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Die Hamburger Evotec SE (Frankfurter Wertpapierbörse: EVT, MDAX/TecDAX, ISIN: DE0005664809) gab heute die Finanzergebnisse und die Geschäftsentwicklung für das erste Halbjahr 2021 bekannt. In gewohnt norddeutscher Bescheidenheit lässt sich das Unternehmen durch positive Wachstumszahlen zum Vorjahreszeitraum nicht etwa zur Anhebung der Jahresprognose verleiten, sondern bewegt sich lieber konservativ knapp darunter. Ein Börsenfeuerwerk entfacht man so natürlich nicht, obwohl es so scheint, als würde der „schlafende Riese“ doch langsam in Fahrt kommen.

Evotec mit höherer Belastung im Ausbau von Produktionsstandort

Die nackten Zahlen lesen sich nüchtern wie folgt:
Konzernerlöse um 17 % auf 271,3 Mio. € gestiegen (H1 2020: 231,0 Mio. €). Anstieg um 27 %, bereinigt um Portfolio und Währungseinflüsse
Umsatzwachstum von 18 % auf 279,5 Mio. € (H1 2020: 236,8 Mio. €, angepasst um Materialweiterbelastungen) im Segment EVT Execute
• EVT Innovate-Umsatz steigt um 27 % auf 57,3 Mio. € (H1 2020: 45,3 Mio. €, angepasst um Materialweiterbelastungen)
• Anstieg der Umsätze aus Meilensteinen auf 4,1 Mio. € (H1 2020: 2,2 Mio. €), einige wichtige Meilensteine demnächst erwartet
• Just – Evotec Biologics leistet Umsatzbeitrag von 23,0 Mio. € (H1 2020: 16,3 Mio. €), ein Plus von 41 %
• Bereinigtes EBITDA belief sich auf 36,2 Mio. € (H1 2020: 47,3 Mio. €); erwartungsgemäß Bruttomarge und bereinigtes EBITDA belastet aufgrund des geplanten Kapazitätsausbaus im Vorfeld des Produktionsstarts des J.POD(R) 1 US; gestiegene F&E- und Vertriebs- & Verwaltungskosten (35,4 Mio.€ bzw. 46,4 Mio. €) wie erwartet. Organisches Wachstum des um Währungs- und Sanofi-Effekt bereinigten Konzern-EBITDA um 13 %
• Anstieg der Aufwendungen für unverpartnerte F&E um 29 % auf 27,8 Mio. € (H1 2020: 21,6 Mio. €) gemäß Strategie

Immerhin beim eigenen Fazit zu diesen Ergebnissen lässt der Konzern ein wenig Freude durchschimmern und meldet: „Starke Bilanz bietet komfortable Grundlage für weiteres Wachstum“.

Evotec kommt mit Strategie Schritt für Schritt voran

Denn so sollte man die Hamburger eigentlich betrachten: als ein stetig strategisch wachsendes Innovations-Gebilde, das mit vielen globalen Standorten beständig die im Eigenjargon so genannte „DATA-DRIVEN R&D AUTOBAHN TO CURES“ in Technologie-Zukäufen oder -Partnerschaften verbreitert und damit auch krisenfest macht. Dass hierfür zuerst Aufwendungen die Bilanzen belasten, ist eine Binsenweisheit. Was hat sich aber auf diesem „Autobahn-Ausbau“ in der letzten Zeit getan?

Weitere Meldungen auf der Plattform Life Sciences

Evotec vermeldete zahlreiche neue und erweiterte Partnerschaften (z. B. mit Abivax, Awakn, 1ST Biotherapeutics, Interline, Related Sciences, Takeda, The Mark Foundation, …). Die Neuerwerbung Just-Evotec Biologics entwickele sich besser als erwartet und zeitgleich konnte die Eröffnung ihrer Anlage für die cGMP-Produktion von Biologika für die späte klinische Entwicklung und Vermarktung (J.POD 1 US) in Redmond, Washington, USA bekanntgegeben werden. Die innovative biopharmazeutische cGMP-Produktionsanlage vervollständige die J.DESIGN-Plattform von Just-Evotec Biologics, die Datenanalyse und maschinelles Lernen in alle Schritte zur Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Biologika integriert. Die gut 12.000 m² große J.POD-Anlage ist nach Unternehmensangaben branchenweit einzigartig. Sie wurde mit verbesserter Umweltverträglichkeit konzipiert und in einer deutlich kürzeren Bauzeit im Vergleich zu konventionellen Anlagen zur Herstellung von Biologika errichtet. Der Standort verfügt nun über spezielle Labore zur Qualitätssicherung und Prozessentwicklung für klinische und kommerzielle Produkte, der innovative „Fertigungs-Saal“ und die Reinräume bieten Produktionsmöglichkeiten im verdichteten Fed-Batch- oder im Continuous-Processing-Verfahren für Mengen bis zu 1.000 L an, die hochwertige klinische oder kommerzielle Biologika in Mengen von wenigen Kilogramm bis zu einigen Tonnen ergeben.

