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Während Konkurrent OpenAI seine Börsenpläne vorerst verschoben hat, hält Anthropic weiterhin an einem Börsendebüt in diesem Jahr fest. Bereits Mitte November könnte es laut Bloomberg unter Berufung auf Insider aufs US-Börsenparkett gehen. Von Jenny Gspahn-Staudigl


Der KI-Entwickler Anthropic treibt seinen Börsengang weiter voran. Laut Bloomberg könnte die formelle Vermarktung des IPOs bereits in der Woche ab dem 9. November beginnen. Anthropic strebt demnach weiterhin eine Erstnotiz bis spätestens Jahresende an – Bloomberg berichtet sogar von Plänen, noch vor Thanksgiving am 26. November an die Börse zu gehen. Da die Beratungen derzeit noch laufen, könnte sich der Zeitplan allerdings weiterhin verschieben.

Im Vorfeld des möglichen Börsengangs will Anthropic am 14. Oktober potenzielle Investoren am Unternehmenssitz in San Francisco treffen. Diese halten laut Bloomberg derzeit eine Bewertung zwischen 1,8 und 2 Bio. USD für angemessen. Damit könnte der Börsengang nach SpaceX zum zweiten Mega-IPO des Jahres werden und Anthropic zu einem der wertvollsten börsennotierten Technologieunternehmen der Welt machen.

Anthropic hatte bereits Anfang Juni einen vertraulichen Entwurf des Registrierungsdokuments auf Form S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und damit die formalen Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang eingeleitet. Die Zahl der angebotenen Aktien und eine mögliche Preisspanne stehen wohl bislang noch nicht fest.

Starkes Wachstum trifft auf hohe Verluste

Erst Ende Mai hatte Anthropic in einer Finanzierungsrunde 65 Mrd. USD eingesammelt und war dabei mit 965 Mrd. USD bewertet worden. Zu den Investoren der Runde gehörten unter anderem Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks, Sequoia Capital sowie auch Amazon.

Die Bewertungserwartungen sind seitdem noch einmal deutlich gestiegen. Dahinter steht insbesondere das starke Umsatzwachstum des 2021 gegründeten Unternehmens. Laut Reuters weist der IPO-Prospekt für 2025 einen Umsatz von 4,6 Mrd. USD aus, nach rund 400 Mio. USD im Vorjahr. Gleichzeitig schreibt das Unternehmen weiterhin tiefrote Zahlen. Der operative Verlust belief sich demnach auf mehr als 8 Mrd. USD, der Nettoverlust auf rund 42 Mrd. USD. In letzterer Zahl sind hohe Buchverluste enthalten, die im Rahmen ausgegebener Wandelanleihen und dem nun stark gestiegenen Unternehmenswert entstanden sind. Für 2028 soll Anthropic mit einem Umsatz von 190 bis 200 Mrd. USD rechnen.

Hoher Kapitalbedarf

Dem rasanten Wachstum steht ein enormer Kapitalbedarf gegenüber. 2025 gab Anthropic laut Prospekt rund 7,3 Mrd. USD für Rechenleistung und Infrastruktur aus. Hinzu kommt eine starke Abhängigkeit von wenigen Technologiepartnern. Rund 47% des Umsatzes wurden 2025 über die Cloud-Plattformen von Amazon und Google abgewickelt. Beide Unternehmen sind gleichzeitig Investoren beziehungsweise wichtige Infrastrukturpartner und Wettbewerber von Anthropic im KI-Markt.

Fazit

Mit einer möglichen Bewertung von bis zu 2 Bio. USD – was einmal allen Unternehmen im DAX40 entspräche – sind die Erwartungen an Anthropic enorm. Das starke Wachstum und die Positionierung im KI-Markt treffen dabei auf hohe Verluste und einen erheblichen Kapitalbedarf. Ob Investoren bereit sind, diese Kombination mit einer derart hohen Bewertung mitzutragen, dürfte sich bereits bei den anstehenden Gesprächen zeigen. Der IPO wäre damit nicht nur ein Test für Anthropic selbst, sondern auch ein Gradmesser für die Bewertungen im gesamten KI-Sektor. Ein erfolgreicher Börsengang könnte den Weg für weitere KI-Giganten wie OpenAI ebnen. Stößt die hohe Bewertung dagegen auf Widerstand, wäre dies ein erstes Signal dafür, dass auch die bisherige KI-Euphorie am Kapitalmarkt an Grenzen stößt.

Autor/Autorin

Content Managerin at GoingPublic Media AG

Jenny Gspahn-Staudigl ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.