Seit Ende vergangener Woche befinden sich die Aktien des Ladesäulenanbieters Compleo Charging Solutions in der Zeichnung. Erster Handelstag soll der 21. Oktober sein.

Angebot

Der Ladesäulenspezialist Compleo Charging Solutions hat die Preisspanne für den geplanten Börsengang an der Frankfurter Wertpapierbörse auf 44 bis 59 EUR je Aktie festgelegt. Die Zeichnungsfrist endet voraussichtlich am 19. Oktober.

Der Pressemitteilung zufolge planen die Dortmunder durch die Ausgabe von 900.000 Aktien im Rahmen des IPOs ein Emissionsvolumen von bis zu 53,1 Mio. EUR aus einer Kapitalerhöhung zu generieren. Dabei umfasst das Angebot neben diesen 900.000 Aktien aus der Kapitalerhöhung bis zu 180.000 Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Darüber hinaus können von den bisherigen Aktionären weitere bis zu 576.000 Aktien über die Ausübung einer Aufstockungsoption sowie über eine mögliche Mehrzuteilung zur Verfügung gestellt werden. Das gesamte Volumen läge summa summarum bei bis zu 97,7 Mio. EUR.

Für alle übrigen bestehenden Aktien hat sich das Unternehmen zu einer Lock-up-Periode von sechs Monaten, die bestehenden Aktionäre zu einer Lock-up-Periode von zwölf Monaten verpflichtet. „Wir sind von den langfristig positiven Perspektiven überzeugt und bereits heute auch im Vorstand und Aufsichtsrat entsprechend an Compleo beteiligt. Auch nach dem Börsengang werden alle Altaktionäre weiterhin signifikant in Compleo investiert bleiben“, erläutert uns Co-CEO und CFO Georg Griesemann.

Je nach festgelegtem Ausgabepreis käme das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung zwischen 151 und 202 Mio. EUR mit einem Streubesitz von max. 48%.

Der erste Handelstag im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 21. Oktober geplant. Im Zusammenhang mit dem Börsengang agiert die Commerzbank als Sole Global Coordinator und zusammen mit ODDO BHF als Joint Bookrunners.

Erlösverwendung

Den größten Teil der Nettoerlöse aus dem Angebot will das Unternehmen für die Erweiterung seiner Produktkapazitäten verwenden, also für die Expansion an neue Standorte für Produktionsanlagen, Firmenzentrale und Forschungs- und Entwicklungszentren und Testeinrichtungen. Möglichst bis zum Jahresende soll ein neuer Standort im Raum Dortmund gefunden sein.

Darüber hinaus beabsichtigt die Gesellschaft, einen bedeutenden Teil der Erlöse für die Expansion in der Europäischen Union zu verwenden, wo das Unternehmen aufgrund der regionalen Nähe sowie der Marktreife und des Marktvolumens die Benelux-Länder, die nordischen Länder, Frankreich, Italien, die Schweiz, Polen und Österreich als potenzielle Zielmärkte identifiziert hat.

„In der europäischen Gesellschaft wächst das Bewusstsein für Umwelt-, Gesundheits- und Klimaschutz durch emissionsärmere Transportmittel. Dies spiegelt sich auch in der zunehmenden Popularität von Elektrofahrzeugen wider, die in den kommenden Jahren weiter zunehmen dürfte“, meint Co-CEO und CTO Checrallah Kachouh. „Mit Compleo wollen wir die Chancen in diesem attraktiven Wachstumsmarkt nutzen“, ergänzt Griesemann.

Markt und Umfeld

Spätestens seit den Fridays-for-Future-Aktionen ist der Klimaschutz ein absolutes Trendthema, dem sich die Politik inzwischen angenommen hat. Bis 2050 soll die in Deutschland erzeugte und verbrauchte Elektrizität komplett grün und klimaneutral sein. Die Europäische Union plant eine deutliche Anhebung der Klimaziele und will ihren CO2-Ausstoß bis 2030 nicht wie bisher geplant um 40% senken, sondern um 55%. Selbst China kündigte vor wenigen Wochen erstmals an, bis zum Jahr bis zum Jahr 2060 komplett klimaneutral zu werden.

Der Ausbau der Elektromobilität scheint einer der wichtigsten Bausteine, um nationale und internationale Klimaziele erreichen zu können. Der Europäischen Union zufolge sind Automobilabgase für rund 12 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich, weshalb der Ausbau der Elektromobilität in vielen europäischen Ländern derzeit politisch und finanziell massiv gefördert wird. Einer Studie der belgischen Transport & Environment von Anfang dieses Jahres zufolge soll sich die Anzahl der Elektroautos auf Europas Straßen daher bis 2025 auf rund 13 Mio. Fahrzeuge gegenüber 2019 verzehnfachen, 2030 könnten es sogar bereits 33 Mio. Fahrzeuge sein.

