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Unterm Strich war 2015 ein erfolgreiches Börsenjahr: Rund 8% legte der DAX bis Mitte Dezember zu und erreichte zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch von deutlich über 12.000 Punkten. Ein Wert, der – zweifelsfrei von der Geldpolitik der EZB getrieben – auch fundamental gerechtfertigt erscheint. Doch der nochmalige Anstieg der Volatilität belegt, dass Fundamentaldaten für die Marktbewegungen eine immer mehr untergeordnete Rolle spielen. Das ist Missstand und Chance zugleich.

Axel Rose, BankM
Axel Rose, BankM

Es hätte alles ganz anders kommen sollen: Als EZB-Chef Mario Draghi am 3. Dezember vor die Kameras trat, waren die Erwartungen hoch. Die Mehrheit rechnete nicht nur mit einer Verlängerung des Anleihekaufprogramms, sondern auch mit einer deutlichen Aufstockung des Volumens bis hin zu einer Verdopplung. Entsprechend groß war hinterher die Enttäuschung. In Zahlen ausgedrückt betrug diese Enttäuschung 700 Punkte – etwa so viel verlor der deutsche Leitindex DAX vom Tag der EZB-Entscheidung bis zum Abend des 10. Dezember (Redaktionsschluss). Ein Rückgang um rund 6,5% und der Anfang vom Ende der erhofften Jahresendrally.

Volatilität Normalzustand

Dieser Schlussakkord in Moll trübt natürlich den Rückblick auf das Börsenjahr 2015. Ein Jahr, das noch stärker als  2014 ein Jahr der Volatilität war. Ob tägliche Schwankungen zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs, zwischen Höchst- und Tiefstkurs, absolute Kursspanne im Jahresverlauf oder ganz simpel der VDAX-New, das deutsche Angstbarometer, das die Kursausschläge abbildet, mit denen Anleger beim DAX auf 30-Tage-Sicht rechnen: Überall war 2015 ein signifikanter Anstieg zu beobachten. Ein Phänomen, das nicht auf den DAX beschränkt ist: 14 Tage in Folge betrug die Innertagesspanne beim Standard & Poor’s 500 Anfang Januar mehr als 1% und der Dow Jones bewegte sich nicht nur zu Jahresbeginn an über 60% der Handelstage um mindestens 100 Punkte.

Doch Volatilität muss nichts Negatives sein: Vielmehr stellen Kurskorrekturen speziell im Verlauf von Bullenmärkten häufig gesunde Verschnaufpausen dar, die die Weichen für den nächsten Aufwärtstrend stellen. Gerade vor dem Hintergrund, dass es unverändert keine echten Alternativen zu Aktien gibt. So war 2015 unter dem Strich durchaus ein erfolgreiches Börsenjahr: Rund 8% legte der DAX bis zum oben genannten Stichtag zu und erreichte Mitte April zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch von deutlich über 12.000 Punkten. Auch daran war die EZB übrigens nicht ganz unbeteiligt, fielen doch die Entscheidung für milliardenschwere Anleihekäufe im Januar sowie der Start des Programms im März in die Aufwärtsphase. Doch auch aus fundamentaler Sicht war der Kursanstieg nicht übertrieben, wie ein Blick auf durchschnittliche Bewertungsrelationen wie Dividendenrendite, KGV oder KBV zeigt.

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