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Die Thyssenkrupp AG wandelt sich im Zuge ihrer Strategie ACES 2030 vom integrierten Industriekonzern zur Finanzholding und entlässt ihre fünf Segmente nach und nach in die operative Unabhängigkeit. Going Public hat ausführlich über den Strategieschwenk berichtet. ]. Nach dem Börsengang der Marinesparte TK Marine Systeme (TKMS) im Oktober 2025 wurde mit dem Werkstoffhandel nun das zweite Segment abgespalten. Für die in TK Accelis (ISIN DE000TKCC1S8; MarketCap 1,8 Mrd. EUR) umbenannte Tochtergesellschaft hatte eine außerordentliche Hauptversammlung der Thyssenkrupp AG am 7. August die Abspaltung beschlossen, mittlerweile hat die BaFin den Prospekt gebilligt. Am 28. Oktober wurde die Börsenglocke geläutet – fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem erfolgreichen Börsengang von TKMS.  Von Oliver Vollbrecht 


Mehr als Material

Accelis betont die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells vom klassischen Werkstoffhändler hin zum Lieferkettendienstleister, der für seine Kunden unter dem Stichwort „Materials-as-a-Service“ Dienstleistungen rund um die Verarbeitung und Logistik von Materialien bietet. Accelis ist das umsatzstärkste Segment des Konzerns, erzielt bislang allerdings nur geringe Margen.

Im Geschäftsjahr 2024/2025 erwirtschaftete Accelis mit 15.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 11,4 Mrd. EUR. Im Neumonatszeitraum 2025/2026 entwickelte sich das Geschäft recht dynamisch, der Auftragseingang stieg um 7,8 % auf 9,3 Mrd. EUR und der Umsatz um 5,7 % auf 9,1 Mrd. EUR.  Das bereinigte EBIT wurde von 82 auf 178 Mio. EUR mehr als verdoppelt.

Der Segment-Ausblick für das am 30. September abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/2026 wurde mit Vorlage der Neumonatszahlen angehoben. So soll der Umsatz im Gesamtjahr nun um 5 bis 7 Prozent (bislang 2 bis 5 Prozent) steigen. Für das bereinigte EBIT erwartet der Vorstand 200 bis 250 Mio. EUR (bislang 125 bis 225 Mio. EUR) – im Vorjahr waren noch 132 Mio. EUR erzielt worden. Mittelfristig soll der Umsatz mit gut 4 Prozent pro Jahr wachsen, für die bereinigte EBITDA-Marge werden 4 bis 5 Prozent angestrebt. Dazu soll auch M&A beitragen, vor allem in Nordamerika.

Listing nach Blaupause

Wie schon bei TKMS bringt Thyssenkrupp 49 % der Anteile an die Börse, während die Holding mit 51 % Mehrheitsaktionärin bleibt und sich über die Rechtsform der KGaA die Kontrolle sichert. Die Aktien an der TK Accelis Group AG & Co. KGaA wurden den Aktionären automatisch in die Depots gebucht, sie erhielten für je zwanzig Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie des Werkstoffhändlers. Die Aktie von Thyssenkrupp wird nach der Abspaltung ohne den abgegebenen Anteil gehandelt, also mit einem Kursabschlag.

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Die neue Gesellschaft notiert wie die Mutter im Prime Standard. Am Tag der Abspaltung ist die Aktie der TK Accelis Teil des MDAX, der für diesen Tag 51 statt 50 Werte umfasst, sodann verlässt sie ihn wieder. Passive Investoren, die ausschließlich den MDAX abbilden, müssen die Aktie somit verkaufen. Für alle anderen Anleger gilt es zu überlegen, ob sie die eingebuchten Accelis-Aktien halten oder veräußern. Eine Entscheidung, die bei TKMS im letzten Jahr leichter fiel. Analysten sahen den Wert von Accelis im Vorfeld bei 2,6 Mrd. EUR bis 4,8 Mrd. EUR. Legte man die Bewertung von Klöckner & Co. nach dem Übernahmeangebot von Worthington Steel (das eine erhebliche strategische Prämie enthielt) zugrunde, schien eher der untere Rand realistisch. Um 9.08 Uhr am 28. Oktober verkündete Serhad Gündogan von der Baader Bank den ersten Kurs mit 27,80 EUR, was einer Marktkapitalisierung von 1,8 Mrd. EUR entspricht. Die Vorstände um Miguel López und Ilse Henne läuteten die historische Frankfurter Börsenglocke, nun wird die Aktie durchgehend auf XETRA gehandelt – ab sofort regelt der Markt den Preis. In den ersten Minuten kletterte der Kurs rasch über die 30-EUR-Marke.

Fazit

Der Thyssenkrupp-Vorstand um CEO López setzt die Strategie ACES 2030 konsequent um. Mit TK Accelis hat das zweite Segment den Hafen des Konzerns verlassen und ist in See gestochen. Nun ist Accelis mehr als zuvor seines Glückes Schmied – vor den Augen der Welt und der Börse. Der Vorstand um CEO Ilse Henne betont die Stärke dezentraler Entscheidungen und verbreitet Zuversicht und Ehrgeiz angesichts der neugewonnenen Unabhängigkeit. Wie auch immer die Performance weitergeht: der Kurszettel ist mit dem Listing länger geworden. Und mit der Stahlsparte steht der nächste Börsenkandidat schon fest. Die „Listing-Maschine“ Thyssenkrupp läuft.

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Kurzprofil: TK Accelis

Branche Werkstoffhandel und -dienstleistungen
Umsatz 2024/2025 11,4 Mrd. EUR
Beschäftigte 15.500
Standorte 400
Gründungsjahr 2026 Spin-off aus dem Thyssenkrupp-Konzern
Erstnotiz 28.10.2026
Erster Kurs / Börsenwert 27,80 EUR / 1,8 Mrd. EUR
Internet tkaccelis.com

Autor/Autorin

Oliver Vollbrecht
Investor und Autor

Oliver Vollbrecht beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Geschäftsmodellen – als freier Journalist, Investor Relations-Manager und -Berater, als Investor und HV-Sprecher für die DSW. Der Schwerpunkt seiner journalistischen Arbeit liegt bei börsennotierten Unternehmen der DACH-Region.