Bildnachweis: electrovac.

Die electrovac AG, Spezialist für hermetische Glas-Metall-Gehäuse zum Schutz sicherheits- und systemkritischer Elektronik, hat am 31. März die Pläne für den Börsengang bekannt gegeben, der bereits im 2. Quartal 2026 ansteht. Über eine Kapitalerhöhung sollen dem Unternehmen rund 30 Mio. EUR zufließen, ferner soll es eine Umplatzierung geben. Im Rahmen der Angebots- und Zuteilungsstruktur sollen neben institutionellen Investoren insbesondere auch Privatanleger angesprochen werden. Als Bookrunner agieren BankM und Metzler. Von Jenny Gspahn

Dieser Beitrag ist auch in GoingPublic 1/26 erschienen!


Das 1947 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz im niederbayerischen Salzweg beschäftigt rund 550 Mitarbeiter an vier Standorten und beliefert weltweit mehr als 250 Kunden. Electrovac fertigt hermetische Metallgehäuse auf Basis einer Glas-Metall-Versiegelungstechnik (GTMS). Dabei werden Glas und Metall bei rund 1.000 Grad dauerhaft verbunden. Das Glas isoliert stromleitende Pins vom Metallgehäuse und ermöglicht zugleich die sichere Übertragung elektrischer oder optischer Signale. So entstehen gasdichte, hochbelastbare Kapselungen, die empfindliche Elektronik vor Feuchtigkeit, Druck, Temperaturschwankungen, Vibrationen und chemischen Einflüssen schützen. Die Produktpalette reicht von Kleinserien für Spezialanwendungen bis hin zu Großserien – etwa für Airbag-Zünder – mit Stückpreisen ab rund 0,20 EUR bis zu komplexen Hochleistungsgehäusen im Wert von mehreren tausend Euro.

Zwei strategische Kernsegmente

Strategisch konzentriert sich electrovac auf die zwei Bereiche „Personal Safety“ und „Aerospace & Defense“, auf die zusammen rund 2/3 der Umsätze entfallen. Der Bereich Personal Safety umfasst Komponenten für Airbagsysteme und Gurtstraffer. Wachstumstreiber sind eine steigende Sicherheitsdurchdringung in Schwellenländern sowie zusätzliche Anforderungen im Zuge der Elektromobilität, so das Unternehmen. Im Bereich Aerospace & Defense reichen die Anwendungen von ziviler und militärischer Luftfahrt über Satellitentechnik bis hin zu Verteidigungssystemen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs und steigenden europäischen Verteidigungsbudgets verzeichnet das Unternehmen hier eine beschleunigte Nachfrage.

Finanzkennzahlen und Ziele

Im Geschäftsjahr 2024/25 (Geschäftsjahresende 31.3.) erzielte der Konzern 98,2 Mio. EUR Umsatz und ein EBIT von 9,1 Mio. EUR. Die Eigenkapitalquote lag nach Angaben des Unternehmens bei starken 51,1 %. In den ersten neun Monaten 2025/26 lagen die Umsätze bei 85,9 Mio. EUR, das EBIT bei 10,5 Mio. EUR, was einem Umsatzplus von rund 21 % und einer EBIT-Marge von 12,2 % entspricht. Für das Gesamtjahr (31.3.26) könnte man somit auf rund 115 Mio. EUR Umsatz und ein EBIT in Höhe von rund 14 Mio. EUR hochrechnen. Mittelfristig, d.h. über einen Zeitraum von 3-5 Jahren, strebt electrovac einen Umsatz von rund 150 Mio. EUR an, wie uns CEO Dieter Thumfart im Interview erläuterte. Gerade der Defense-Bereich nehme hier eine Schlüsselrolle ein und könnte nach eigenen Schätzungen überproportional wachsen.

Marktposition und Mittelverwendung

Nach internen Schätzungen liegt der globale Marktanteil im Kerngeschäft bei rund 27 %. Hohe regulatorische Anforderungen, langjährige Kundenqualifizierungen und enge Lieferbeziehungen schaffen erhebliche Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber, so das Unternehmen. Der Nettoerlös aus der Kapitalerhöhung soll überwiegend in den Kapazitätsausbau fließen. Rund die Hälfte ist für Personal Safety vorgesehen, darunter die Erweiterung des Standorts Thailand und eine Endfertigung in China – dies mit einem „Low-Risk-Ansatz“. Ferner soll in Aerospace & Defense investiert werden, einschließlich neuer Kapazitätenin Europa und den USA, auch vor dem Hintergrund besserer Lieferfähigkeit.

Privataktionäre als wichtige Säule

Im Rahmen des Emissionskonzepts sollen auch Privatanleger die Chance auf Zuteilungen erhalten. „Wir sind überzeugt, dass Privatinvestoren ein tragender Pfeiler von börslichen Finanzierungen sein können, wenn sie fair und transparent in das Emissionsgeschehen eingebunden werden“, so Thomas Stewens, Vorstand der emissionsbegleitenden BankM. „Eine hochwertige, offene und transparente Kommunikation und eine Zuteilung, die dem individuellen Budget sowie dem betriebenen Aufwand des Investors gerecht werden, sind unser Beitrag zum Gelingen dieser Mission.“

Fazit

Mit technologischer Spezialisierung, hohen Eintrittsbarrieren und klaren Wachstumsfeldern positioniert sich electrovac als Nischenanbieter in strukturell wachsenden Märkten, auch wenn der Umsatz derzeit erst bei rund 100 Mio. EUR liegt. Das Geschäftsmodell sollte durch die aktuelle Verteidigungskonjunktur beflügelt werden. Das Unternehmen verspricht bereits in ihrer ersten Veröffentlichung zum Börsengang ein attraktives Finanzprofil mit starker Cash-Generierung und eine langfristig orientierte Dividendenpolitik. Die GoingPublic Redaktion freut sich auf den nächsten Börsenneuling des Jahres 2026 und hofft auf ein moderates Pricing beim Börsengang, der dem Vernehmen nach bereits im April/Mai anstehen könnte.

