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Die Matador Secondary Private Equity AG (ISIN: CH0042797206; Market Cap: 56,7 Mio. EUR) erwirbt Anteile an Private-­Equity-Fonds auf dem Sekundärmarkt. Als börsennotierte AG bietet sie „Private Equity für alle“ und damit einen ­ein­fachen Zugang zu einer Anlageklasse, die den meisten Investoren aufgrund hoher Mindestzeichnungssummen verschlossen bleibt. Von Oliver Vollbrecht

Dieses Interview ist auch in GoingPublic 3/26 erschienen!


Auch wenn PE-Investments auf mehrere Jahre angelegt sind, trennen sich immer wieder Investoren vorzeitig von ihren Anteilen. Einen börsenähnlichen organisierten Zweitmarkt für diese Fondsanteile gibt es nicht; Matador profitiert beim Ankauf von einem über mehr als zwanzig Jahre aufgebauten Netzwerk.

Ein Markt mit strukturellen Vorteilen

Der Kauf auf dem Sekundärmarkt bietet strukturelle Vorteile. So werden die Anteile typischerweise mit einem Abschlag auf den Net Asset Value (NAV) gehandelt. Da die Fonds bereits investiert sind, können die enthaltenen Unternehmen konkret beurteilt werden – das Risiko ist geringer als bei der Erstzeichnung, die einen Blankoscheck für einen Blindpool darstellt. Aus Cashflow-Sicht kommt hinzu, dass Matador allenfalls begrenzte Zahlungsverpflichtungen übernimmt und die Fonds sich eher der Auszahlungsphase nähern.

Beim Blick auf die Rechnungslegung ist zu berücksichtigen, dass Matador in Schweizer Franken bilanziert, der Großteil der Fonds aber in US-Dollar notiert, das ­Ergebnis also Fremdwährungseinflüssen unterliegt. So führten Wechselkursänderungen zwischen Franken und Dollar im Geschäftsjahr 2025 zu ­einem berichteten Nettoverlust von 5,3 Mio. CHF, während das währungsbereinigte Netto­ergebnis mit 1,9 Mio. CHF klar positiv war. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte das währungsbereinigte Ergebnis nach vorläufigen ­Zahlen 3,7 Mio. CHF – nach 1,6 Mio. CHF im Vorjahreszeitraum. Das Gesamtergebnis belief sich auf 5 Mio. CHF. Wichtig ist die Cashflow-Betrachtung: Kapitalabrufen von 3,4 Mio. CHF standen im ersten Halbjahr ­vereinnahmte Ausschüttungen von 4 Mio. CHF gegenüber. Das PE-Portfolio war somit Cashflow-positiv, wodurch Mittel für weitere Investitionen freigesetzt wurden.

Mitverdient am größten IPO aller Zeiten

Aufmerksamkeit erregte Matador zuletzt, weil drei von den Schweizern gehaltene Fonds am spektakulären Börsengang von SpaceX beteiligt waren. Der Vorstand beziffert den Ergebniseffekt im laufenden Geschäftsjahr auf rund 2 Mio. CHF. Wenn die Fonds nach Ablauf der Lockup-Fristen Anteile verkaufen, winken zudem Cash-Ausschüttungen von rund 2,5 Mio. CHF.

Zunehmende Kapitalmarkt­orientierung

Seit 2025 öffnet sich die Gesellschaft zunehmend dem Kapitalmarkt. Der seit September 2025 amtierende CFO Alexander Lachmann bringt langjährige Expertise im Investmentbanking mit. Mit dem laufenden Geschäftsjahr wird die Rechnungslegung von Swiss GAAP auf IFRS umgestellt, um internationalen Investoren bessere Vergleichbarkeit zu bieten. Seit dem 15. Juni ist die Aktie an der SIX Swiss Exchange handelbar, zum 21. September wird sie in den breiten Index SPI und den Nebenwerteindex SPI Extra aufgenommen. Zudem hat die Gesellschaft erstmals Mittelfristziele für das Jahr 2030 veröffentlicht. Gegenüber den Werten zum 31. Dezember 2025 sollen das Eigenkapital von 51,9 Mio. CHF auf 85 bis 110 Mio. CHF und der NAV des PE-Portfolios von 66,5 Mio. CHF auf 125 bis 150 Mio. CHF steigen. Diese Verdoppler sollen ohne Aufnahme von zusätzlichem Fremd- oder Eigenkapital erreichbar sein.

Fazit

Die Schweizer betreiben ihr Geschäft mit Akribie, langjähriger Expertise und guter Vernetzung. Weitere Erwerbe von Fondsanteilen sind ab 2027 zu erwarten. Am 30. September legt Matador die vollständigen Halbjahreszahlen vor; dann dürften auch die Analysten Updates veröffentlichen. SMC Research votiert in ihrer jüngsten Studie vom März mit „Kaufen“ bei einem Kursziel von 4,80 EUR – ein erhebliches Upside gegenüber dem aktuellen Kurs von 3,78 EUR.

