Für Unternehmen in den Bereichen Life Sciences und Real Estate ist der Zugang zum Kapitalmarkt zwecks Eigenkapitalbeschaffung von zentraler Bedeutung. Beide Branchen sind sehr kapitalintensiv: Life-Sciences-Unternehmen benötigen Kapital, um die Entwicklung innovativer Produkte zu finanzieren; Immobilienunternehmen sind auf das Wachstum ihrer jeweiligen Immobilienportfolien ausgerichtet, um Skaleneffekte realisieren zu können. 2013 gab es eine Vielzahl von Transaktionen in beiden Sektoren. Dieser Trend wird sich nach unserer Einschätzung nach im Jahre 2014 fortsetzen.

Dr. Oscar Izeboud
Dr. Oscar Izeboud, Kempen & Co.
DickBoer_big
Dick Boer, Kempen & Co.

2013 mehr Börsengänge in Life Sciences– 3-Jahreshoch erreicht

In den Jahren 2008/09 zeigte sich der Kapitalmarkt wenig aufnahmebereit für Börsenaspiranten im Life-Sciences-Bereich. Volumenseitig nennenswerte IPOs waren kaum zu verzeichnen. Französische Medtech-Gesellschaften bilden seit 2010 in diesem Sektor die Mehrheit der IPOs, die oftmals relativ kleine Emissionsvolumina erzielen und vorrangig bei inländischen Investoren platziert werden. Erst seit 2013 ist es einer Gruppe von Unternehmen wieder möglich, volumenseitig bedeutsamere Transaktionen zu lancieren und hierfür Eigenkapital über den Kapitalmarkt aufzunehmen. Auch in Deutschland gab es eine Reihe Transaktionen: Hierzu zählen beispielsweise die 10%ige Kapitalerhöhung von Morphosys, die Bezugsrechtskapitalerhöhung von Epigenomics sowie die strukturierte Finanzierung von Evotec. Nach eher ruhigen Börsenjahren in diesem Sektor erzielte der Börsengang von Cardio3 Biosciences im Juli 2013 als erste Transaktion weitreichendes Interesse internationaler Investoren in Europa und den USA.

Kempen Abb 1
Abb. 1: Anzahl Life-Sciences-IPOs in Westeuropa über 5 Mio. EUR, 1.1.2008 bis Anfang Dezember 2013
Quelle: Dealogic, Kempen & Co

PE-Firmen nutzen Börsengänge weiter zum Ausstieg aus deutschen Wohnimmobilien

2013 war ein bedeutsames Jahr für Börsengänge deutscher Immobiliengesellschaften mit Fokus auf den Wohnsektor. Mit einem Emissionserlös von 1,2 Mrd. EUR bildet der Börsengang von LEG Immobilien die bislang größte in Europa durchgeführte Primärmarkttransaktion im Immobiliensektor. Im Sommer 2013 folgte der Börsengang von Deutsche Annington mit einem Emissionserlös von 575 Mio. EUR. Diese beiden IPOs sowie GSW Immobilien 2011 illustrieren die Bedeutung solcher Transaktionen als Vehikel für den (partiellen) Ausstieg von Private-Equity- Investoren aus Unternehmen.

Terra Firma konnte durch das IPO der Deutschen Annington erstmals seine Beteiligung reduzieren. Der PE-Investor Whitehall konnte bereits vor dem Verkauf von LEG-Immobilien-Aktien auf IPO-Erfahrung mit deutschen Wohnimmobilien aufbauen. Gemeinsam mit Cerberus führte Whitehall GSW Immobilien an die Börse. Für 2014 sind weitere Beteiligungsverkäufe seitens PE-Gesellschaften sowie anderen Investorengruppen im Wege von IPOs zu erwarten.

Was die Zukunft bringt

Wir erwarten, dass das positive Marktumfeld für Börsengänge von Life Sciences und Immobiliengesellschaften 2014 fortbesteht. In den vergangenen Monaten waren große Mittelzuflüsse seitens US-Investoren in europäische Aktien zu verzeichnen. Vor allem Life-Sciences-Gesellschaften profitieren von dem wachsenden Interesse aus den USA. Dieser Trend hat vor allem zwei Gründe: Investoren zeigen sich zunehmend risikofreudig und schätzen die aktuellen Unternehmensbewertungen von Life-Sciences-Gesellschaften in Europa im Vergleich zu denen in den USA als attraktiver ein. Gleichzeitig bemängeln US-Investoren regelmäßig die geringere Liquidität europäischer Aktien in diesem Sektor, was den Aktienerwerb über die Börse einschränkt. IPOs und nachfolgende Kapitalmaßnahmen bieten daher eine von US-Investoren bevorzugte Investitionsmöglichkeit. Nach unserer Einschätzung veranlassen diese Entwicklungen, verbunden mit dem gestiegenen Interesse größerer Pharma-und Medtech-Unternehmen an der Übernahme von Life-Sciences-Gesellschaften, eine Vielzahl dieser Unternehmen, einen Börsengang in Betracht zu ziehen. Dies wird sich 2014 positiv auf die Anzahl von Life-Sciences-IPOs auswirken.

In Bezug auf den Real-Estate-Sektor haben Bewertungen gelisteter Unternehmen nahe am oder über dem Buchwert das Interesse an Börsengängen geweckt. In Deutschland sind daher weitere IPOs von Gesellschaften mit Fokus auf Wohn- und/oder Gewerbeimmobilien zu erwarten. Infolge der Stabilisierung der Volkswirtschaften im Euroraum ziehen Investoren zunehmend für Gewerbeimmobilien auch außerhalb Deutschlands zu erzielende höhere Renditen in Betracht. Nach dem erfolgreichen Börsengang der vom polnischen Staat gehaltenen PHN (Büroimmobilien) 2013 erwarten wir, dass die norwegische Regierung die Privatisierung der von ihr gehaltenen Entra Eiendom (Büroimmobilien) für 2014 anstrebt. Hibernia REIT plant hingegen die Aufnahme von Eigenkapital via IPO für opportunistische Akquisitionen im Bereich der Gewerbeimmobilien von der irischen Bad Bank NAMA. Nach unserer Einschätzung werden weitere Gesellschaften Hibernia folgen, um opportunistisch Portfolien in günstiger bewerteten Immobilienmärkten, wie beispielsweise Spanien, erwerben zu können.

Kempen Abb 2
Abb. 2: 10 größte Immobilientransaktionen in Westeuropa (IPOs und Kapitalerhöhungen) in Mio. EUR, 2010 bis Anfang Dezember 2013
Quelle: Dealogic, Kempen & Co

Fazit

Insgesamt sind die Zeichen auf Wachstum gestellt. Kempen & Co ist der Auffassung, dass 2014 sowohl für Life-Sciences- und Real-Estate-Gesellschaften als auch Anleger interessante Möglichkeiten bieten wird, Kapitalerhöhungen beziehungsweise Investitionen vorzunehmen.

Dieser Artikel ist ursprünglich in der GoingPublic Ausgabe 1/2014 erschienen.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.