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Bildnachweis: obs/Veganz Group AG, ©minoandriani – stock.adobe.com.

Der Berliner Pionier auf dem Markt für vegane Lebensmittel will in gut zwei Wochen in den Handel starten und rechnet dafür mit einem Erlös von bis zu 43 Mio. EUR. Der Betrag soll schwerpunktmäßig in das organische Wachstum fließen, etwa in den Aufbau einer eigenen Produktionsstätte.

Börsengang

Das Unternehmen hat die Preisspanne für den geplanten Börsengang auf 85 bis 110 EUR je Aktie festgelegt. Der Angebotszeitraum endet am 03. November. Der erste Handelstag ist für den 10.November geplant. Angeboten werden 389 Tsd. neue Aktien, 87 Tsd. Bestandsaktien der Altaktionäre sowie 71 Tsd. Bestandsaktien im Rahmen des Greenshoe (Mehrzuteilungsoption / Überzeichnungsreserve).

Bei Zuteilung sämtlicher Aktien würde das Emissionsvolumen bis zu 60 Mio. EUR betragen. Aus den neuen Aktien könnte Veganz mit einem Mittelzufluss in Höhe von bis zu 42,8 Mio. EUR rechnen. Die Marktkapitalisierung der Berliner würde sich am oberen Ende der Preisspanne auf max. 135 Mio. EUR belaufen. Der Free Float läge bei vollständiger Zuteilung bei 45%.

Im Zusammenhang mit dem Börsengang agiert M.M.Warburg & CO als Sole Global Coordinator und Sole Bookrunner und die Quirin Privatbank als Co-Lead Manager.

Gründer & CEO Jan Bredack: „Als wachstumsstarker Pionier mit zehn Jahren Markterfahrung und hoher Innovationskraft sind wir der Überzeugung, einen klaren Wettbewerbsvorteil zu haben. Wir sehen Veganz daher sehr gut aufgestellt, um vom Potenzial des Wachstumsmarktes für rein pflanzliche Lebensmittel zu profitieren.”

Mittelverwendung

Veganz will den Emissionserlös zu 35% für den Aufbau eines neuen Produktionsstandortes in der Nähe des heimischen Berlin verwenden. 40% sollen in Investitionen für das weitere organische Wachstum fließen (Forschung und Entwicklung, Außendienstausbau, Marketing, Expansion in Europa). 15% stehen für potenzielle M&A-Möglichkeiten oder den Aufbau neuer Vertriebskanäle bereit und 10% sollen allgemeinen Unternehmenszwecken dienen.

Anteilseigner

Zu den bisherigen Investoren (> 3% des Aktienkapitals) zählen die Bredack Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (26,3%), die Vegan Angels GmbH (14,1%), Paladin Asset Management (12,5%), Katjes Greenfood (7,8%), die Vegan Beteiligungsgesellschaft (7,4%), die Develey Holding (3,5 %), Brandenburg Kapital (3,5%), Michael Durach (3,3%) und Bernd Drosihn (3,0%).

Veräußernde Altaktionäre der Bestandsaktien sind zu gut zwei Dritteln die Veganz Beteiligungs KG sowie mit einem knappen Drittel die Vegan Angels GmbH. Die Aktien aus dem Greenshoe stellen Katjes Greenfood und Vegan Angels zur Verfügung. Die wesentlichen Altaktionäre haben sich zu einer Sperrfrist von zwölf Monaten verpflichtet. CEO Jan Bredack stimmte einer Sperrfrist von 36 Monaten zu.

First Mover bei veganen Lebensmitteln

Veganz wurde von CEO Bredack 2011 in Berlin gegründet und als erste vegane Supermarktkette Europas bekannt. Das Unternehmen produziert und vermarktet unter dem Label „Veganz“ rein pflanzliche Lebensmittel, die auf alle tierischen Inhaltsstoffe sowie auf Produkte, für deren Herstellung tierische Zutaten verwendet werden, verzichten. Nach eigener Einschätzung ist Veganz Europas einziger Multi-Sortiment-Anbieter für rein pflanzliche Lebensmittel.

Der Hauptvertriebskanal ist das Markenartikelgeschäft im Einzelhandel. Neben der DACH-Region als Schwerpunkt werden die Produkte in weiteren 24 Ländern vertrieben. In der DACH-Region verkauft Veganz seine Lebensmittel an Einzelhändler wie EDEKA, REWE oder Kaufland, an Drogerieketten wie Rossmann, dm und Müller sowie an Discounter wie LIDL, ALDI, Penny und Netto. In den übrigen Ländern erfolgt der Vertrieb über Händler wie SPAR, Kaufland International, Coop und Sonae/Continente.

