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Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass man heute bezüglich Griechenlands zweifellos von einer Insolvenzverschleppung sprechen kann. Als Insolvenzverschleppung wird die Nichtantragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bezeichnet. Egal welche Maßnahmen uns jetzt von der griechischen Regierung präsentiert werden, Griechenland ist so pleite, dass es niemals mehr ohne einen Schuldenschnitt auf die Beine kommt. Von Marc Friedrich und Matthias Weik

Die Staatsverschuldung ist heute höher wie vor dem letzten Schuldenschnitt. Sollten wir weitere Gelder „genehmigen“, werfen wir gutes Geld schlechtem hinterher. Wir werden zweifellos das Geld nie wieder sehen. Uns sollte allen klar sein, dass Griechenland niemals seine Schulden bezahlen wird, wenn selbst Deutschland als Exportweltmeister in Jahren mit Rekordsteuereinnahmen keinen Cent seiner Schulden zurückbezahlt.

Industrieproduktion auf dem Stand von 1983
Statt den Kapitalismus wirken zu lassen und das Land endlich mit einem Schuldenerlass und einem Euroaustritt zu erlösen, wird an der bitteren und nachweislich gescheiterten Rettungsmedizin festgehalten – und das obwohl alle Indizien dafür sprechen, dass die Medizin die letzten Jahre nicht gewirkt hat. Die Staatsverschuldung und die Arbeitslosenzahlen sind noch immer auf Rekordniveau. Über drei Millionen Griechen haben keine Krankenversicherung und sind komplett aus dem System gefallen. Die Verelendung und Verarmung ist beispiellos.

Die Industrieproduktion befindet sich auf dem Stand von 1983! Gibt es eigentlich eine Steigerung von Pleite? Der deutsche Bundestag hat mit großer Mehrheit der Griechenland-Hilfe zugestimmt und das obwohl 75% der deutschen Wähler dagegen sind. Mut macht, dass es anscheinend noch 32 Realisten im Bundestag gibt und diese dagegen gestimmt haben. Dies war eine rein politische, aber leider keine sinnvolle und ökonomische Entscheidung. Wir sind sicher, dass wir über kurz oder lang wieder über die gleichen Probleme sprechen werden, sich Griechenlands Situation nicht verbessern wird und es weitere Gelder benötigen wird. Ganz nach dem Motto: Nach der Rettung ist vor der Rettung.

Anstelle andauernd den Euro und die Banken und Märkte zu retten, sollte man endlich die Menschen retten. Aus diesem Grund:

Marshallplan 2.0
Griechenland muss sofort aus dem Euro austreten und seine eigene souveräne Währung einführen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Dann benötigt Hellas einen Schuldenerlass und im Anschluss einen Marshallplan wie Deutschland nach dem 2. Weltkrieg, um wieder eine wertschöpfende Industrie aufzubauen. Dieser muß an strukturell, tiefgreifende Reformen geknüpft sein. Dieses Geld würde dann tatsächlich in das Land fließen, dort wirken und den Menschen dienen und nicht in der Finanzbranche versickern. Nur damit können wir die europäische Idee retten, wirklich helfen und uns solidarisch mit den notleidenden Menschen in Griechenland zeigen.

Innerhalb der Eurozone und des Zinskorsetts der EZB wird das Land niemals gesunden. Im Übrigen auch nicht Portugal, Italien, Frankreich und Spanien.

Armutswelle rollt auf Europa zu
Der Euro ist gescheitert und das nachweislich gescheiterte Währungsexperiment muß nun endlich ad acta gelegt werden, bevor die Kollateralschäden sich weiter potenzieren. Die Heilung wird nicht ohne Schmerzen einhergehen, aber nur so können wir das Land vor dem sicheren volkswirtschaftlichen Exodus retten. Nochmals müssen wir erinnern, dass Währungsunionen immer zum Scheitern verurteilt sind und wir erleben dieses Scheitern momentan live und in erster Reihe.

Problem ist nur, dass wir dafür auch zahlen werden. Nicht nur monetär. Der gesellschaftliche Schaden und die tickende, politische Zeitbombe durch extreme Parteien sind nicht abzuschätzen. Die Vergangenheit sollte uns eine deutliche Warnung sein. Schon jetzt ist die Bilanz der Wertegemeinschaft und des Euros absolut verheerend und eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen und fatalen, falschen politischen Entscheidungen: Etliche Länder sind volkswirtschaftlich gesehen auf dem Niveau von vor 20–30 Jahren, Millionen Menschen sind ohne Arbeit, ohne Perspektive und ohne adäquate Altersvorsorge. Es wird eine Altersarmutswelle auf Europa zukommen, die jegliche Vorstellungskraft übersteigt und niemand stemmen kann.

Nach der Rettung ist vor der Rettung
In ein paar Monaten wird Griechenland wieder vor dem Trümmerhaufen der Rettungsorgie stehen und unser Parlament muss dann abermals über Griechenland abstimmen. Werden die Abgeordneten wieder Herrn Schäuble & Co glauben oder werden sie bei der nächsten Abstimmung endlich nach ihrem Gewissen und den Fakten entscheiden und ihm und der keineswegs zielführenden Rettungspolitik die rote Karte zeigen und dem teuren Wahnsinn ein Ende bereiten?

Zu den Autoren
Die beiden Ökonomen, Querdenker und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte – Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt. Das Buch ist seit elf Monaten auf allen relevanten Bestsellerlisten vertreten und war 2014 eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher.

Weblink: www.friedrich-weik.de

Lesen Sie den Beitrag auch im aktuell erschienenen GoingPublic Magazin 5.

Über den Autor

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