Bildnachweis: SFC Energy AG.
Nach dem kräftigen Kursanstieg seit Jahresanfang legt die Aktie von SFC Energy (ISIN: DE0007568578) bei einem aktuellen Börsenwert von rund 350 Mio. EUR eine Verschnaufpause ein. Entscheidend für das starke erste Halbjahr 2026 war ein Großauftrag. Mittel- bis langfristig soll sich die wieder anziehende Nachfrage in den USA und in Indien zum Kurstreiber entwickeln. Von Stefan Riedel
Dieser Artikel erscheint auch in der neuen GoingPublic Ausgabe!
Nach einem schwierigen Vorjahr kommt das operative Geschäft bei SFC Energy wieder in Schwung. Der Hersteller von Wasserstoff- und Methanol- Brennstoffzellen für die stationäre und mobile Hybrid-Stromversorgung hat im ersten Halbjahr 2026 den bereinigten operativen Gewinn auf EBITDA-Basis von 8,5 auf 18,4 Mio. EUR mehr als verdoppelt. Der Umsatz kletterte um 11,9 % auf 82,4 Mio. EUR. Unter dem Strich fuhr SFC Energy einen Konzerngewinn von fast 7,3 Mio. EUR ein. Vor einem Jahr war das Unternehmen nach einer Gewinnwarnung mit 0,3 Mio. EUR noch knapp über der schwarzen Null gelandet.
Ukraine-Effekt
Den Ausschlag dafür gab der Geschäftsbereich Clean Energy, dessen Umsatz um 22,7 % auf 63,5 Mio. EUR zulegte. Der größte Wachstumsschub kam dabei von einem Großauftrag aus der Ukraine in Höhe von 42,7 Mio. EUR. SFC Energy liefert dabei hybride Off-Grid-Systeme, eine Kombination aus Brennstoffzellen und Batterien, die unabhängig vom Stromnetz funktioniert. Vom Projekt flossen bereits im zweiten Quartal 22,3 Mio. EUR in den Umsatz ein. Der gesamte Umsatzbeitrag dieses Großauftrags wird 2026 bilanziell verbucht.
Noch nicht darin enthalten sind mögliche Einnahmen aus künftigen Wartungen und anderen Serviceleistungen. Strategisch betrachtet erhofft sich SFC Energy von dem Auftrag eine Signalwirkung für weitere Aufträge im militärischen sowie in sicherheitskritischen Bereichen des zivilen Sektors. Mit den Brennstoffzellensystemen der JENNY- und EMILY-Serie und der hybriden Energieversorgung EFOY ProShelter verfügt SFC Energy über einsatzerprobte Produktreihen.
Wie stark die Nachfrage anzieht, signalisiert der Auftragseingang, der sich gegenüber dem Vorjahr von 43,7 auf 108,7 Mio. EUR mehr als verdoppelte. Nach diesen starken Zahlen hat der Vorstand seine Jahresprognose auf das obere Ende des bisherigen Zielkorridors konkretisiert. SFC Energy erwartet demnach einen Umsatz zwischen 166 und 175 Mio. EUR und ein bereinigtes EBITDA in der Größenordnung von 31,5 bis 34 Mio. EUR.
Blickpunkt USA und Asien
Beim zuletzt schwachen US-Geschäft zeigt sich Vorstandschef Peter Podesser zuversichtlich, dass SFC Energy bei der Marktdurchdringung langsam, aber stetig vorankommt, weil es vor Ort keine direkten Wettbewerber auf der Ebene der netzfernen Energieversorger gibt.
Optimistisch ist Podesser auch für das Indiengeschäft, dessen Schwäche eine der Hauptursachen für die drastische Korrektur der Jahresprognose 2025 war. Für die nächsten zwei Quartale erwartet er steigende Auftragseingänge. Ein Großteil davon wird allerdings nicht mehr im Wirtschaftsjahr von SFC Energy geliefert, sondern beginnend im Schlussquartal des indischen Fiskaljahres, das am 31. März 2027 endet.
In Südostasien soll Singapur zur Drehscheibe für die Expansion in der gesamten Region werden. Türöffner dafür ist die Beteiligung an der Firma Oneberry Technologies, von dessen Geschäftsmodell sich SFC Energy Zugang zu neuen Märkten erhofft. „Oneberry betreibt im Rahmen eines Servicevertrags die gesamte Grenzsicherung für Singapur mit AI-basierter, automatisierter Sicherheitstechnik. Solche Verträge auch woanders in der Region umzusetzen hilft uns, bestehende Investitionshürden für neue Technologien zu überwinden“, erklärt Vorstandschef Podesser. Welche mittel- bis langfristigen Ziele SFC Energy verfolgt, wird das Management am 7. Oktober auf dem Investorentag am britischen Standort Swindon erläutern.
Fazit
Mit einem 2028er-KGV von 14 ist die Aktie günstig zu haben für einen Nischenplayer im Brennstoffzellensektor, bei dem Branchenexperten nach dem Gewinnsprung in diesem Jahr ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 25 % in den zwei darauffolgenden Jahren erwarten. Entscheidend ist, dass SFC Energy in drei Punkten liefert: Neue Großaufträge aus Europa und den USA, wieder steigende Nachfrage in Indien und anziehende Margen in der Sparte Power Management.