Kritischer Faktor für die Marktdurchdringung der Elektromobilität ist allerdings der Aufbau einer ausreichenden Ladeinfrastruktur, der mittlerweile immer mehr Fahrt aufnimmt. In der angesprochenen Studie werden die diesjährigen Investitionen in die öffentliche Ladeinfrastruktur in Europa auf 600 Mio. EUR geschätzt. Per 2025 sollen die jährlichen Investitionen bereits bei 1,8 Mrd. EUR liegen und im Jahr 2030 ein Volumen von 2,9 Mrd. EUR erreichen. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der öffentlichen Ladepunkte für Elektrofahrzeuge wider, die im Jahr 2017 europaweit noch bei 132.000 und Ende des vergangenen Jahres bei 175.000 lag. In den nächsten fünf Jahren soll das Ladenetz auf 1,2 Mio. und bis 2030 auf 2,2 Mio. Ladepunkte ausgebaut werden.

Für Compleo als Technologie- und Innovationstreiber für Ladelösungen bieten sich in diesem Marktumfeld ausgezeichnete Wachstumsmöglichkeiten. „Die Umwandlung in eine AG ist für uns ein wichtiger Meilenstein in der Ausrichtung unseres Unternehmens. Sie gibt uns noch mehr Flexibilität, um unsere Wachstumspläne in der gebotenen Geschwindigkeit zu realisieren – sowohl finanzierungsseitig als auch organisatorisch“, so Griesemann. Und: „Künftig wollen wir uns noch stärker als führender Anbieter von technologisch anspruchsvollen AC- und DC-Ladelösungen für Elektrofahrzeuge positionieren, sowohl was die Produktentwicklung betrifft als auch bei der Expansion in weitere europäische Märkte.“

Das große Marktpotenzial lässt sich auch in der sehr dynamischen Geschäftsentwicklung von Compleo ablesen: Das Unternehmen konnte bereits im ersten Halbjahr 2020 in etwa die Erlöse des Gesamtjahres 2019 erreichen. In Deutschland sind aktuell rund 22.000 Compleo-Ladepunkte Teil der städtischen Ladeinfrastruktur, vor allem in Großstädten wie Berlin, Essen, Frankfurt oder München. Mittlerweile sind die Ladestationen aus Dortmund in anderen europäischen Ländern wie Belgien, Dänemark und den Niederlanden auf dem Vormarsch. Compleo plant, sein Produktportfolio auch künftig zu erweitern, um so Marktpotenziale in ganz Europa zu nutzen.

Compleo – Zahlen und Bewertung
2018 2019 2020e
Umsatz *) 13,5 15,2 32,0
Nettoergebnis *) -0,7 -2,6 -1,8
EpS -0,20 -0,76 -0,53
KGV min. neg. neg. neg.
KGV max. neg. neg. neg.
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research

Zahlen und Bewertung

„Wir sind bereits auf einem klaren Wachstumskurs und haben in diesem Jahr nach nur sechs Monaten mit einem Umsatz von 14,3 Mio. EUR fast das Umsatzniveau des Gesamtjahres 2019 erreicht, als wir innerhalb von 12 Monaten 15,2 Mio. EUR Umsatz verbuchen konnten“, verweist Griesemann auf das bislang kräftige Wachstum in diesem Jahr.

Erst im September hatte der US-amerikanische Mitbewerber Chargepoint seinen Börsengang angekündigt. Das kalifornische Start-Up, mit bislang 115.000 Ladepunkten einer der weltweiten Marktführer, soll per Fusion mit einer sogenannten SPAC-Gesellschaft an die New Yorker Börse gebracht werden und dürfte auf Basis der bislang vorliegenden Indikationen einen Börsenwert von 2,4 Mrd. USD auf die Waage bringen. Im Vergleich zu Chargepoint wäre Compleo selbst am oberen Ende der Zeichnungsspanne mit weniger als einem Zehntel bewertet, obwohl die Dortmunder bislang schon insgesamt 25.000 Ladepunkte europaweit ausgeliefert haben.

Der Vorstand der Compleo-CS

Fazit

Compleo Charging Solutions ist in einem der ganz großen Trendmärkte der kommenden Jahre zuhause. Der zunehmende Anteil der Elektrofahrzeuge macht einen schnellen und konsequenten Ausbau der Ladeinfrastruktur unausweichlich. Kann das Unternehmen das aktuelle Wachstum auch nur ansatzweise weiter fortschreiben, würde sich die auf den ersten Blick hohe Bewertung zum Zeitpunkt des Börsengangs alsbald relativieren. Für mutige und risikobewusste Anleger ist die Aktie eine spannende Möglichkeit, sich bei einem deutschen E-Mobility-Profiteur zu beteiligen.

Sven Heckle

Fotos: @Compleo CS

Compleo – Angebotsübersicht
WKN A2QDNX
Zeichnungsfrist bis vsl. 19. Oktober, 12 Uhr
Erstnotiz 21. Oktober
Preis 44 bis 59 EUR
MarketCap 151 bis 202 Mio. EUR
Marktsegment Prime Standard Frankfurt
Emissionsprospekt ja
Emissionsvolumen 72,7 bis 97,7 Mio. EUR
Konsortialbanken Commerzbank, Oddo BHF
Free Float max. 48%

 

Über den Autor

Falko Bozicevic ist Chefredakteur des GoingPublic Magazins sowie verantwortlich für das Portal BondGuide (www.bondguide.de)