Bildnachweis: electrovac AG.
Bereits Anfang April hatten wir über den anstehenden Börsengang der electrovac AG (ISIN DE000A420ZL4) berichtet. Nun hat das Management im Rahmen einer Pressekonferenz Details bekanntgegeben. Von Oliver Vollbrecht
Startschuss für den Börsengang
Die Eckdaten der Emission stehen: die Preisspanne liegt bei 7,80 bis 10,20 EUR je Aktie, angeboten werden bis zu 3.840.000 neue Papiere aus einer Kapitalerhöhung, so dass dem Unternehmen rund 30 bis 40 Mio. EUR zufließen. Zusätzlich bieten Altaktionäre 300.000 Aktien sowie weitere 621.000 Aktien im Rahmen einer möglichen Mehrzuteilungsoption an. Mit der Vermarktung wird umgehend begonnen, die Angebotsfrist läuft vom 17. bis zum 27. April. Am 30. April 2026 soll dann die Börsenglocke für electrovac geläutet werden. Der von der BaFin gebilligte Prospekt ist auf der Website des Unternehmens abrufbar. BankM und Bankhaus Metzler begleiten die Transaktion. Wenn alles plangemäß läuft, kann der Tanz in den Mai bei dem Unternehmen mit Sitz in Niederbayern etwas größer als sonst gefeiert werden.
Ausgefeilte Technologie für gefragte Nischen
Vorstand Dieter Thumfart und der kaufmännische Leiter Rainer Matzka, beide schon lange für electrovac tätig, erläuterten in der Pressekonferenz das Geschäftsmodell. Das Unternehmen mit Hauptsitz im niederbayerischen Salzweg ist ein Hidden Champion, wie er im Buche steht, technologisch fokussiert, in Nischenmärkten erfolgreich. Derzeit sind rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland, Österreich und Thailand tätig. Technologische Kernkompetenz ist die Glas-Metall-Versiegelungstechnik. Die mit diesem Verfahren produzierten hochbelastbaren Kapselungen schützen Elektronikkomponenten in anspruchsvollen Umgebungen vor hohen Temperaturen, Druck, Schmutz oder Feuchtigkeit. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet das 1947 gegründete Unternehmen in zwei Segmenten: „Personal Safety“ umfasst Komponenten für Airbagsysteme und Gurtstraffer, während „Aerospace & Defense“ eine Vielzahl von Lösungen für die zivile und militärische Luftfahrt oder die Satellitentechnik bietet.
Frisches Geld für weiteres Wachstum, Privatanleger willkommen
Der IPO erfolgt nicht etwa aus der Not heraus, sondern aus einer Position der Stärke. Die aktuelle Eigenkapitalquote gibt der Vorstand mit 55 % an. Der Abschluss für das am 31. März beendete Geschäftsjahr 2025/26 soll im Juli veröffentlicht werden, vorab bezifferte das Management den Umsatz mit rund 117 Mio. EUR, die EBIT-Marge mit rund 10 %. Im Vorjahr 2024/25 wurden knapp 100 Mio. EUR Umsatz bei einem EBIT von rund 9 Mio. EUR erzielt. Mittelfristig, also in drei bis fünf Jahren, strebt der Vorstand Erlöse von 150 Mio. EUR an. Die nachhaltige EBIT-Marge sieht er bei 12 %. Den aktuellen Auftragsbestand charakterisierte das Management in der Pressekonferenz als „sehr, sehr gut“, die Book-to-Bill-Ratio liege durchgehend über 1. Die Mittel aus dem Börsengang sollen je zur Hälfte in die beiden großen Segmente investiert werden. Bei Personal Safety wird die Fertigung in Thailand aus- und in China aufgebaut. Im Segment Aerospace & Defence steht der US-Markt im Vordergrund, wo der Vorstand die Übernahme eines passenden Unternehmens im Umsatzvolumen von rund 10 Mio. EUR anstrebt, eine Shortlist von entsprechenden Targets ist bereits erarbeitet.
Derzeit gehört das Unternehmen zu 75 % den Brüdern Christoph und Michael Beutlhauser und zu 25 % Robert Wernsdorfer. Im Zuge des Börsengangs möchten Altinvestoren Anteile umplatzieren, aber weiterhin die Mehrheit behalten. Eine interessante Variante hat sich BankM für Privatanleger ausgedacht: Eine direkte Zeichnungsmöglichkeit auf der Website von electrovac ergänzt die Zeichnung über die Depotbank und die Zeichnungsfunktionalität der Deutschen Börse. Das Management sagt ausdrücklich zu, Privatanleger bei der Emission angemessen zu berücksichtigen.
Fazit
Electrovac ist ein Börsengang, wie man ihn sich wünscht: Ein technologisch führender, fokussierter Mittelständler mit attraktiven Zielmärkten und plausiblen Wachstumsperspektiven. Hier geht es nicht ums Kassemachen von Altaktionären sondern um frisches Geld für den Ausbau des operativen Geschäfts. Dass ein Unternehmen dieser Größe den Prime Standard wählt, unterstreicht die Ambitionen des Managements. Erfreulich auch, dass Privatanleger gezielt als Aktionärsgruppe angesprochen werden. Bei voller Platzierung und Mehrzuteilung errechnet sich ein Börsenwert von rund 144 Mio. EUR. Das entspricht in etwa dem Umsatz, den das Unternehmen in drei bis fünf Jahren erwirtschaften will. Wenn die Dynamik anhält und die Mittel aus dem IPO zügig verwendet werden, sollten es eher drei als fünf Jahre sein. Der Vorstand sieht das Unternehmen „im Wachstumspfad“. Zudem stimmen die Marge und der Cashflow. Die neuen Aktien sind für das Geschäftsjahr 2025/26 dividendenberechtigt. Die Bewertungsspanne ist weder billig noch überzogen. Die Analysten von BankM betonen die starke strategische Positionierung, die Wachstumstreiber und die hohe Kundenbindung. Den fairen Wert sehen sie bei 14,82 EUR je Aktie. Jetzt ist es an den Investoren, ihre Taschenrechner zu zücken.
Autor/Autorin

Oliver Vollbrecht
Oliver Vollbrecht beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Geschäftsmodellen – als freier Journalist, Investor Relations-Manager und -Berater, als Investor und HV-Sprecher für die DSW. Der Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit liegt bei börsennotierten Unternehmen der DACH-Region.





