Bildnachweis: Fotograf: Christian Back. Copyright: ATHOS KG, Araris Biotech.

Möglichkeiten, Meilensteine, Milliardenübernahmen. Seit ihrer Finalteilnahme beim Strüngmann Award haben die ersten beiden Alumni-Jahrgänge ihre Unternehmensgeschichten eindrucksvoll weitergeschrieben. Absehbar war diese Entwicklung bei ihrer Auswahl nicht. Sichtbar war, was die Unternehmer bis dahin mit ihren Unternehmen aufgebaut und erreicht hatten. Dieses Zusammenspiel nimmt der Award in den Blick. Was zeigt der Rückblick heute – und von wo aus gehen die Finalisten 2026 ihre nächsten Schritte? Von Urs Moesenfechtel

Der Strüngmann Award wurde 2024 erstmals vergeben. Der mit 100.000 EUR dotierte Preis richtet sich an Life-Science-Unternehmer aus der DACH-Region. Im Blick stehen Innovationen mit dem Potenzial, das Leben von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. Dabei zählen die erfolgreiche Überführung von Forschung in marktfähige Produkte und bisherige unternehmerische Erfolge ebenso wie Innovationsgeist und Unternehmer-Persönlichkeit.

HAYA Therapeutics – die Gewinner von 2024. V.l.n.r.: Dr. Samir Ounzain und Dr. Daniel Blessing. Fotograf: Christian Back. Copyright: ATHOS KG
HAYA Therapeutics – die Gewinner von 2024. V.l.n.r.: Dr. Samir Ounzain und Dr. Daniel Blessing. Fotograf: Christian Back. Copyright: ATHOS KG

2024: Von damals aus weiter. Viel weiter

Fünf Gründer und Gründerteams standen 2024 im ersten Finale des Strüngmann Awards. Ihre Unternehmen waren damals an sehr unterschiedlichen Punkten; von Präklinik bis Phase II, vom jungen Biotech bis zum bereits vereinbarten Exit. Zwei Jahre später hat sich bei allen Finalisten einiges getan.

Die erste Auszeichnung erhielten Dr. Samir Ounzain und Dr. Daniel Blessing von HAYA Therapeutics. Ounzain, Mitgründer und CEO, kommt aus der RNA-Forschung; Mitgründer Blessing aus Biotech und Venture Capital und ist heute CSO. Das 2019 gegründete Unternehmen entwickelte 2024 seinen Wirkstoff HTX-001 noch präklinisch. Im September 2024 vereinbarte HAYA mit Eli Lilly eine mehrjährige Forschungskooperation zu RNA-basierten Targets gegen Adipositas und Stoffwechselerkrankungen; einschließlich Meilensteinen kann sie HAYA bis zu 1 Mrd. USD einbringen. Im Mai 2025 folgte eine Series A über 65 Mio. USD. 2026 erreichte HTX-001 die Phase I.

Noch größer die Zahlen bei Tubulis. CEO Dr. Dominik Schumacher und die Mitgründer Dr. Jonas Helma-Smets und Dr. Ingo Lehrke gründeten das Unternehmen 2019 als Spin-off von LMU und Leibniz-Forschungsinstitut. Als sie 2024 im Finale standen, hatten sie gerade 128 Mio. EUR eingeworben; wenige Tage vor der Preisvergabe wurde der erste Patient mit TUB-040 behandelt. Heute befindet sich der ADC-Kandidat in Phase 1b/2 und Tubulis gehört zu Gilead: Im Mai 2026 vollzog der US-Pharmakonzern die Übernahme für 3,15 Mrd. USD upfront und bis zu weitere 1,85 Mrd. USD an Meilensteinzahlungen.

Cardior Pharmaceuticals war 2024 in der Entwicklung schon weiter fortgeschritten. Im Finale standen CEO Dr. Claudia Ulbrich und Gründer Prof. Dr. Thomas Thum; CDR132L befand sich bereits in Phase II, als Novo Nordisk die Übernahme für bis zu 1,025 Mrd. EUR vereinbarte. Die HF-REVERT-Studie wurde 2025 abgeschlossen; parallel wurde die klinische Entwicklung von CDR132L in weiteren Phase-II-Studien bei chronischer Herzinsuffizienz fortgesetzt.

