Nachfolgeregelung als Herausforderung

Mit der Beteiligung externer Investoren steigen erfahrungsgemäß auch die Managementfähigkeiten und der Professionalisierungsgrad der Unternehmensführung, was auch mit Blick auf eine der größten Herausforderungen – das Thema Nachfolge – ein wichtiger Erfolgsfaktor ist. Bis 2022 steht bei 150.000 Unternehmen ein Eigentumswechsel an, der – wenn nicht frühzeitig und mit Blick in die Zukunft vorbereitet – für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens zu einem Problem werden kann, denn nach der ersten Managementgeneration leiden Familienunternehmen nicht selten unter einer nachlassenden Proaktivität und Risikofreude.

Zudem ist die Nachfolgeregelung oftmals auch mit einer Veränderung der Kapitalstruktur verbunden. Externe Manager tendieren häufiger zu einer weniger konservativen Unternehmensführung und sind offener für die Aufnahme von zusätzlichem Fremdkapital – dies nicht zuletzt auch mit einem positiven Leverage-Effekt als Ziel. Denn durch den Einsatz von Fremdkapital (anstelle von Eigenkapital) kann die Eigenkapitalrendite für die Eigentümer gesteigert werden. Voraussetzung für einen positiven Leverage-Effekt ist allerdings, dass die Gesamtkapitalrendite des Unternehmens über dem Fremdkapitalzins liegt. Da nun aber nach der Eigentumsübertragung in vielen Fällen kostenaufwendige organisatorische und strategische Veränderungen vorgenommen werden, die zu erhöhtem Finanzierungsbedarf führen, oder Investitionsstaus der vergangenen Jahre beseitigt werden müssen, etwa in eine neue IT-Infrastruktur, kann die neue Kapitalstruktur schnell zu einem Problem für die bis dato guten Finanzkennzahlen werden.

Fazit

Für einen erfolgreichen Einstieg von Minderheitsgesellschaftern oder Finanzinvestoren wird daher die Ausgestaltung der Mitsprache- und Kontrollrechte entscheidend sein – vor allem, wenn Familienmitglieder weiterhin in der Geschäftsführung tätig sind. Unabhängig von der Art der Übergaberegelung erfordert ein erfolgreicher Eigentümer- und Führungswechsel eine sorgfältige Due Diligence. Zusammenfassend wird die Finanzierung von Familienunternehmen folglich weiter professionalisiert werden.

Dieser Artikel ist eine Vorabveröffentlichung des GoingPublic Magazins (die nächste Ausgabe erscheint am 6.April)

Über den Autor

Dr. Matthias Holzamer

Dr. Matthias Holzamer ist Partner im Kompetenzzentrum Restructuring and Corporate Finance von Roland Berger. Sein Fokus liegt auf Restrukturierungs- und Corporate-Performance-Projekten für Aktiengesellschaften sowie KMU und Familienunternehmen in Deutschland und Österreich.

Martin Wendt

Martin Wendt leitet das Bondinggeschäft für Großunternehmen und zuvor für KMU bei Euler Hermes in Deutschland. Die vorliegende Studie ist Teil seiner Doktorarbeit zur Finanzierung von Familienunternehmen an der Leuphana Universität Lüneburg/HSBA Hamburg.