„Defense-Märkte sind potenzielle Wachstumsbeschleuniger“Interview mit Peter Podesser, CEO, SFC Energy GoingPublic: SFC Energy hat das beste Halbjahresergebnis in der 26-jährigen Firmenhistorie hingelegt. Welche Entwicklungen haben Sie selbst überrascht? Podesser: Unser Highlight war der Rekordauftrag aus der Ukraine, überraschend dabei die schnelle Umsetzung auf Kundenseite. Um unmittelbar lieferfähig zu sein, hatten wir hierfür frühzeitig notwendige Kapazitäten zur Verfügung gestellt. Bei anderen Kunden wird eine Reduktion der Lager in der zweiten Jahreshälfte zu einem Aufholeffekt führen. Umgekehrt sahen wir in den ersten Monaten eine temporäre Schwäche im Geschäftsfeld Power Management, vor allem in Europa. Gleichwohl zeichnet sich auch hier im zweiten Halbjahr eine wieder anziehende Nachfrage ab. Weniger gut verlief zuletzt auch das Geschäft auf dem US-Markt. Wie will SFC Energy hier die Trendwende schaffen? Betrachtet man die Neukunden im zivilen Sicherheitsgeschäft, haben wir uns mit unseren EFOY-Brennstoffzellen bei den zehn Anbietern als Alleinlieferant etabliert. Hier sehen wir weiteres Steigerungspotenzial bei der Mengenentwicklung, die im Wesentlichen heute noch über zwei Großkunden getrieben ist. Angesichts der laufenden Konsolidierung unter den Anbietern von Sicherheitssystemen hängt die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung auch davon ab, dass die Richtung stimmt. So haben wir beispielsweise bei der Mobile Security Division von Amazon bereits erste Projekte an Land gezogen. Wie entwickelt sich das Geschäft mit den US-Militärs? Die frühere Entscheidung, sich gegen alternative Technologien jenseits von Benzin und Diesel im Sinne einer One Fuel Policy auszusprechen, wird jetzt revidiert. Unsere Vertreter sind gerade vor Ort, um über die künftige Nutzung von Brennstoffzellen zu sprechen. Für diesen Richtungswandel entscheidend ist die alternative Kriegsführung, bei der es eine immer größere Rolle spielt, dass Energiequellen nicht entdeckt werden. Hier hat die Brennstoffzelle entscheidende Vorteile. Welche Rolle spielen Akquisitionen, um den Zugang in Zielmärkte zu beschleunigen? Auch hier bleibt ein Fokus auf dem US-Markt. Nach dem Hochfahren der Produktion an unserem Standort Salt Lake City wollen wir weitere Standorte eröffnen, vor allem an der Ostküste mit ihrem starken Fokus im Defense- wie auch im Öl- und Gassektor. Zugleich haben Sie in Südostasien einen Fuß in der Tür mit der Beteiligung anmOneberry Technologies in Singapur.nWas sind hier die nächsten Schritte? Zum einen wollen wir eine regionale Drehscheibe für das Südostasiengeschäft aufbauen und technischen Support mit einem qualifizierten Team leisten, das schon lange mit unseren Systemen arbeitet. Zum anderen ist das Geschäftsmodell für uns höchst interessant: Oneberry betreibt die gesamte Grenzsicherung für den Stadtstaat Singapur mit AI-basierter, automatisierter Sicherheitstechnik im Rahmen eines Servicevertrags. Solche Verträge auch woanders in der Region umzusetzen, hilft uns bestehende Investitionshürden für neue Technologien zu überwinden. Nehmen Sie durch den stärkeren Fokus auf die Themen öffentliche Sicherheit und Verteidigung ein verstärktes Interesse von neuen Investorengruppen wahr? Definitiv. Der Umsatzanteil der Bereiche Verteidigung sowie öffentliche und zivile Sicherheit liegt inzwischen bei mehr als einem Drittel – Tendenz steigend. Entsprechend groß ist auch das Interesse neuer Investoren mit dem Fokus auf Defense-Technologien. Wie sehen Sie SFC Energy auf Sicht der nächsten drei Jahre aufgestellt? Das Wachstumspotenzial auf der Defense-Seite bleibt enorm hoch. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen zivilem und militärischem Geschäft von 50:50 würde unseren Dual-Use-Ansatz widerspiegeln. In geografischer Hinsicht setzen wir massive Wachstumsschwerpunkte in Asien und Nordamerika. Vom organischen Wachstum peilen wir ein jährliches Wachstum von im Schnitt 20% an, mit Defense-Aktivitäten als potenziellem Beschleuniger. Das Interview führte Stefan Riedel |
Zum Interviewpartner

Dr. Peter Podesser ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der SFC Energy AG und hat das Unternehmen vom Münchner Brennstoffzellen-Start-up zu einem international führenden Technologiemittelständler für resiliente Hybrid-Energieversorgung entwickelt. Zuvor war er in leitenden Positionen bei Oerlikon Wafer Processing, EV Group und RHI tätig. Podesser studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien und ist zudem Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Brennstoffzelle des VDMA sowie stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Wolftank Group AG.
Autor/Autorin

Stefan Riedel
Stefan Riedel ist in den internationalen Finanzmärkten unterwegs. Seit 20 Jahren schreibt der passionierte Börsianer für die Plattformen und Publikationen von GoingPublic Media, unter anderem GoingPublic und die Plattform Life Sciences.





