Allerdings nutzen professionelle Investoren in Deutschland soziale Netzwerke, Blogs und Foren kaum bis gar nicht, um sich zu informieren, wie zwei Studien von iq media und dem IR Club erst jüngst festgestellt haben.

Die größte Herausforderung ist hier sicherlich die Fragmentierung der Aufmerksamkeit. Extremes Beispiel dafür ist Guidants: Das Trading-Desk-ähnliche Online-Angebot für sehr aktive Anleger ist ein geschlossenes System, das die Nutzer nicht mehr verlassen müssen.

Alles andere als out: Newsletter

Auch die E-Mail-Kommunikation über große Verteiler ist immer noch ein wirksames Medium. Im Moment erreichen vor allem kuratierte Inhalte mit mal mehr, mal weniger Kommentierung viele Anleger. Beispiele sind das Morning Briefing vom Handelsblatt mit gut 500.000 Abonnenten oder der Capital-Newsletter. Der Börse Frankfurt-Newsletter geht täglich an 25.000 Anleger mit Öffnungsraten zwischen 20 und 30%.

Vor Ort und im Dialog: Börsentage und Messen

Vom Hype der Nullerjahre immer noch weit entfernt, aber als Kommunikationsplattform nicht zu unterschätzen sind Messen und Börsentage. Rund 15 Börsentage für private Anleger gibt es in Deutschland und zwei mehrtägige Messen, die World of Trading in Frankfurt und die Invest in Stuttgart. Zu den einzelnen Tagen kommen bis zu 2.000 Besucher, die Invest registrierte 2017 12.000 Besucher. Herzstück der Veranstaltungen sind meist volle Vorträge und Seminare. Anleger nutzen aber auch die Präsenz vieler Experten für Fragen.

Fazit

Zwar gilt „online first“, und das bitte mobil nutzbar, dennoch ist der Dialog mit privaten Investoren aber weiterhin gefragt – sei es über möglichst personalisierte E-Mails oder im direkten Kontakt. Aus den früheren Massenmedien sind inzwischen höchst individuelle Kanäle mit hoher Fragmentierung der Aufmerksamkeit geworden. Außerdem wird das Kommunikationsniveau in den einzelnen Kanälen immer professioneller. Unterm Strich macht es die Anlegeransprache immer aufwendiger. Dennoch erscheint es sträflich, sich nicht mit sozialen Netzwerken zu befassen. Über allem gilt: Die Halbwertzeit medialer Wirkungsweisen wird immer kürzer.

 

Edda Vogt betreut für den Kassamarkt der Deutschen Börse die Anlegerkommunikation – Websites, Social Media, Newsletter, aber auch Dialogformate wie Webinare und Vorträge bei Börsentagen und Fachpublikationen.

Der Artikel erschien zuerst in der März-Ausgabe des GoingPublic Magazins.

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