„Wir wollen unsere globale Marktstellung weiter ausbauen“

Interview mit Dieter Thumfart, CEO der electrovac AG

GoingPublic: Herr Thumfart, vielleicht erzählen Sie uns kurz, was electrovac macht und warum Ihr Geschäft derzeit besonders spannend ist.

Thumfart: electrovac stellt hermetische Metallgehäuse für Elektronik her, also Gehäuse, die gas- und vakuumdicht sind. Sie schützen Elektronik zuverlässig vor Umwelteinflüssen wie Temperaturschwankungen, Vibrationen oder Feuchtigkeit. Unsere Kerntechnologie basiert auf der Glas-Metall-Verbindung: Glas dient als Isolator, metallische Durchführungsstifte transportieren den Strom. Wir fertigen Produkte, die vom kostengünstigen Standardgehäuse für wenige Cent bis zu High-End-Lösungen für mehrere Tausend Euro pro Stück reichen. Unsere beiden strategischen Geschäftsfelder sind „Personal Safety“ und „Aerospace & Defense“. Während wir im Bereich Personal Safety seit über zehn Jahren stark positioniert sind, hat Aerospace & Defense gerade in den letzten Jahren ein deutlicheres Wachstum verzeichnet. Wir sind in beiden Bereichen
gut positioniert, um die Wachstumschancen in den kommenden Jahren zu ergreifen.

Wie verteilen sich Ihre Umsätze und wie sehen Ihre Wachstumspläne aus?

Im Geschäftsjahr 2024/2025 (Geschäftsjahresende 31.3.) erzielten wir rund 100 Mio. Euro Umsatz. Knapp 43 % entfallen auf Personal Safety, insbesondere Airbag-Zünder. Über 20 % stammen aus Aerospace/Defence. Der Rest verteilt sich auf Industrieanwendungen und „Other Mobility“, also zum Beispiel Sensorik und Medizintechnik. Mittelfristig, also in drei bis fünf Jahren, streben wir rund 150 Mio. Euro Umsatz an. Das stärkste Wachstum erwarten wir im Bereich Aerospace & Defense.

Wie sieht die Aktionärsstruktur vor und nach dem Börsengang aus?

Unsere Aktionärsstruktur besteht aus drei langjährigen Investoren mit industriellem Hintergrund. Im Zuge des Börsengangs ist neben der Kapitalerhöhung, die uns rund 30 Mio. EUR Wachstumskapital einbringen soll, eine Umplatzierung geplant. Die Mehrheitsanteile sollen aber auch nach dem Börsengang bei den bisherigen Eigentümern verbleiben.

Wie wollen Sie die Mittel aus dem Börsengang einsetzen?

Etwa die Hälfte soll in den Bereich Personal Safety fließen, insbesondere in unser Werk in Thailand sowie eine Endfertigung in China, um lokale Anforderungen zu erfüllen. Die andere Hälfte wollen wir in den Bereich „Aerospace & Defense“ investieren, um sowohl das Wachstum in Europa zu unterstützen, als auch den USMarkt zu erschließen. Eine lokale Fertigung in den USA wird notwendig werden, da unsere dortigen Kunden darauf drängen und nur so stärkeres Wachstum möglich wird.

Welche Vision treibt Sie an?

Wir wollen weiter wachsen und uns noch internationaler aufstellen. Unser Fokus liegt auf strategischer Nähe zu Kunden, kontinuierlicher Innovation sowie der Expansion in Schlüsselmärkte wie, neben Europa, auch die USA und China. Dabei wollen wir stets auf die Balance zwischen Wachstum, Risikomanagement und nachhaltiger Unternehmensentwicklung achten.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Das Interview führten Markus Rieger und Jenny Gspahn.

 

Zum Interviewpartner

Dieter Thumfart, CEO electrovac AG || Foto: electrovac

Dieter Thumfart ist CEO der Electrovac AG und ein erfahrener Geschäftsführer in den Bereichen Elektronik und Automobilzulieferindustrie. Seit 2018 leitet er das Unternehmen mit Fokus auf nachhaltiges Wachstum, technologische Exzellenz und konsequente Kundenorientierung. Zuvor war er unter anderem als Technical Director tätig und verfügt damit über langjährige operative und strategische Erfahrung innerhalb der Electrovac-Gruppe.

Autor/Autorin

Content Managerin at GoingPublic Media AG

Jenny Gspahn ist Content Managerin für die Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um den Aktienmarkt, aktuelle Börsengänge sowie alle Aspekte rund um die Börsennotiz von Unternehmen.

Vorstand at GoingPublic Media AG

Markus Rieger ist Gründer und Vorstand der GoingPublic Media AG. Als „Brückenbauer“ zwischen Unternehmen und Investoren gehört er auch zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de) und ist gelegentlich als Autor von Analysen und Beiträgen tätig.