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Der DVFA hat in der Monatsfrage nachgefragt, wie die Mitglieder zu SPACs stehen. Drei Viertel der Befragten würden grundsätzlich nicht in die aktuell gehypten Börsenmäntel investieren.

Der Berufsverband der Investment Professionals (DVFA) hat seine Mitglieder befragt, wie sie zu SPACs (Special Purpose Acquisition Company) als Anlageform stehen. Anlass der aktuellen Befragung ist das steigende Emissionsvolumen in den USA, wo SPACs inzwischen sogar die Zahl regulärer IPOs übertroffen haben.

2020 hat es in den USA knapp 250 SPAC-Börsengänge gegeben. 72% der DVFA Investment Professionals haben grundsätzlich nicht vor, in SPACs zu investieren, 28% würden darin anlegen.

Zur Entwicklung europäischer SPACs

In Europa ist mit „Lakestar“ der erste SPAC an der Frankfurter Börse im Handel gestartet. Der nach Europa kommende Wall-Street-Trend werde sich festigen, davon geht die Mehrheit der DVFA Investment Professionals aus. 65% der Befragten meinen, dass es in Zukunft mehr SPACs auch am deutschen Kapitalmarkt geben wird. 14% teilen diese Auffassung nicht, 21% geben keine Einschätzung ab.

Auswirkungen auf den Markt

Weiter wurde gefragt, ob die Zunahme ein Zeichen für die Überhitzung des Marktes sein könnte. Dies bejahen 62%, 19% glauben dies nicht, weitere 19% wissen es nicht einzuschätzen.

Zahlreiche Befragungsteilnehmer kommentierten, dass die bloße Anzahl an SPAC-Listings kein negativer Indikator sein müsse. Ausschlaggebend dürfte werden, welche Zielfirmen durch SPACs erworben werden und inwiefern deren Performance den Erwartungen der Investoren entspricht. Grundsätzlich ist zu beobachten, dass offensichtlich ausreichend gut aufgestellte Kandidaten als Übernahmeziele vorhanden sind. Bewertungen werden durch die Erweiterung des Käuferumfelds nicht weniger herausfordernd.

US-SPACs und europäischer IPO-Markt

Auf die Frage, ob sie den europäischen IPO-Markt von den Entwicklungen in den USA tangiert sehen, ergab sich hingegen ein sehr differenziertes Meinungsbild. Für „Ja, moderat“ votieren 24%. 36% meinen „vielleicht“ und 37% „Nein“. Nur 3% sehen hier eine starke Beeinflussung.

Struktur europäischer und amerikanischer SPACs

In der Praxis gibt es offensichtlich in den USA strukturelle Vorteile für SPACs im Vergleich zu einer Notiz in Europa. Während US-SPACs den Anlegern die Möglichkeit geben, ihre Anteile zurückzugeben, wenn ihnen eine geplante Akquisition nicht gefällt, sind sie bei den in Europa notierten SPACs typischerweise dazu verpflichtet, sich zu beteiligen.

Noch ein Problem besteht darin, dass der Handel bei europäischen SPACs oft nach der Vereinbarung einer Übernahme bis zu deren Abschluss ausgesetzt wird, so dass Investoren temporär illiquide Assets haben.

Gefragt wurde, ob die europäische Struktur auch künftig beibehalten werden soll. Eine Mehrheit von 56% plädiert dagegen, 17% der Befragten sprechen sich für Beibehaltung der Struktur aus. Knapp ein Drittel ist sich unschlüssig in der Einschätzung.

„Die Entwicklung der SPACs in Europa hängt sicher vom Marktumfeld und der formalen Ausgestaltung ab. Wir werden wohl einen Anstieg bei dem – übrigens nicht neuen – Investment sehen, auch wenn eine Mehrheit die Anlage im Moment noch nicht im Fokus hat“, meint Christoph Schlienkamp, stv. Vorstandsvorsitzender des DVFA.

Die DVFA Monatsfrage wendet sich an die 1.400 Mitglieder des Verbandes und widmet sich Themen, die in der Finanzbranche diskutiert werden. Die Ergebnisse der Umfrage werden regelmäßig an jedem zweiten Dienstag im Monat veröffentlicht.

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)