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Der australische Radiopharma-Konzern Telix Pharmaceuticals Limited und ITM Isotope Technologies Munich SE schließen sich zusammen. Die Transaktion bewertet ITM zunächst mit 1,65 Mrd. USD, weitere bis zu 700 Mio. USD können erfolgsabhängig hinzukommen. Die feste Gegenleistung an die ITM-Eigentümer besteht im Wesentlichen aus Telix-Aktien: Nach Abschluss werden sie zusammen 23,7 % des fusionierten Unternehmens halten. Der Zusammenschluss verbindet damit zwei bereits international aufgestellte Radiopharma-Unternehmen mit komplementären Stärken in Diagnostik, Therapieentwicklung, Isotopenproduktion und globaler Lieferkette. Von Urs Moesenfechtel

Telix Pharmaceuticals und ITM Isotope Technologies Munich haben eine Vereinbarung über ihren Zusammenschluss geschlossen. Die Unternehmen selbst sprechen von einem „transformational merger“. Formal erwirbt Telix 100 % der ITM-Anteile. Wirtschaftlich ist die Transaktion jedoch weitgehend als Aktientausch strukturiert: Nach den vorgesehenen Anpassungen sollen die bisherigen ITM-Eigentümer Telix-Aktien im Wert von rund 1,25 Mrd. USD erhalten. Nach Abschluss werden sie damit zusammen 23,7 % des vergrößerten Telix-Konzerns halten.

Damit findet kein klassischer Cash-out der bisherigen Eigentümer statt. Sie bleiben vielmehr als wesentliche Anteilseigner am wirtschaftlichen Erfolg des kombinierten Unternehmens beteiligt. Die beim Closing ausgegebenen Aktien unterliegen zudem Sperrfristen von bis zu 15 Monaten, wobei begrenzte Ausnahmen unter anderem zur Begleichung von Steuer- und Transaktionsverpflichtungen vorgesehen sind. Die bisherigen Telix-Aktionäre werden nach Vollzug rund 76,3 % des Unternehmens halten. Damit setzen die ITM-Eigentümer einen wesentlichen Teil des für ITM vereinbarten Werts auf die weitere Entwicklung des gemeinsamen Unternehmens.

Von ihrer Entwicklungsgeschichte unterscheiden sich die beiden Partner. ITM wurde 2004 gegründet und hat sich zu einem führenden Hersteller therapeutischer Radioisotope entwickelt. Telix entstand erst 2015 und ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. 2025 erzielte das Unternehmen 804 Mio. USD Umsatz; für 2026 erwartet Telix 950 bis 970 Mio. USD Umsatz. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte Telix bei 477 Mio. USD Umsatz einen Gewinn nach Steuern von 38 Mio. USD.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Telix-Aktionäre, regulatorischer Genehmigungen und weiterer üblicher Bedingungen soll die Fusion bis Ende 2026 vollzogen werden. Mehr als 90 % der ITM-Anteile hatten der Vereinbarung zum Zeitpunkt der Unterzeichnung bereits zugestimmt.

Zwei komplementäre Radiopharma-Geschäfte

Die industrielle Logik liegt vor allem in der Verbindung unterschiedlicher Teile der radiopharmazeutischen Wertschöpfungskette. Telix verfügt über kommerzialisierte Präzisionsdiagnostika und eine fortgeschrittene therapeutische Pipeline. ITM bringt insbesondere die Produktion therapeutischer Radioisotope, eine globale Lieferkette und eine eigene Onkologie-Pipeline ein.

Der Zusammenschluss soll diese komplementären Bereiche in einem stärker vertikal integrierten Radiopharma-Unternehmen bündeln. ITM gehört zu den weltweit führenden Anbietern therapeutischer Radioisotope und verfügt über Produktionskompetenzen bei Lutetium-177 (Lu-177), Actinium-225 (Ac-225) und Terbium-161 (Tb-161). Das Unternehmen beliefert über sein Netzwerk Kunden in mehr als 65 Ländern. Bei kommerziell produziertem Lu-177 sieht Telix ITM als einzigen Anbieter mit global skalierter Produktion.

Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit Jahren zusammen. Schon 2021 vereinbarten ITM und Telix globale Lieferverträge für trägerfreies Lu-177 zur klinischen Entwicklung und möglichen späteren kommerziellen Nutzung von Telix-Therapien. Aus dieser Lieferbeziehung soll nun eine gemeinsame Wertschöpfungskette werden. ITM hat sein Geschäft in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. 2025 erzielte das Unternehmen 273 Mio. USD Umsatz; zwischen 2021 und 2025 lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate nach Unternehmensangaben bei 40 %. Das kommerzielle Isotopengeschäft ist profitabel und generiert Cashflow. Telix verweist unter Berufung auf MEDraysintell auf ein erwartetes Volumen des globalen Nuklearmedizinmarkts von 41 Mrd. USD bis 2034.