Einzelne Partnerschaften im Detail

Vorzeitig hat Evotec die Erweiterung der Partnerschaft mit Bristol Myers Squibb im Bereich Proteinabbau bekanntgegeben, eine Projektpartnerschaft (EVT801) mit Kazia Therapeutics wurde im Bereich Onkologie eingegangen. Aus der Partnerschaft mit Bayer konnten positive Ergebnisse der klinischen Phase-IIb-Studie mit Eliapixant (BAY1817080) zur Behandlung von refraktärem chronischem Husten in den letzten Tagen vermeldet werden. Der Standort Verona von GlaxoSmithKline SpA wurde erworben und fungiert als erweiterter Verona-Standort von Evotec unter dem Namen „Campus Levi-Montalcini„. Die Verbindung zu exzellenten Wissenschaftsstandorten konnte mit neuen „BRIDGE-Projekten“ (steht für Biomedical Research, Innovation & Development Generation Efficiency) ausgebaut werden (Danube Labs in Wien gemeinsam mit CEBINA, beLAB2122 im Rhein-Neckar-Dreieck gemeinsam mit BioRN und beLAB1407 in UK in Verbindung mit den Universitäten Birmingham, Edinburgh, Nottingham und Dundee).
Dies alles zahlt nach Hoffnung und Erwartung des Unternehmens auf die „Strategie 2025“ ein.

Bestätigung der Prognose für 2021 und der Ziele bis 2025

Mit der neuen Prognose für 2021 bleibt das Management nun leicht unterhalb der ursprünglich geschätzten Beträge, was in Zeiten der sich selbst überholenden Corona-Umsatzwachstumszahlen in anderen Biotechnologie- oder LifeScience-Unternehmen als wenig dynamisch angesehen werden mag. Dass die mittelfristige Strategie aber auch eine gehörige Portion Phantasie enthält, kann man auch nicht gerade abstreiten. Zahlenmäßig ließ Evotec dazu verlauten:
• Erwarteter Konzernumsatz in Höhe von 550 – 570 Mio. € (565 – 585 Mio. € bei konstanten Wechselkursen) (2020: 500,9 Mio. €)
• Erwartetes Konzern-EBITDA in Höhe von 105 – 120 Mio. € (115 – 130 Mio. € bei konstanten Wechselkursen) (2020: 106,6 Mio. €)
• Erwartete Aufwendungen für unverpartnerte Forschung und Entwicklung in Höhe von 50 – 60 Mio. € (2020: 46,4 Mio. €)
Mittelfristige Ziele bis 2025: Steigerung der Umsätze auf mehr als 1.000 Mio. € und des bereinigten EBITDA auf mindestens 300 Mio. €, Aufwendungen für unverpartnerte Forschung und Entwicklung von mehr als 100 Mio. €

Zudem geht die Internationalisierungsstrategie von Evotec in eine neue Phase. Mit der Einreichung diverser Unterlagen bei der US-amerikanischen Börsenaufsicht, haben die Hamburger ihren Plan zu einem regelrechten US-Börsengang bekanntgegeben. Bisher konnten über dem großen Teich zwar schon Evotec-ADR gehandelt werden, eine eigenständige „örtliche“ Aktiennotiz verschafft jedoch erst die Möglichkeit auch auf dem dortigen Kapitalmarkt aktiver werden zu können. Wegen des gerade erst beginnenden Prozesses der Prüfung der Unterlagen, kann das Unternehmen derzeit hierzu jedoch keinerlei weitere Auskünfte geben, Insider berichten von einem Zeithorizont bis etwa Ende des Jahres, bis hierüber weitere Bekanntmachungen folgen dürften.

Alle Informationen:

https://www.evotec.com/de/invest/finanzpublikationen

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