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Nach einem verhaltenen Börsengangmarkt im Jahr 2025 deuten mehrere Indikatoren darauf hin, dass 2026 eine „Aufholwelle“ von Börsengängen bringen könnte – und zwar nicht irgendwelche. Ein Rückstau an sehr großen, von Risikokapital finanzierten Privatunternehmen wird weithin als potenzielle Kandidaten für Börsengänge diskutiert, und ihr eventueller Eintritt in die öffentlichen Märkte könnte die Zusammensetzung der Indizes neu gestalten. Von Jordy Hermanns
Mögliche Börsengänge: Wer steht im Fokus?
Der Spitzenkandidat: SpaceX: Medienberichten zufolge erwägt SpaceX einen möglichen Börsengang, dessen Transaktionsvolumen und Bewertungen das Unternehmen zu einem der größten Börsengänge aller Zeiten machen würden. In Marktdiskussionen ist von Bewertungen von weit über 1 Billion US-Dollar die Rede, obwohl noch kein offizieller Zeitplan oder eine Struktur bestätigt wurde. Sollte ein solcher Börsengang zustande kommen, würde er das Ausmaß historisch großer Börsengänge wie dem von Saudi Aramco im Jahr 2019 übertreffen.
Eine breitere Gruppe großer, durch Risikokapital finanzierter Unternehmen: Weitere Unternehmen, die möglicherweise einen Börsengang ins Auge fassen, sind die Finanzunternehmen Stripe und Revolut. Auch Verteidigungsaktien sollen Gerüchten zufolge einen Börsengang in Erwägung ziehen oder sich darauf vorbereiten.
Diese Börsengänge, insbesondere die von SpaceX, OpenAI und Anthropic, stechen mit ihrer galaktischen Größe wirklich hervor. Die diskutierten Bewertungen sind im historischen Vergleich außergewöhnlich hoch, insbesondere für Unternehmen, die direkt vom Privatbesitz an die öffentlichen Märkte wechseln. Sollten auch nur einige dieser Unternehmen an die Börse gehen, könnte 2026 als Rekordjahr für US-Börsengänge in die Geschichte eingehen. Für sich genommen wären diese Börsengänge vom Umfang her mit dem gesamten IPO-Volumen eines ganzen Kalenderjahres vergleichbar. Dies ist vor allem auf die derzeit diskutierten außergewöhnlich hohen Bewertungen zurückzuführen.
Schätzungen zufolge wird allein SpaceX auf fast 1,75 Billionen US-Dollar geschätzt – eine Zahl, die die gesamte Marktkapitalisierung der größten börsennotierten Unternehmen Europas, darunter LVMH, ASML, Hermès, Inditex und L’Oréal, übersteigt. Dieser Vergleich verdeutlicht das außergewöhnliche Ausmaß des geplanten Börsengangs und unterstreicht, wie einzigartig diese potenziellen „Galactic IPOs“ im historischen Vergleich wären.
Passives Investieren und Börsengänge
In den vergangenen Jahren ist das Volumen der passiv verwalteten Vermögenswerte gewachsen, und viele Anleger – sowohl institutionelle als auch Privatanleger – investieren in Produkte, die (teilweise) ihren Referenzindizes folgen. Das wirft die Frage auf, wie die wichtigsten Referenzindizes mit Börsengängen umgehen. Im Allgemeinen legen die Regeln der Referenzindizes Mindestanforderungen für die Aufnahme von Aktien in den Index fest. Wichtige Faktoren sind dabei der Streubesitz und „Karenzfristen“, die eine Mindestanzahl von Handelstagen nach einem Börsengang vorschreiben, bevor eine Aufnahme in den Index möglich ist.
Angesichts der bevorstehenden Mega-Börsengänge könnten beliebte Benchmark-Anbieter nun ihre Indexregeln ändern und haben Konsultationen zur Verkürzung oder Abschaffung von Karenzfristen sowie zur Senkung oder Abschaffung von Mindestschwellenwerten für den Streubesitz eingeleitet. Durch die Ermöglichung eines „schnellen Zugangs“ würden Anleger in diesen Indizes in diese Aktien investiert.
Werden große Börsengänge schneller aufgenommen, können indexnachbildende Strategien schon sehr bald nach Handelsbeginn zu mechanischen Käufern werden. Unter einem „Fast-Track“-Regime für Mega-Börsengänge könnten passive Fonds, die an wichtige US-Benchmarks gekoppelt sind, eine automatische Nachfrage in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar ausmachen – potenziell ein erheblicher Anteil am Emissionsvolumen des Börsengangs.
