Mitarbeiterbindung verbessern, das Engagement erhöhen und gleichzeitig finanziell attraktiv für Mitarbeiter sein können. Dabei steigern sie zusätzlich durch diese positiven ­Anreize die Produktivität. Das alles funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter auch sonst zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sind, also wenn die Bezahlung und Rahmenbedingungen stimmen – bei uns gilt der Tarifvertrag der IG ­Metall. Unsere Kultur ist von einer ­Zusammenarbeit auf Augenhöhe ­geprägt. Das sieht man an unserer ­Weiterempfehlungsrate von 85 %. Dies alles liegt im Interesse der Investoren.

Sehr geehrte Frau Römhild, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Das Interview führte Stefan Preuß.

 

Zur Interviewpartnerin

Nina Römhild, Leiterin Human Resources, Vincorion || Foto: Vincorion

Nina Römhild ist eine erfahrene HR-Führungskraft mit langjähriger Expertise im strategischen Personalmanagement. Als Vice President Human Resources und Prokuristin bei VINCORION SE verantwortet sie seit 2018 die Weiterentwicklung der Personalarbeit und gestaltet die Unternehmenskultur aktiv mit. Ihr berufliches Profil verbindet wirtschaftliches Denken mit einem ausgeprägten Verständnis für Menschen und Organisationen.

Autor/Autorin

Stefan Preuß
Redaktionsleiter GoingPublic at  | Website

Stefan Preuß ist Wirtschafts- und Finanzjournalist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Kapitalmarktumfeld. Der gelernte Tageszeitungsredakteur war zudem als Investor-Relations-Manager tätig. Er gehört zum Team der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Er schreibt regelmäßig zu den Schwerpunktthemen IPOs, Vermögensanlage und Nachfolgelösungen.