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Die Onlineplattform für Essensbestellungen und -lieferungen Delivery Hero will künftig auch Aktionäre bedienen: Das Start-up strebt noch im Juni mit der Auslieferung seine Erstnotiz im Prime Standard an. Das IPO könnte bis zu 1 Mrd. EUR auf die Waage bringen.

Börsengang

Delivery Hero könnte das bisang größte IPO in Deutschland in diesem Jahr abliefern.
Delivery Hero könnte das bisang größte IPO in Deutschland in diesem Jahr abliefern.

Nach zwei Jahren Gerüchteküche macht Delivery Hero (DH) nun offiziell ernst in Sachen IPO – schon Ende Juni könnte (aus-)geliefert werden: Das Angebot umfasst 18,9 Mio. Namensaktien aus einer Kapitalerhöhung sowie 15 Mio. Anteilsscheine von Altaktionären. Zusätzlich wird eine Mehrzuteilung über knapp 5,1 Mio. Aktien in Reserve gehalten. Zum Mittelwert der Preisspanne, die auf 22 bis 25,50 EUR je Aktie festgelegt wurde, beläuft sich der Bruttoerlös für DH auf 450 Mio.. Die Angebotsfrist endet voraussichtlich am 28. Juni: Die Erstnotiz im Prime Standard ist für den 30. Juni geplant. Unter Annahme der vollständigen Platzierung aller Aktien (inkl. Mehrzuteilung) ergibt sich ein Gesamtemissionsvolumen zwischen 859 und 996 Mio. EUR.

Der bisherige Hauptaktionär Rocket Internet, der zuletzt noch 35% an DH hielt, beabsichtigt zunächst 5,26 Mio. Aktien auf den Markt zu werfen. Zudem stammt auch die Platzierungsreserve indirekt von Rocket Internet. Insgesamt könnte der Start-up-Inkubator beim IPO seiner wichtigsten Beteiligung damit bis zu 264 Mio. EUR einsacken. Trotz erwartetem Geldsegen will Rocket den Großteil seiner DH-Aktien vorerst allerdings behalten. Derweil wird die Onlineplattform zum Börsendebüt mit bis zu 4,4 Mrd. EUR bewertet und damit deutlich höher als zuletzt spekuliert. Vor anderthalb Monaten legte der südafrikanische Internetkonzern Naspers für 10% am DH-Aktienkapital 387 Mio. EUR auf den Tisch.

Betreut wird der Börsengang von Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners.

Unternehmen

Delivery Hero ist Betreiber eines führenden Online-Netzwerks von new_hero_14_1429777649Essensbestellplattformen und -lieferdiensten, der mit seinen Websites und Apps eigenen Angaben zufolge rund 17 Mio. aktive Nutzer und etwa 271.000 Restaurants in 40 Ländern in Europa, dem Mittleren Osten, Lateinamerika und Asien-Pazifik miteinander verbindet. Kunden bestellen dabei das gewünschte Gericht bequem via Smartphone, Tablet oder PC bei einem der mehreren lokalen Online-Bestellplattformen. Diese leiten die Kundenorder an das jeweils aufgelistete Partnerrestaurant vor Ort weiter, wo sie bearbeitet und die Bestellung im Anschluss an den Kunden ausgeliefert wird. In Deutschland funktioniert das Konzept von DH u.a. über Dienste wie Lieferheld, Pizza.de oder foodora, dem nationalen Lieferpartner von McDonald’s Deutschland.

Geld verdient das 2011 gegründete Unternehmen u.a. über Gebühren von den Restaurants bzw. über Umsatzprovisionen. Die jeweiligen Restaurants wiederum profitieren von deren Auflistung auf den Online-Markplätzen und so vom Zugang zu DHs Kundenbasis, Marketing-Know-how, sinnvollen Add-Ons bei der Bestell- und Liefertechnologie sowie von einem Lieferservice, den DH mitunter eigenständig zur Verfügung stellt – also eine Win-win-Situation. Doch zahlt sich das aus? Im Vorjahr wurden auf diese Weise 171 Mio. Endkundenbestellungen abgewickelt (+65% ggü. 2015) und ein Transaktionsvolumen (entscheidend für die Provisionsermittlung) von über 2,3 Mrd. EUR (+62%) umgesetzt. Das entspricht bei rund 17 Mio. aktiven Nutzern rein rechnerisch etwa 10 Bestellungen pro Nutzer und Jahr sowie einem durchschnittlichen Betrag je Bestellung von knapp 14 EUR – laut DH ist das die globale Marktführerschaft u.a. nach aktiver Nutzer- und Bestellanzahl sowie Transaktionsvolumen.

Delivery Hero AG 2016 2017e 2018e 2019e
Umsatz *) 297,0 415,0 582,0 757,0
Nettoergebnis *) -195,0     –       –      –

* In Mio. EUR, sämtliche Angaben in EUR; Quelle: GoingPublic Research

Mittelverwendung

Mit den Geldern aus dem Börsengang will DH sein Geschäft forcieren, aber auch Schulden abbauen. So sei bspw. ein Teil der IPO-Erlöse zur Refinanzierung des Kaufpreises für den kürzlich angekündigten Merger der kuwaitischen Essenslieferplattform Carriage vorreserviert. DH zieht es vor allem auf aussichtsreiche Wachstumsmärkte in Schwellenländer wie Asien oder Südamerika. „Dort bestellen die meisten Leute Essen noch per Telefon, das wollen wir ändern“, betont Östberg. Zwar seien größere Zukäufe oder Expansionsvorhaben in weitere Länder aktuell nicht geplant – wachsen wolle DH zunächst vor allem in bereits besetzten Märkten –, für die Zukunft seien sie aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen.

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