Insgesamt ist Veganz aktuell an über 22.000 Verkaufspunkten vertreten, darunter auch drei unternehmenseigene Läden in Berlin. Seit Ende 2018 haben sich die Verkaufspunkte verdoppelt.Über den zweiten Vertriebskanal „Stores“ werden die Produkte über Online-Verkaufsplattformen wie amazon.com, rohlik.cz, snacky.ch, vekoop.de, Gorillas, flink, Foodpanda und weezy sowie über drei eigene „Veganz“-Stores in Berlin vertrieben. Hinzu kommt der neuer Vertriebskanal „Food Service“ in Kooperation mit Partnern wie dem Backwarenunternehmen Bakerman oder dem Bundesligist RB Leipzig. Zudem laufen aktuell Kooperationsverhandlungen mit einem der größten deutschen Caterer (Aramark).

Umfangreiches und nachhaltiges Produktsortiment

Das Produktportfolio beinhaltet rund 120 verschiedene Lebensmittel, bei deren Herstellung Veganz auf globale Lebensmitteltrends reagiert. Die Produkte umfassen alle Lagerungsarten (ungekühlt, gekühlt und tiefgekühlt). Es werden Frühstückszutaten wie Brotaufstriche und Honig- sowie Käsealternativen angeboten, hinzu kommen Fleisch- und Fischalternativen sowie Proteinprodukte, Fertiggerichte, Süßigkeiten und Snacks. Dabei hat sich das Sortiment von einfachen Basisprodukten hin zu komplexen Rezepturen mit aufwändigen Herstellungsverfahren weiterentwickelt. Im Gegensatz zu Rezepturen können diese Herstellungsverfahren auch als geistiges Eigentum geschützt werden.

Aktuell wird die Produktion noch weitgehend an Co-Hersteller ausgelagert (derzeit 38 Unternehmen), denen Veganz jeweils das Rezeptur- und Verpackungs-Knowhow zur Verfügung stellt. Künftig strebt Veganz aber an, vermehrt Produkte selbst herzustellen und hat dafür bereits eine kleine Produktionsstätte für Käsealternativen in Berlin eingerichtet. In Werder (Brandenburg) soll ein weiterer Produktionsstandort entstehen, in dem rein pflanzlicher Fisch (Räucherlachs, Garnelen, Thunfisch) und texturiertes Protein zur Herstellung von ungekühlten Fleischersatzprodukten sowie Käsealternativen produziert werden soll. Dieser Standort soll nach Unternehmensangaben dann der größte Produktionsstandort für die Herstellung pflanzlicher Käsealternativen in Europa sein.

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Nach Einschätzung von Veganz könnten Produkte aus eigener Produktion eine nahezu doppelt so hohe Bruttomarge erzielen wie ausgelagerte. Der Anteil der Umsatzerlöse aus der Eigenproduktion soll mittelfristig auf 30% steigen. Es soll auch ein substanzieller Teil des Emissionserlöses in die Eigenproduktion fließen.

Außerdem räumt Veganz der Nachhaltigkeit und Transparenz entlang der Lieferkette eine hohe Priorität ein und hat daher den sog. „Eaternity“-Score für die Lebensmittelbranche mit eingeführt und diesen als erstes Unternehmen auf den Verpackungen abgebildet. Der Eaternity-Score wurde vom gleichnamigen Schweizer Unternehmen entwickelt und bildet eine Ökobilanzierung der Lebensmittel ab.

Ansprechendes Umsatzwachstum

2018 erzielte Veganz noch Umsatzerlöse von 17,4 Mio. EUR, die 2019 um 37% auf 23,9 Mio. EUR und 2020 um 12% auf 26,8 Mio. EUR anstiegen. Im vergangenen aktuellen Halbjahr stiegen die Umsätze um weitere 19% auf 15,6 Mio. EUR an.

Das bereinigte EBITDA betrug 2018 -2,3 Mio. EUR, sank 2019 leicht auf -2,6 Mio. EUR und bezifferte sich Ende 2020 auf -2,1 Mio. EUR. Im ersten Halbjahr 2021 subsummierte sich das bereinigte EBITDA auf ebenso -2,1 Mio. EUR.

Auch unter dem Strich befindet sich Veganz noch in negativem Fahrwasser. Der Jahresfehlbetrag stieg von 3,8 Mio. EUR im Jahr 2018 auf 4,9 Mio. EUR im Jahr 2020 an, im aktuellen Halbjahr liegt der Verlust bei 4 Mio. EUR.

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