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Die Mynaric AG plant ein IPO und die Notierung in den USA. Das Unternehmen entwickelt und produziert Laserkommunikationsprodukte für luft- und weltraumgestützte Kommunikationsnetzwerke. Zum Portfolio für die Datenübertragung gehören Bodenstationen und Laserterminals, die es ermöglichen sollen, sehr umfangreiche Datenmengen sicher über lange Strecken kabellos zu übermitteln.

Seit 2017 ist die Firma in Frankfurt gelistet, jetzt soll das IPO in den USA folgen. Es ist beabsichtigt, dass das öffentliche Angebot ausschließlich aus neuen Aktien besteht, die von Mynaric im Rahmen einer Kapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital ausgegeben werden.

Die Entscheidung zum Listing in den USA ist laut Mynaric gefallen, um das zunehmende Interesse an der Weltraumindustrie zu adressieren. Weltweit nimmt der Bedarf an schneller und allgegenwärtiger Datenverfügbarkeit laut dem Unternehmen dynamisch zu. „Gegenwärtig basieren Datennetze weitgehend auf Infrastruktur auf dem Boden, die aus rechtlichen, wirtschaftlichen oder logistischen Gründen nicht beliebig erweitert werden kann“, erklärt Mynaric. „Die Zukunft erfordert eine Erweiterung der bestehenden Netzwerkinfrastruktur in Luft und Raumfahrt.“ Mit den eigenen kabellosen Laserkommunikationsprodukten sei man als Pionier in diesem Wachstumsmarkt positioniert. Das geplante IPO und die Notierung in den Vereinigten Staaten sollen Mynaric jetzt den Zugang zu den US-Kapitalmärkten erleichtern.

Das Unternehmen will den Erlös des Angebots verwenden, um die Weiterentwicklung seiner Technologie und Produkte zu finanzieren. Außerdem soll das Kapital für den zusätzlichen Ausbau der Produktionskapazitäten genutzt werden.

Mynaric kann 2020 trotz der Pandemie auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. In der Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung der Jahreszahlen verwies CEO Bulent Altan auf die erfreuliche Entwicklung des Unternehmens – allein die Mitarbeiterzahl hat sich beinahe verdoppelt, rund 200 Angestellte sind heute für den Laserkommunikationsspezialisten tätig: „Das ist die höchste Dichte an Experten in der Branche.“

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Mynaric erzielte im letzten Jahr eine Gesamtleistung von 9,4 Mio. EUR. 2019 waren es 7,9 Mio. EUR. Der Umsatz stieg um 53% auf 0,7 Mio. EUR. Diese Entwicklung ist laut Unternehmen in erster Linie auf die Auslieferung der ersten HAWK AIR-Terminals an einen wichtigen US-Kunden zurückzuführen. Über diese Kooperation hat Mynaric die Option, seine Produkte in den US-Regierungsmarkt einzuführen. Mynaric erhielt 2020 zudem zwei Aufträge über die Lieferung seiner CONDOR-Terminals im Zusammenhang mit zwei US-Regierungsprogrammen. Es wird laut Unternehmen erwartet, dass diese Aufträge im Jahr 2021 einen Ergebnisbeitrag leisten, nachdem die Auslieferung abgeschlossen ist. Die CONDOR-Terminals, die den Interoperabilitätsanforderungen von US-Regierungsprogrammen entsprechen, werden voraussichtlich ab dem zweiten Quartal 2021 an Kunden ausgeliefert.

Die Vorserienproduktion der HAWK AIR- und CONDOR-Terminals läuft bereits. Insgesamt wurden 2020 knapp ein Dutzend Terminals gefertigt, von denen die meisten zur Optimierung interner Produktionsprozesse und zur Verbesserung der Produktreife eingesetzt wurden. Für 2021 plant Mynaric die Produktion von rund 50 Terminals, etwa zu gleichen Teilen auf seine CONDOR- und HAWK AIR-Terminals aufgeteilt. Von den insgesamt 50 Terminals stehen bis zu 75% für den Verkauf und die Lieferung an ausgewählte Partner und Kunden zur Verfügung. Die übrigen, nicht zum Verkauf vorgesehenen Einheiten werden zur weiteren Optimierung der internen Produktionsprozesse und der Produktentwicklung genutzt. Mynaric will in diesem Jahr die Serienproduktion weiter vorantreiben – mit dem Ziel, ab 2022 eine Produktionskapazität in dreistelliger Höhe pro Jahr zu erreichen.

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Insgesamt hat Mynaric 2020 seinen Wachstumskurs fortgesetzt, was zu einem Anstieg des Materialaufwands in Höhe von 6,2 Mio. EUR führte – bedingt durch das Hochfahren der Vorserienproduktion. Auch die Personalkosten sind durch den Aufbau gestiegen – auf 16,7 Mio. EUR. 8,0 Mio. EUR wurden in immaterielle Vermögenswerte investiert, weitere 7,1 Mio. EUR in Sachanlagen.

US-Regierungsprogramme spielen eine zentrale Rolle im wachsenden Markt für Laserkommunikation. Allein durch sie wurden im Jahr 2020 mehr Laserkommunikationssysteme für Weltraumanwendungen beschafft, als in der gesamten Geschichte der Branche zusammen in Betrieb genommen wurden. Aus diesem Grund sieht Mynaric den US-Markt als entscheidenden Faktor für die Industrialisierung der Laserkommunikation. Hier soll der Übergang von einer Nischentechnologie zu einer großflächigen kommerziellen Nutzung erfolgen.

Mynarics IPO in den USA soll bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 abgeschlossen sein. Die Realisierung ist laut Unternehmen allerdings abhängig von Markt- und anderen Gegebenheiten. Über die endgültigen Bedingungen des Angebots, den Zeitplan der Transaktion sowie den Standort der Börsennotierung wird Mynaric nach eigener Aussage zu einem späteren Zeitpunkt im Prozess entscheiden.

Die Mynaric-Aktie steht aktuell bei 70,70 EUR. Das Papier legte ordentlich zu, um beinahe 10% im Vergleich zum Vortag. Das Unternehmen hat eine Marktkapitalisierung von 200 Mio. EUR und wird im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt.