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Langsam zieht der Herbst ein – und auch an der Börse könnte es ein goldener werden. Nach einem eher verhaltenen Sommer kommt wieder Bewegung in die IPO-Pipeline. Einige Kandidaten haben ihre Vorbereitungen bereits weit vorangetrieben und warten nur noch auf das passende Marktfenster, andere bringen sich für einen späteren Börsengang in Stellung. Gleichzeitig sorgen verschobene IPOs und ambitionierte Carve-outs für neue Dynamik. Ob daraus tatsächlich ein heißer Börsenherbst wird, hängt nicht zuletzt von Marktumfeld, Bewertungen und Investoreninteresse ab.
Dieser Beitrag ist auch in GoingPublic 3/26 erschienen!
Weiter auf der IPO-Agenda: AUTODOC
Nachdem der geplante Börsengang zunächst nicht zustande gekommen war, wurde es ruhiger um die Kapitalmarktambitionen des Unternehmens. In den vergangenen Monaten hat AUTODOC jedoch wieder verstärkt auf sich aufmerksam gemacht. Im Juli gab das Unternehmen erstmals die Aufnahme institutionellen Fremdkapitals bekannt. Unter anderem wurde ein Senior Secured Term Loan B mit einem Volumen von 530 Mio. EUR erfolgreich platziert. Gleichzeitig wurde mit der AUTODOC Holding SE eine neue Gesellschaft oberhalb der AUTODOC SE geschaffen. Das aufgenommene Kapital wurde vor allem für den Rückkauf der Anteile von Apollo verwendet. Der Finanzinvestor war 2024 als Minderheitsaktionär bei AUTODOC eingestiegen und sollte das Unternehmen unter anderem beim Aufbau kapitalmarktfähiger Strukturen unterstützen. Über die AutoTech GmbH & Co. KG befindet sich AUTODOC nun wieder vollständig im Besitz der Gründer Alexej Erdle, Max Wegner und Vitalij Kungel. Auch operativ läuft es rund: Im ersten Halbjahr überschritt AUTODOC erstmals die Umsatzmarke von 1 Mrd. EUR. Die Erlöse stiegen um 12,8 %, das bereinigte EBITDA legte um 13,7 % auf 91,9 Mio. EUR zu. Der Nettogewinn erhöhte sich von 24,4 Mio. EUR auf 48 Mio. EUR.
Dass ein Börsengang weiterhin auf der Agenda steht, hat AUTODOC sowohl öffentlich als auch im Gespräch mit GoingPublic bestätigt (siehe „Unicorns auf Börsenkurs“, S. 22)
Weg frei für TK Accelis
Auf der außerordentlichen Hauptversammlung von Thyssenkrupp stimmten die Aktionäre am 7. August der Abspaltung der Materialsparte zu. 49 % der künftigen TK Accelis Group AG & Co. KGaA sollen an die Thyssenkrupp-Aktionäre gehen, 51 % verbleiben beim Konzern. Für je 20 Thyssenkrupp-Aktien erhalten die Anteilseigner eine Aktie der neuen Gesellschaft. Mit der Abspaltung treibt Thyssenkrupp den Umbau zur Finanzholding weiter voran. Nach der Verselbstständigung von TKMS folgt damit der nächste große Schritt. Die Börsennotierung von TK Accelis im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse könnte bereits Ende Oktober erfolgen. Anders als bei einem klassischen IPO werden dabei keine Aktien öffentlich angeboten, sondern die Anteile im Zuge der Abspaltung den bestehenden Thyssenkrupp-Aktionären zugeteilt.
Operativ bringt die Materialsparte einiges an Gewicht mit: Rund 15.500 Mitarbeiter sind an etwa 400 Standorten beschäftigt. Im Geschäftsjahr 2024/2025 erwirtschaftete TK Accelis einen Umsatz von 11,4 Mrd. EUR und ein bereinigtes EBIT von 132 Mio. EUR. Mittelfristig strebt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge ein jährliches Umsatzwachstum von mehr als 4 % sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 4 bis 5 % an. Auch erste Anhaltspunkte für die Bewertung gibt es bereits. Analysten von Jefferies und Bank of America taxieren den Enterprise Value von TK Accelis auf rund 3,6 respektive 3,5 Mrd. EUR.
Börsengang von Magirus?
Für den Herbst hat die Beteiligungsgesellschaft Mutares spannende Exits in Aussicht gestellt. Wer deren Meldungen aufmerksam verfolgt, könnte dabei bereits einen Kandidaten ausmachen, bei dem der Ausstieg möglicherweise an die Börse führt. Die Rede ist vom Feuerwehrfahrzeughersteller Magirus. Dass ein Börsengang grundsätzlich infrage kommt, machte Mutares bereits öffentlich. Der Private Equity Investor kündigte an, einen strukturierten Prozess zur Prüfung verschiedener Exit-Optionen einzuleiten – ausdrücklich einschließlich eines möglichen IPO. Interessant ist Magirus dabei nicht nur aufgrund seines traditionsreichen Kerngeschäfts mit Feuerwehr- und Spezialfahrzeugen. Das Unternehmen richtet sich zunehmend in Richtung Defense & Security aus. Mit der Übernahme des österreichischen Spezialfahrzeugherstellers Achleitner Fahrzeugbau im Oktober 2025 und dessen Umfirmierung in Magirus Defense Systems wurde das Portfolio um Verteidigungsfahrzeuge und Systemlösungen erweitert. Damit entwickelt sich Magirus vom klassischen Feuerwehrfahrzeughersteller stärker zu einem Anbieter von Lösungen für Security- und Defense – und positioniert sich damit in einem Markt, der derzeit von steigenden Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben profitiert.
Auch operativ hat Magirus zuletzt überzeugt. Der Umsatz stieg 2025 von rund 276 Mio. EUR auf rund 336 Mio. EUR. Gleichzeitig verringerte sich der bereinigte Verlust auf EBIT-Basis deutlich von 40 Mio. EUR auf 12 Mio. EUR. Im laufenden Jahr setzte sich die Entwicklung fort: Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 30%. Für das Gesamtjahr erwartet Magirus inzwischen einen Umsatz von mehr als 400 Mio. EUR. Für zusätzliche Planungssicherheit sorgt der hohe Auftragsbestand. Ende Mai lag dieser wohl bereits bei mehr als 880 Mio. EUR, Anfang August überschritt er schließlich die Marke von 1 Mrd. EUR. Damit bringt das Unternehmen einiges mit, was Anlegern Appetit machen könnte: Wachstum, eine tolle Turnaround-Story, bekannte Marke, hoher Auftragsbestand sowie ein Fuß in der Tür im wachsenden Defense- und Security-Markt.
BASF Agrar
Wenn dieser Sommer eines gezeigt hat, dann, wie sehr Klimaveränderungen und Wetterextreme die Landwirtschaft unter Druck setzen können. Damit rücken auch Technologien für effizientere und widerstandsfähigere Ernten stärker in den Fokus. BASF will dieses Umfeld nutzen und seiner Agrarsparte künftig mehr Eigenständigkeit geben – inklusive eines möglichen Börsengangs. Der Chemiekonzern befindet sich seit Längerem in einem weitreichenden Umbau. Konzernbereiche sollen eigenständiger aufgestellt und stärker an ihren jeweiligen Märkten ausgerichtet werden. Besonders weit fortgeschritten sind die Pläne bei den „Agricultural Solutions“. BASF hat für die Sparte bereits einen konkreten Fahrplan vorgelegt: Bis 2027 soll die rechtliche Verselbstständigung abgeschlossen und die Börsenreife erreicht sein. Ein Börsengang wäre anschließend möglich.
Auch personell werden dafür die Voraussetzungen geschaffen. Agricultural Solutions wird bereits von einem eigenen Management geführt. An der Spitze stehen Livio Tedeschi und der ehemalige Uniper-CFO Sascha Bibert, der die finanziellen Voraussetzungen für die Verselbständigung und einen möglichen Kapitalmarktauftritt mitgestalten soll. Die Sparte zählt mit Pflanzenschutz, Saatgut und digitalen Agrarlösungen zu den bedeutenden Geschäften des BASF-Konzerns und kommt im Jahr 2025 auf einen Jahresumsatz von 9,6 Mrd. EUR, im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 3,1 Mrd. EUR. Die Richtung ist damit klar: BASF will Agricultural Solutions stärker als eigenständiges Unternehmen positionieren und dessen Wert am Kapitalmarkt sichtbarer machen. Bei einem möglichen IPO will BASF Mehrheitsaktionär bleiben. Damit könnte der Konzern gleich mehrere Ziele verfolgen: Der eigenständige Marktwert des Agrargeschäfts würde transparenter, während ein erfolgreicher Börsengang zugleich dazu beitragen könnte, den Konglomerats Abschlag der BASF-Aktie zu verringern. Gleichzeitig bliebe BASF über die Mehrheitsbeteiligung an der weiteren Entwicklung sowie an Ertragskraft und Cashflow der Sparte beteiligt.
Kurz & Knapp+++++ Helios Solar: Der Börsengang ist durch: Seit dem 28. Juli notiert der Solarprojektentwickler im General Standard in Frankfurt. Der erste Börsenkurs lag bei 4,15 EUR. +++++ KNDS: Aufgeschoben ist vielleicht doch nicht aufgehoben? Nach Verschiebung des geplanten Dual Listings in Paris und Frankfurt hat der Rüstungskonzern Medienberichten zufolge Ende August die Investorengespräche wieder aufgenommen. +++++ Bitpanda: Der Kryptobroker tritt bei seinen Börsenplänen vorerst auf die Bremse. Eine finale IPO-Entscheidung sei noch nicht gefallen; zuvor war ein Börsengang 2026 bei einer Bewertung von 4 bis 5 Mrd. EUR im Gespräch. +++++ Nexum Group: Über den Börsenmantel der Creditshelf AG hat Nexum den Weg an die Börse vollzogen. Die Hauptversammlung beschloss inzwischen die Umfirmierung in Nexum Group AG und die Neuausrichtung der Geschäftstätigkeit. (siehe GoingPublic 2/26) +++++ Innok Robotics: Der Robotikspezialist aus Regenstauf soll bald an der Börse Düsseldorf debütieren nach Einbringung in die Mantelgesellschaft Yggdrasil SPAC 1 AG von Initiator Werner Weiß, über die GoingPublic mehrfach berichtete. Ein Gutachten beziffert den Wert der Gesellschaft auf rund 95 Mio. EUR. Nächster Schritt: Die Yggdrasil-Hauptversammlung muss am 21. Oktober noch zustimmen. +++++ |





