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Bekenntnis zu grünem Wasserstoff – ein wichtiges Signal für die Zukunft

Die Herausforderungen und die Konkurrenz auf dem Weg zu einer weltweit führenden und nachhaltigen Wasserstoffindustrie sind indes unverändert groß, ebenso die Hoffnung mit einem erfolgreichen Markthochlauf den deutschen Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu machen. Welche Maßnahmen sind für den Technologiewandel erforderlich und wie wollen die Koalitionäre diesem Ziel in der laufenden Legislatur näherkommen?

Müsste man den Konsens der Ampel-Parteien zum Thema Wasserstoff in nur einem Schlagwort beschreiben, so lautete dieses ‚Beschleunigung‘. Allein die bis 2030 anvisierte installierte Elektrolyseleistung bei der Wasserstoffproduktion haben die Regierungspartner im Vergleich zur bis dato geltenden energiepolitischen Zielvorgabe auf jährlich 10 Gigawatt verdoppelt.

http://www.goingpublic.de/life-sciences/20-mio-eur-fuer-die-produktion-nachhaltiger-e-fuels

Und auch wenn ehrgeizigen Zielsetzungen für sich genommen den Status quo noch nicht verändern, darf die deutsche Wasserstoffbranche die neuen Ambitionen als positives Signal deuten. Ein Signal, das angesichts des verschärften globalen Wettlaufs um Marktchancen und technologischen Vorsprung in einem der größten Zukunftssektoren in der Energiewirtschaft, dringend nötig war. Denn längst hat man auch in Fernost, in China und Japan erkannt, welches Potential in einem H2-getriebenen Industrie- und Verkehrswesen stecken.

Die von Tokio bereits 2014 initiierte Road Map sieht vor, dass Japan bis 2030 jährlich 10 Mio. Tonnen Wasserstoff produziert. Und auch China holt technologisch auf: Staatliche geförderte Großprojekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff mittels Solarenergie und das Bekenntnis zur Brennstoffzelle bei Fahrzeugen, von denen bereits bis 2025 bis zu 100.000 Exemplare gefertigt werden sollen, zeugen von einer klaren wirtschaftlichen Vision Pekings. Will Deutschland seine industriepolitische Souveränität und Wachstumschancen bei nachhaltigen Innovationen wahren, muss der Markthochlauf in den kommenden Jahren gelingen.

Maßnahmenbündel für mehr Förderung und Planungssicherheit in Deutschland und Europa

Einen wichtigen Beitrag dazu leisten soll die Nationale Wasserstoffstrategie (NWS), mit der vor allem Technologien für die Produktion und Anwendung von grünem Wasserstoff zum Durchbruch auf dem Energiemarkt verholfen werden soll. Das neu aufgestellte Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat getreu dem Koalitionsvertrag in seiner Eröffnungsbilanz bereits angekündigt, die Strategie weiterzuentwickeln und zusätzliche Förderprogramme zu den bereits in der letzten Legislaturperiode bereitgestellten 9 Mrd. EUR auf den Weg zu bringen.

Neue Impulse wollen die Koalitionäre zudem auch in Europa über die IPCEI-Strategie (Engl.: Important Projects of European Interest) setzen. Investitionsvorhaben im Bereich Wasserstoff, die von mehreren europäischen Unternehmen im Verbund getragen werden, sollen durch weitere EU-Beihilfen vorangetrieben werden.

Auch hier setzt die Bundesregierung auf Tempo, sodass wohl schon zeitnah nach dem Anlaufen der ersten Förderungen im Jahr 2021 weitere Großprojekte europäischer Unternehmenskooperationen folgen dürften, die nicht allein die Herstellung, sondern auch Logistik, Infrastruktur und die Anwendung von Wasserstoff in Industrie und Verkehr erfassen.

Dass die Ampel-Regierung im Koalitionsvertrag Erdgas als Übergangstechnologie anerkennt, gleichzeitig aber die technische Anschlussfähigkeit neuer Kraftwerke auch an Wasserstofftechnologien fordert, schafft wichtige Planungssicherheit für wirtschaftliche Akteure, sodass das betriebs- und volkswirtschaftliche Risiko der Transformation nicht zu seiner Hemmung führt.

Schwachstelle Mobilität: unklare Aussichten für die Brennstoffzelle

Anders als für den E-Antrieb und die Rolle von Wasserstoff in der Industrie fehlt es hingegen im Koalitionsvertrag an einem vergleichbar dezidierten Plan für eine künftige Mobilität auf Grundlage der Brennstoffzelle. Hier bleibt die Ampel-Regierung bisher ein klares Konzept schuldig, auf das sie – angesichts der unausgeschöpften Innovationspotentiale im wasserstoffgetriebenen Verkehr – nicht verzichten sollte.

Dass nach wie vor herkömmliches Gas nach Angaben des Umweltbundesamtes mehr als ein Viertel des deutschen Energiebedarfs deckt, zeigt, dass es eine umfassende Strategie des Energiewandels braucht, die die Qualität der gesamten Wertschöpfungskette für Wasserstoff in den Fokus stellt.

Um die technologischen, finanziellen und planerischen Komplexitäten der Transformation unter den Bedingungen eines zunehmenden globalen Wettbewerbsdrucks zu bewältigen, braucht es das gebündelte Knowhow deutscher und europäischer Marktführer wie in der H2Global-Stiftung. Und es braucht eine Politik, die mit zielgerichteter Förderung und klarem politischem Bekenntnis, den Weg zum deutschen Leitmarkt für Wasserstoff und einer klimaneutralen, innovationsgetriebenen Wirtschaft nachhaltig beschreitet.

Auf dem Weg zum Leitmarkt für Wasserstoff – BondGuide

Holger Schoenfelder ist Teamleiter der Bereiche Wasserstofftechnologien und Prüfstandsplanung des Beratungsunternehmens MR Plan Group. Die MR Plan Group ist an zehn Standorten tätig, mehrfach in Deutschland sowie in China und Ungarn. Die Bandbreite der Kunden reicht von der Automobil- über die Lebensmittel-, Luftfahrt-, Bahn- bis hin zur Schiffbauindustrie, inklusive deren Zulieferern.