Auch bei den beiden weiteren Finalisten hat sich seit 2024 einiges bewegt: Als Dr. Roman Thomas 2024 mit dem noch jungen DISCO Pharmaceuticals im Finale stand, baute das Unternehmen seine Surfaceome-Plattform zur Identifizierung neuer Krebs-Targets auf. Ende 2025 schloss DISCO seine Seed-Finanzierung mit insgesamt 36 Mio. EUR ab. Im Januar 2026 folgte ein Lizenzvertrag mit Amgen über ein mit der Plattform identifiziertes Target – mit einem potenziellen Gesamtwert von bis zu 618 Mio. USD plus Royalties.

Als Dr. Ulf Grawunder 2024 für den Award ausgewählt wurde, entwickelte er mit T-CURX auf Basis seines Transposon-CAR-T-Systems eine Pipeline neuer CAR-T-Zelltherapien. Bereits Ende 2025 schloss das Unternehmen eine Series A über 20,5 Mio. USD ab. Im Juni 2026 vereinbarte T-CURX die Übernahme von Pantherna Therapeutics; deren mRNA- und Lipidnanopartikel-Technologien sollen die eigenen In-vivo-CAR-T-Programme nach Unternehmensangaben rund ein Jahr schneller in die Klinik bringen.

Araris Biotech - die Gewinner von 2025. V.l.n.r.: Dr. Dragan Grabulovski, CEO und Co-founder; Dr. Isabella Attinger-Toller, Co-founder und CTO, und Dr. Philipp Spycher Co-founder und CSO; Copyright: Araris Biotech.
Araris Biotech – die Gewinner von 2025. V.l.n.r.: Dr. Dragan Grabulovski, CEO und Co-founder; Dr. Isabella Attinger-Toller, Co-founder und CTO, und Dr. Philipp Spycher Co-founder und CSO; Copyright: Araris Biotech.

2025: Wie weit ist weit?

Die zweite Auszeichnung ging an ein Gründerteam, das einen der größten unternehmerischen Schritte zum Zeitpunkt der Verleihung schon hinter sich hatte.

Dr. Dragan Grabulovski, CEO und Mitgründer von Araris Biotech, sowie die Mitgründer Dr. Philipp Spycher und Dr. Isabella Attinger-Toller, hatten ihr Unternehmen bereits an Taiho Pharmaceutical verkauft. Zuvor hatte Araris mehr als 40 Mio. CHF eingeworben und Partnerschaften unter anderem mit Chugai und Johnson & Johnson geschlossen. 400 Mio. USD wurden beim Closing der Übernahme fällig, weitere bis zu 740 Mio. USD sind an Meilensteine gebunden. Bemerkenswert ist, dass ihnen der Exit noch in der Präklinik gelang. Und was beim Verkauf noch präklinisch war, hat inzwischen die Klinik erreicht. Araris arbeitet als Taiho-Tochter an seiner AraLinQ-Technologie und den daraus hervorgegangenen ADC-Programmen weiter; 2026 begann die klinische Entwicklung von ARC-02.

Bei NovaGo Therapeutics war der Schritt in die Klinik 2025 gerade geschafft. Das von Mitgründer Prof. Martin Schwab und CEO Dr. Stefan Moese vorangetriebene NG004 gegen akute Rückenmarksverletzungen war Ende 2024 in die klinische Entwicklung gestartet. Heute läuft die Phase-I-Studie SPROUT an Zentren in Deutschland und der Schweiz; parallel wird bereits eine Phase-II-Studie vorbereitet.

TOLREMO-Gründerin und CEO Dr. Stefanie Flückiger-Mangual hatte bis zum Finale 2025 bereits mehr als 34 Mio. CHF eingeworben und TT125-802 in Phase I gebracht. Seither ist auch dieses Programm weitergekommen: Im Oktober 2025 schloss TOLREMO die Dosiseskalation ab und berichtete Daten von 34 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren.

Man sieht an den letzten zwei Jahren: Die Bandbreite der Erfolgsgeschichten ist groß. Wer in die engere Auswahl kommt und schließlich den Strüngmann Award erhält, lässt sich also nicht allein am Entwicklungsstand des Unternehmens festmachen. Es geht darum, welche Unternehmerpersönlichkeiten die Jury überzeugen. Und dabei haben die Experten ein gutes Händchen bewiesen.