„Wir sind an einer Vielzahl spannender Unternehmen beteiligt“

Interview mit Dr. Florian Dillinger, Präsident des Verwaltungsrates und CEO, Matador Secondary Private Equity AG

GoingPublic: Aus dem SpaceX-IPO hatten sie für Matador einen Ergebnisbeitrag von 2 Mio. CHF und spätere Cashzuflüsse von 2,5 Mio. CHF ­avisiert. Bleibt es bei diesen Werten? Wann laufen die Lockup-Fristen aus, so dass Fonds ihre SpaceX-Anteile cashwirksam veräußern können?

Dr. Dillinger: Der Ergebnisbeitrag in dieser Höhe wird sukzessive in den NAVs berücksichtigt werden, immer im Kontext aller Beteiligungen eines jeweiligen Fonds. Bei den Cashzuflüssen sind wir an die Lockup-Fristen der Fondsmanager gebunden und diese werden nicht einzeln veröffentlicht. Üblicherweise liegen sie bei sechs Monaten.

Sind weitere größere IPOs im Laufe des Jahres zu erwarten? Welche halten Sie für besonders vielversprechend?

Wir sind an einer Vielzahl spannender Unternehmen beteiligt, etwa Anduril, Revolut, Stripe, ByteDance, aber auch Databricks, Anthropic und OpenAI. Den genauen Zeitpunkt eines Börsengangs oder Verkaufs dieser Unternehmen entnehmen wir öffentlichen Quellen. Wichtig: Wir sind mehrheitlich an kleineren und mittleren Unternehmen beteiligt. In diesem Segment dominiert bei Exits der M&A-Markt, weniger der Börsengang.

Eine wichtige Steuerungsgröße ist der Portfolio-Cashflow. Nachzahlungsverpflichtungen führen zu Mittelab­flüssen, Ausschüttungen zu Zuflüssen. Ab wann erlauben positive Portfolio-Cashflows neue Investitionen in ­PE-Fonds?

Seit dem Geschäftsjahr 2024 sind wir auf Portfolioebene im Cashflow bereits fast ausgeglichen. Da die Fonds nunmehr mehrheitlich investiert sind, erwarten wir in den kommenden Quartalen und Jahren deutlich positive Portfolio-Cashflows. Unsere letzten Akquisitionen ­waren in der Größenordnung von 5 bis 10 Mio. CHF, dies bleibt unsere avisierte Ziel­größe.

Würden Sie opportunistisch Fondsanteile verkaufen, etwa um Cash für den ­Erwerb besonders vielversprechender Fonds freizusetzen?

Wir haben bereits in der Vergangenheit opportunistisch in Ausnahmefällen verkauft, dies könnte auch in Zukunft wieder der Fall sein.

Wie bewerten Sie aktuell den ­Sekundärmarkt für Fondsanteile?

Der Sekundärmarkt bleibt dynamisch und weiterhin hoch attraktiv für unseren ­Investmentfokus. Im H1 2026 betrug das Volumen laut Jefferies 118 Mrd. USD nach 103 Mrd. USD in H1 2025. Wir bekommen einen immer größer werdenden Zustrom an Secondaries-Offerten, bleiben aber ­unserer Devise „Quality first“ treu.

Mit der Umstellung auf IFRS und der Kotierung der Aktie auf SIX unter­streichen Sie Ihre Öffnung für den Kapitalmarkt. Wie pflegen Sie den persönlichen Kontakt zu Investoren? Wie sprechen Sie Investoren an?

Wir waren bei den Hamburger Investorentagen sowie auf der Frühjahrskonferenz in Frankfurt präsent, zudem haben wir erste Roadshows unter anderem in London, Paris, Zürich und Dublin durchgeführt. Am 16. September werden wir erstmalig auf der Investora in Zürich präsentieren, in Deutschland zum zweiten Male auf dem Eigenkapitalforum im November. Weitere Roadshow-Tage sind in Planung, um Investoren unser ­Geschäftsmodell aus erster Hand näher bringen zu können.

Ihre Mittelfristplanung sieht vor, bis zum Jahr 2030 sowohl den NAV des Fonds-Portfolios und als auch das Eigenkapital der AG zu verdoppeln, und zwar ohne Aufnahme von zusätzlichem Fremd- oder Eigenkapital. Woraus leiten Sie diese Ziele ab?

Wir leiten die Ziele aus der historisch erreichten Portfoliorendite von 10 bis 16 % ab, die wir auch für die nächsten Jahre als realistisch erachten. Darüber hinaus helfen uns stille Reserven in der Bilanz, dieses Wachstum zu erreichen

Das Interview führte Oliver Vollbrecht

 

Zum Interviewpartner: 

Foto: © Matador Secondary Private Equity AG

Dr. Florian Dillinger ist Gründer und Großaktionär von Matador sowie Vorsitzender des Verwaltungsrats. In dieser Funktion verantwortet er die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Dillinger verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Private-Equity-Branche und besondere Expertise in den Bereichen Due Diligence und Sekundärtransaktionen.

Autor/Autorin

Oliver Vollbrecht
Investor und Autor

Oliver Vollbrecht beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Geschäftsmodellen – als freier Journalist, Investor Relations-Manager und -Berater, als Investor und HV-Sprecher für die DSW. Der Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit liegt bei börsennotierten Unternehmen der DACH-Region.