Knapp 10% des gesamten Geldvermögens werden in Deutschland in Aktien investiert – trotz zuletzt steigender Zahlen ist die Anzahl der Privataktionäre hierzulande im Vergleich zu Länden wie den USA und Schweden immer noch deutlich zu gering. Dabei ist unlängst bekannt, dass Aktien beim langfristigen Vermögensaufbau und bei der Altersvorsorge von Vorteil sind.

Eine aktuelle Studie vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) gemeinsam mit der Börse Stuttgart zeigt, dass die Haltung der Deutschen zur Aktie trotz jahrelang historisch niedriger Sparzinsen nicht unbedingt besser geworden ist. Noch immer seien „Missverständnisse, ein schlechtes Bauchgefühl und eine gewisse Gleichgültigkeit weit verbreitet, wenn es um die Geldanlage in Aktien geht“, hieß es seitens der Börse Stuttgart und des DAI am Mittwochvormittag während der Studienpräsentation vor Medienvertretern.

Gemeinsam mit der Börse Stuttgart hat das Deutsche Aktieninstitut die neueste Studie vor Medienvertretern präsentiert.
Gemeinsam mit der Börse Stuttgart hat das Deutsche Aktieninstitut die neueste Studie vor Medienvertretern in Frankfurt präsentiert.

Hohes Risiko und geringes Einkommen als häufigste Gründe

Während sich Aktienrisiken durch die Einhaltung einfacher Regeln beherrschen lassen, sehen 65% der Nicht-Aktienbesitzer Aktien weiterhin für sich als zu riskant an. Nur 19% wissen, dass die Aktienanlage auch bei kleinen Anlagebeträgen sinnvoll ist. Zudem hält fast jeder zweite Nicht-Aktienbesitzer die Aktienanlage für umständlich, obwohl dies etwa bei Wertpapiersparplänen nicht der Fall ist. Als ein weiterer Grund für das Desinteresse an der Aktienanlage nannten einige Studienteilnehmer auch ihr geringes Einkommen: So gaben 76% der Probanden, die 1.000 EUR bis unter 1.500 EUR verdienten an, dass sie kein Geld für Aktien- oder Aktienfonds hätten. Interessant ist hierbei, dass selbst rund 50% der Gutverdiener (3.500 EUR Einkommen plus mehr) ebenfalls Geldmangel als Grund für das fehlende Aktieninvestment angaben.

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Quelle: Deutsches Aktieninstitut/ Börse Stuttgart.
Quelle: Deutsches Aktieninstitut/ Börse Stuttgart.

Als ein großes Manko wird auch das fehlende politische Interesse am Aktieninvestment gesehen – so gibt fast jeder dritte Nicht-Aktienbesitzer der Studie an, dass eine bessere staatliche Förderung sein Interesse an der Aktienanlage wecken könnte. „Viel wichtiger als staatliche Förderung ist jedoch, dass Aktien bei Reformen des staatlichen Altersvorsorgesystems eine deutlich stärkere Berücksichtigung finden. Hierin liegt der größte Hebel für eine höhere Aktienquote in Deutschland“, erklärt Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Zudem sollten regulatorische Hürden in der Wertpapier- und Anlageberatung zu abgebaut und der ökonomischen Bildung einen festen Platz in den Schulen eingeräumt werden.

Hoffnungsvoll stimmt die Studienautoren, dass die Einschätzung von Aktien durch persönliche Erfahrungen positiver wird. So wissen 71% der Aktionäre, dass Aktien oder Aktienfonds langfristig mehr Rendite bringen als andere Anlageformen – bei den Nicht-Aktienbesitzern sind es nur 29%. Auch sehen fast drei Viertel der Aktionäre Aktien und Aktienfonds als geeignete Instrumente zur Vermögensbildung. Insgesamt ist die Zahl der Privataktionäre in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen – 2017 war die Anzahl der Aktionäre (mehr als 10 Mio.)  von Aktien und Aktienfonds auf einem 10-Jahres-Hoch.

 

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