Mutares setzt seinen Wachstumskurs fort und richtet den Blick zunehmend über Europa hinaus. Nach der größten Übernahme der Unternehmensgeschichte sollen eine hohe Exit-Dynamik, neue Geschäftsfelder und vor allem die Expansion in den USA für weiteren Schub sorgen. Bis 2030 hat sich die Beteiligungsgesellschaft ambitionierte Wachstumsziele gesetzt.
Dieses Interview erscheint auch in GoingPublic 3/26!
GoingPublic: Herr Laumann, der Mutares- Konzern hat im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 9 % auf 3,4 Mrd. EUR gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ist hingegen um knapp 42 % auf 349 Mio. EUR gesunken. Woran liegt das?
Laumann: Das operative Ergebnis gemessen am adjusted EBITDA hat sich im Vergleich zur Vorperiode von minus 89 Mio. EUR auf plus 67 Mio. EUR um über 150 Mio. EUR verbessert. Dies liegt im Wesentlichen an einem stabilen Automotive-Bereich und herausragend laufenden Unternehmen in den Bereichen Energie, Verteidigung, Infrastruktur und Business Services. Einzig Unternehmen im B2C Retail Bereich belasteten das operative Ergebnis. Das EBITDA ist wesentlich beeinflusst durch den sogenannten „Badwill“, der bei einer Transaktion kaufseitig anfällt, wenn die erworbenen Vermögensgegenstände höher als der Kaufpreis sind. Die Kenngröße für uns sind ausschließlich Konzernumsatz und auf Portfolio-Ebene das adjusted EBITDA.
Welche Segmente des Unternehmens gehören aus Ihrer Sicht in diesem Jahr zu den Highlights?
Ich denke die Highlights in diesem Jahr sind sicherlich die Unternehmen rund um das Thema Energie, wie beispielsweise Efacec, Guascor, NEM, Nordic Gas Solution und die Unternehmen rund um das Thema Defense & Infrastructure wie Magirus, Go- Collective, Alterga oder auch Kuljettava.
Ein wesentlicher Grund für die aus Ihrer Sicht positive Konzernentwicklung ist sicherlich die hohe Exit-Dynamik. Bis zum Jahr 2030 haben Sie ambitionierte Ziele: Bis dahin soll der Konzernumsatz und das Holding-Nettoergebnis jährlich um mindestens 25 % wachsen. Welche Punkte sprechen dafür, dass Sie dieses Ziel erreichen?
Ganz wesentlich spricht dafür die Tatsache, dass wir unsere selbst auferlegte Guidance in den vergangenen Jahren immer erfüllt haben. Des Weiteren haben wir mit der geografischen Erweiterung, aber auch der Erweiterung in den Bereich Chemie und Materials, zusätzliches Wachstumspotenzial
und damit auch Verkaufschancen. Abschließend muss ich sagen, dass ich persönlich daran glaube, dass der amerikanische Markt für uns bis 2030 der Gamechanger wird und wir dort wahnsinnig erfolgreich sein werden.
Anfang August hat Mutares verkündet, die größte Übernahme der Unternehmensgeschichte abgeschlossen zu haben. Mit dem Erwerb des Engineering- Thermoplastics-Geschäfts des saudi-arabischen Chemiekonzerns SABIC (Saudi Basic Industries Corporation) übernimmt die Industrieholding ein Geschäft mit einem Jahresumsatz von rund 2 Mrd. EUR, das künftig unter dem Namen NexPoint Materials firmiert. Welche Chancen bietet die Übernahme? Welche Risiken gibt es?
Die Chance überwiegt hier deutlich die Risiken. Das Geschäft wurde ohne Fokus gemanaged und wir haben bei NexPoint eine exzellente Produktpalette – sowohl in den USA als auch in Europa. Wir haben ein absolut wettbewerbsfähiges Werk und einen Markt, der uns weitere Wachstumspotenziale bietet. Wir sind auch über die Transaktion mit SABIC verbandelt und ziehen gemeinsam an einem Strang die Firma wieder hoch profitabel zu machen. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Firma vor nicht allzu langer Zeit mittlere dreistellige Cashflows produziert hat. Die Risiken sind wie bei allen Übernahmen sowohl im Unternehmen als auch in der Gesamtsituation liegend. Ich sehe hier trotz der Größe keinen Unterschied im Risikoprofil im Vergleich zu anderen Übernahmen wie beispielsweise Magna CTS oder Trepel/Mafi.
Der Vorstand hat die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 bestätigt. Der Konzernumsatz soll zwischen 7,9 und 9,1 Mrd. EUR liegen und damit deutlich über dem Vorjahr (6,5 Mrd. EUR). Beim Geschäft einer Beteiligungsgesellschaft gibt es natürlich auch mögliche negative Faktoren wie Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken.
Durch unser Portfolio sind wir schon einigermaßen in Balance. Aber sicherlich gibt es dieselben Risiken, gegen die wir auch schon in all den Jahren zuvor kämpfen mussten: ein sich verändernder Markt, Knappheit an gutem Personal, Finanzierungsrisiken an den Kapitalmärkten und geopolitische Einflüsse. Am Ende sind wir Unternehmer. Unsere Hauptaufgabe ist es, durch das Managen von Chancen und Risiken die Firma erfolgreich zu gestalten.
Der Kurs der Mutares-Aktie (WKN: A2NB65) hat sich auf Sicht der vergangenen 12 Monate seitwärts entwickelt. Welche Gründe könnte es für Börsianer geben, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken?
Ich denke, so eindeutig kann man das nicht auf ein oder zwei Punkte reduzieren. Sicherlich werden uns die finale Umsetzung größerer Exits wie NEM, Guascor, Magirus, Efacec oder Nordic Gas Solutions in den nächsten Jahren helfen. Aber am Ende glaube ich, können wir als Management den Kurs dahingehend versuchen zu treiben, indem wir gute Arbeit machen und das Abliefern, was wir versprechen. Und genau das versuche ich, sieben Tage die Woche zu tun.
Herr Laumann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führte Gian Hessami
Zum Interviewpartner

Johannes Laumann, geboren 1983, ist seit 2016 bei der Mutares. Im Mai 2019 wurde er zum Mitglied des Vorstands ernannt. Nach einer persönlichen Auszeit kehrte Johannes Laumann im Juli 2024 als Chief Investment Officer in den Vorstand zurück und verantwortet den Bereich M&A und Investor Relations. Vor seinem Eintritt in die Mutares SE & Co. KGaA hatte er verschiedene Managementpositionen bei der Ernst & Young GmbH, der Porsche Consulting GmbH und in der Oil & Gas Division von Atlas Copco inne. Johannes Laumann studierte Wirtschaftsrecht und internationales Management an der Hochschule in Pforzheim und der Business School in Kopenhagen.
Autor/Autorin

Gian Hessami
Gian Hessami gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Als Finanzjournalist beleuchtet er regelmäßig aktuelle Entwicklungen an der Börse und ist Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004.





