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Wer seine geschäftliche Liquidität heute nicht per Fintech-App steuert, gilt schnell als gestrig. Doch diese pauschale Abwertung etablierter Filialbanken ist brandgefährlich. Wahre finanzielle Souveränität erfordert eine strukturelle Trennung: kompromisslose Nutzung hochgradig regulierter Bankinfrastruktur bei völliger Unabhängigkeit in der Anlageentscheidung. Von Markus Köppl


Wer die Kostenstrukturen der Finanzindustrie analysiert, kritisiert zu Recht die Gebühren und hauseigenen Produkte traditioneller Banken. Meine zentrale Forderung an Unternehmer lautet daher: Übernehmen Sie das Steuerrad für Ihr Vermögen selbst – im Rahmen eines konsequenten „EigenMandats“.

Es mag paradox erscheinen, dass ich ausgerechnet jetzt eine Lanze für klassische Hausbanken breche. ​Dieser Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn man eine Bank nicht primär als Vertriebskanal für margenstarke Anlageprodukte betrachtet, sondern als essenzielle wirtschaftliche Infrastruktur. Beim rechtlichen und strukturellen Fundament sind etablierte Häuser agilen Neobrokern nach wie vor weit überlegen. Dafür gibt es drei Gründe.

Resilienz in systemischen Krisen

Fragen Sie einen Mittelständler, wer die Liquidität sicherstellte, als 2020 Lieferketten rissen oder 2023 die Turbulenzen um die Silicon Valley Bank (SVB) und Credit Suisse den Markt erschütterten. Es war kein Chatbot eines Neobrokers – es war der erfahrene Firmenkundenberater der regionalen Hausbank. Ein Entscheider, der das Geschäftsmodell seines Mandanten kennt und den rettenden Kredit pragmatisch erweitert. Wer dieses Vertrauenskapital für eine App opfert, unterschätzt die Härte realwirtschaftlicher Schocks.

Echtes Eigentum statt Gläubigerstatus

Um Depotgebühren zu vermeiden, flüchten viele Anleger in Hüllenkonstrukte wie fondsgebundene Versicherungen. Das strukturelle Risiko: Rechtlich betrachtet sind Anleger hier meist nur Gläubiger einer Gesellschaft. Tritt der Insolvenzfall ein, drohen langwierige Verfahren. Führen Sie Ihr Wertpapierdepot hingegen bei einer klassischen Hausbank, sind Sie rechtlich unangreifbarer Eigentümer. Ihre Assets bilden ein insolvenzfestes Sondervermögen. Diese juristische Sicherheit hat ihren Preis – und rechtfertigt ihn vollumfänglich.

Komplexitätsmanagement statt Algorithmus

Neobanken brillieren bei Massengeschäften wie dem ETF-Sparplan. Die Realität von Unternehmern ist jedoch komplexer. Wenn Firmenanteile übertragen werden, Testamentsvollstreckungen anstehen oder Vorsorgevollmachten greifen, scheitern plattformbasierte Modelle an standardisierten Prozessen. Hier benötigen Sie einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut, der Verantwortung übernimmt und belastbare Lösungen implementiert.

Fazit: Trennung von Infrastruktur und Anlage

Der Weg zur finanziellen Souveränität führt nicht über die Flucht zu Fintechs, deren Erlösmodelle (wie das in der EU bald verbotene „Payment for Order Flow“; PFOF) ohnehin bröckeln. Die Lösung liegt im EigenMandat: Nutzen Sie Hausbanken für ihre Kernkompetenzen – ausfallsichere Infrastruktur, Zahlungsverkehr und Kreditlinien. Doch die Hoheit über Ihre Anlage delegieren Sie nicht. In genau dieser sicheren Depotinfrastruktur allokieren Sie Ihr Kapital selbstständig in kosteneffiziente Anlageprodukte. So verknüpfen Macher die Krisensicherheit der alten Welt mit der Renditestärke des modernen Kapitalmarkts.

Autor/Autorin

Markus Köppl
Gründer at EigenMandat

Markus Köppl ist Finanzexperte und Verfechter finanzieller Souveränität. Mit dem „EigenMandat“ zeigt er Unternehmern und deren Mitarbeitern, wie sie sich von teuren Bankprodukten lösen und ihr Vermögen selbstbestimmt strukturieren – ohne auf professionelle Bankinfrastruktur zu verzichten.