MSCI-Indizes
In Erwartung eines ereignisreichen IPO-Jahres haben wir die Auswirkungen auf unsere passiven globalen Aktienmandate analysiert. Diese Mandate bilden den MSCI All Country World Index ab – einen beliebten Index, der von institutionellen Anlegern weitläufig genutzt wird. Auch wenn es schwer vorhersehbar ist, welche Unternehmen an die Börse gehen werden, zu welchen Bewertungen und mit welchem Streubesitz, ist die allgemeine Entwicklung doch klar erkennbar.
Derzeit würden die Indexregeln von MSCI keine beschleunigte Aufnahme bewirken; vielmehr würde die Aufnahme im Rahmen der vierteljährlichen Neugewichtungen nach den üblichen Verfahren erfolgen. Dennoch bedeutet dies, dass sich die Zusammensetzung der Aktienfonds im Laufe des Jahres 2026 wahrscheinlich ändern wird. Selbst bei konservativen Schätzungen werden sich die Indizes nach der Aufnahme weiter in Richtung USA verschieben, wodurch das Ländergewicht auf 63 % steigen würde, sofern alle anderen Faktoren gleich bleiben. Auf Sektorebene wird der Index stärker IT-lastig werden.
Dies wirft die Frage auf, inwieweit eine Diversifizierung – sei es geografisch, sektorbezogen oder nach Marktkapitalisierung – bevorzugt wird. Gleichzeitig ist dies auch der richtige Zeitpunkt, um die Ausschlussrichtlinien zu überprüfen. Dies ermöglicht eine zeitnahe Bewertung der Nachhaltigkeits- und Ausschlusskriterien, sodass im Falle einer schnellen Aufnahme die Richtlinien rechtzeitig aktualisiert werden können.
Europa: eine andere Markt- (und IPO-)Landschaft
Es wird erwartet, dass die Mehrheit der potenziellen Mega-IPOs in den USA an die Börse geht, was sowohl die geografische Herkunft dieser Unternehmen als auch die Tiefe, Liquidität und Bewertungsprämien widerspiegelt, die die US-Aktienmärkte für Börsengänge attraktiv machen. Berichten zufolge erwägen auch einige nicht-amerikanische Unternehmen wie Revolut und Canva aus diesen Gründen einen Börsengang in den USA.
Zwar bleibt Europa ein aktiver IPO-Markt, doch fehlen dort Unternehmen von der Größenordnung, wie sie derzeit in den USA diskutiert wird. Extrem große Börsengänge mit Bewertungen von über 1 Billion US-Dollar – oder einer Free-Float-Marktkapitalisierung von 50 bis 100 Milliarden US-Dollar – würden im europäischen Kontext noch stärker hervorstechen als im Vergleich zu US-Benchmarks.
Fazit
Nach dem schwachen IPO-Jahr 2025 könnte 2026 von einer außergewöhnlichen Welle an Mega-Börsengängen geprägt sein. Sollten einige der hochbewerteten Privatunternehmen tatsächlich an die Börse gehen, wären Volumen und Bewertungen historisch und könnten die Struktur globaler Indizes spürbar verändern.
Vor allem durch die wachsende Bedeutung passiver Investments dürften große Neuemissionen rasch erhebliche Kapitalzuflüsse anziehen – mit der Folge einer stärkeren US- und IT-Gewichtung. Für Anleger rücken damit Fragen der Diversifikation, Konzentrationsrisiken und Indexregeln stärker in den Fokus.
Autor/Autorin

Jordy Hermanns
Jordy Hermanns, CFA, ist Portfoliomanager in der Multi-Asset-Gruppe und arbeitet als Investmentstratege im Asset-Allocation-Team. Jordy ist im Team für strategische und taktische Anlageentscheidungen (Asset Allocation) verantwortlich. Außerdem stellt er makroökonomische und Finanzmarktanalysen für interne und externe Stakeholder bereit. Vor seiner aktuellen Position war er Junior-Quantitative Analyst im Unternehmen. Davor absolvierte er ein Praktikum im Bereich Zins- und Geldmärkte. Jordy ist seit 2015 in der Branche und im Unternehmen tätig. Er hat einen Masterabschluss in International Business Finance sowie einen Masterabschluss in Financial Economics von der Universität Maastricht. Jordy ist CFA®-Charterholder.