Unternehmen durch ihre Unternehmer sehen

 Ausgewählt wurden die Unternehmer der jeweiligen Jahrgänge zu einem Zeitpunkt, an dem sich manches von dem, was ihre Unternehmen heute auszeichnet, erst im Werden zeigte. Sichtbar war aber, was die Unternehmer bis dahin geleistet hatten und wie sie mit schwierigen Entscheidungen und offenen Entwicklungen umgegangen waren. Wer also die unternehmerische Leistung einer Person beurteilen will, muss auch auf die Entwicklung ihres Unternehmens schauen. Und wer diese Unternehmensentwicklung einordnen will, kommt an den Entscheidungen der Menschen dahinter nicht vorbei. In dieser Verschränkung liegt auch der besondere Blick des Strüngmann Awards. Und in diesem Zusammenhang lässt sich auch der Begriff „Unternehmer-Persönlichkeit“ verstehen, die der Award ausdrücklich nennt. Nicht als bestimmter Gründertyp, sondern als etwas, das sich im Handeln zeigt.

Dr. Stefan Portolano. Copyright Foto: privat
Prof. Dr. Wieland Sommer. Copyright Foto: privat
Dr. Jonathan Talbot. Copyright Foto: privat

2026: Nächste Schritte auf dem Weg

Die drei Finalisten 2026 bringen ebenfalls sehr unterschiedliche unternehmerische Geschichten mit. Dr. Stefano Portolano, Mitgründer und CEO von Azafaros, hat als Experte für seltene metabolische Erkrankungen Nizubaglustat von der Präklinik bis in ein Phase-III-Programm mit zwei zulassungsrelevanten Studien geführt. Prof. Dr. Wieland Sommer, Radiologe und Unternehmer, hat mit Jacobian eine HealthTech-Plattform für die radiologische Befundung aufgebaut. Dr. Jonathan Talbot, Biotech-Unternehmer und Investor, steht für wiederholtes Company Building: Nach Mosanna Therapeutics und der klinischen Entwicklung von MOS-118 führt er heute Melodia Therapeutics mit einem noch präklinischen Programm. Auch ihre nächsten Schritte führen in unterschiedliche Richtungen: Bei Azafaros steht die späte klinische Entwicklung von Nizubaglustat an, bei Jacobian die weitere Skalierung des digitalen Geschäftsmodells, bei Melodia der Aufbau des jungen Biotech-Unternehmens und seiner Pipeline.

Der Blick hinter dem Award

Wie diese Wege weitergehen, ist bei den Finalisten 2026 noch offen. Für die Beurteilung zählt zunächst, was Portolano, Sommer und Talbot bis hierher aufgebaut und erreicht haben. Darauf schaut eine Jury, die unterschiedliche Erfahrungen aus genau den Feldern mitbringt, in denen sich solche unternehmerischen Entwicklungen entscheiden. Dr. Susanne Schaffert kennt den Weg von Forschung über klinische Entwicklung bis zum Patienten aus mehr als 25 Jahren in der Industrie. Prof. Dr. Helmut Schönenberger begleitet bei UnternehmerTUM seit Jahrzehnten den Weg von Forschung und Technologie in Gründung, Company Building und Wachstum. Dr. Matthias Kromayer wiederum beurteilt als Managing Partner von MIG Capital Life-Science-Unternehmen aus der Perspektive eines Investors, der Entscheidungen treffen muss, bevor deren Ausgang feststeht. Und Dres. Andreas und Thomas Strüngmann bringen die Perspektive aus eigener Gründungs-, Aufbau- und Investmenterfahrung ein.

Wissenschaft und Translation, Unternehmensaufbau, Kapital und unternehmerische Bewährung bringen damit unterschiedliche Perspektiven auf drei Finalisten, deren Unternehmen ebenso verschieden sind wie ihre nächsten Aufgaben. Ihre wissenschaftlichen und unternehmerischen Leistungen haben sie am 8. Juli vor der Jury präsentiert. Am 15. September wird der Preisträger bekannt gegeben. Mit der Auszeichnung verbindet sich zugleich ein Anspruch, der über die Preisvergabe hinausreicht: Finalisten und Preisträger sollen ihre Erfahrungen an eine neue Generation von Gründern weitergeben. Obwohl die Wege der bisherigen Jahrgänge sehr verschieden sind, können sie Orientierung geben: mit den Entscheidungen, die sie getroffen, den Widerständen, die sie überwunden, und den Übergängen, die sie gestaltet haben. Das Vorbild liegt dann weniger darin, einen bestimmten Weg nachzugehen, als darin, wie Unternehmer ihren eigenen finden und gestalten.

Autor/Autorin

Redaktionsleiter Plattform Life Sciences at  | Website

Urs Moesenfechtel, M.A., ist Redaktionsleiter der Plattform Life Sciences und gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Urs beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themenfeldern Biotechnologie und Bioökonomie und war u.a. bereits als Wissenschaftsredakteur für mehrere Forschungseinrichtungen tätig.