Dr. Andrew Cavey, Chief Executive Officer von ITM, bezeichnet den Zusammenschluss als Weiterentwicklung der bisherigen Partnerschaft: „Dieser Schritt ist die konsequente Weiterentwicklung einer Partnerschaft zweier Pioniere im Bereich der zielgerichteten Radiopharmazie. Durch die Zusammenführung unserer Pipelineprogramme im Früh- und Spätstadium, einschließlich unseres wichtigsten Phase-3-Kandidaten ITM-11, mit der Pipeline und der nachgewiesenen Fähigkeit von Telix, sich schnell an Marktanforderungen anzupassen, entsteht ein global führendes Radiopharmazie-Unternehmen. Mit geeinten Kräften und einer gemeinsame Vision für die Zukunft der Präzisionsonkologie sind wir hervorragend positioniert, um die klinische Entwicklung von Radiopharmazeutika der nächsten Generation zu beschleunigen und gleichzeitig den zuverlässigen Zugang zu diesen innovativen Therapien sicherzustellen.“

ITM-11 erweitert die therapeutische Pipeline

Ein wichtiger Bestandteil des Zusammenschlusses ist die therapeutische Pipeline von ITM. Neben der Isotopenproduktion erhält Telix mit ITM eine weit fortgeschrittene therapeutische Pipeline. Im Mittelpunkt steht ITM-11, Lu-177-Edotreotid, eine auf den Somatostatinrezeptor zielende Radionuklidtherapie gegen gastroenteropankreatische neuroendokrine Tumoren (GEP-NET). Die Phase-3-Studie COMPETE ist abgeschlossen. ITM-11 zeigte darin gegenüber Everolimus eine signifikante Verbesserung des progressionsfreien Überlebens und der objektiven Ansprechrate. Die Ergebnisse wurden im Juli 2026 in „The Lancet“ veröffentlicht. Auch die Rekrutierung für die Phase-3-Studie COMPOSE ist abgeschlossen; eine Zwischenanalyse wird im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Eine US-Zulassung steht allerdings noch aus. Im August 2026 erhielt ITM von der FDA einen Complete Response Letter für Lu-177-Edotreotid. Nach Angaben von ITM bezogen sich die offenen Punkte auf Chemistry, Manufacturing and Controls (CMC) sowie eine externe kommerzielle Produktionsstätte. Zusätzliche klinische oder nichtklinische Daten verlangte die FDA demnach nicht.

1,65 Mrd. USD – und bis zu 700 Mio. USD erfolgsabhängig

Die Transaktion bewertet ITM zunächst mit 1,65 Mrd. USD auf schulden- und liquiditätsfreier Basis. Nach Anpassungen sollen rund 1,25 Mrd. USD durch 105,8 Mio. neue Telix-Aktien an die Verkäufer fließen. Für die Transaktion werden diese mit 11,84 USD je Aktie angesetzt. Grundlage ist der 30-Tage-VWAP der Telix-Aktie vor Unterzeichnung von 16,65 AUD, umgerechnet zum zugrunde gelegten Wechselkurs. Telix übernimmt außerdem 302 Mio. USD Nettoverbindlichkeiten. Weitere 96 Mio. USD Management-Equity-Rollover und Transaktionskosten werden von den Verkäufern getragen.

Aktienkurs der Telix Pharmaceuticals Limited vom 21.9.2026, 14:24 Uhr. Quelle & Copyright: stock3.com
Aktienkurs der Telix Pharmaceuticals Limited vom 21.9.2026, 14:24 Uhr. Quelle & Copyright: stock3.com

Am ersten Handelstag nach Bekanntgabe der Fusion bewegte sich die Telix-Aktie zunächst in Richtung des für die Transaktion verwendeten 30-Tage-Durchschnitts von 16,65 AUD, gab im weiteren Tagesverlauf jedoch stärker nach. Sie schloss am 21. September bei 15,76 AUD nach 17,85 AUD am vorherigen Handelstag.

Zum festen Teil des Kaufpreises kommt eine erfolgsabhängige Komponente von bis zu 700 Mio. USD. Davon sind bis zu 250 Mio. USD an FDA-Zulassungen von ITM-11 in drei Indikationen geknüpft. Weitere bis zu 450 Mio. USD können bei entsprechendem kommerziellem Erfolg von ITM-11 fällig werden; dafür muss der weltweite Nettoumsatz im Geschäftsjahr 2030 über 150 Mio. USD liegen. Telix kann diese Zahlungen wahlweise in bar oder Aktien leisten. Die bisherigen ITM-Eigentümer bleiben damit auch nach Vollzug erheblich am weiteren Erfolg beteiligt: unmittelbar über ihren Anteil von 23,7 % an Telix und zusätzlich über die erfolgsabhängigen Zahlungen für ITM-11. Die Konstruktion unterscheidet sich damit deutlich von einem klassischen Verkauf, bei dem sich die bisherigen Eigentümer gegen Barzahlung aus dem Unternehmen zurückziehen.

Gemeinsam auf Wachstumskurs

Der Zusammenschluss bringt zwei Unternehmen zusammen, die bereits international tätig sind, aber unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb der Radiopharmazie haben: ITM mit seiner etablierten Isotopenproduktion, globalen Lieferkette und therapeutischen Pipeline, Telix mit seinem kommerziellen Diagnostikgeschäft, einer breiten Entwicklungspipeline und einer in den vergangenen Jahren stark ausgebauten internationalen Infrastruktur.

Dass die ITM-Eigentümer den festen Teil ihrer Gegenleistung im Wesentlichen in Telix-Aktien erhalten, macht sie zu langfristig relevanten Anteilseignern des fusionierten Unternehmens. Ob die gemeinsame Wachstumsstrategie aufgeht, wird nun vor allem davon abhängen, wie sich die komplementären Geschäfte verbinden lassen und ob aus der breiten therapeutischen Pipeline weitere zugelassene und kommerziell erfolgreiche Produkte hervorgehen.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.