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Der SPAC-Markt erlebt derzeit wieder eine Renaissance: Im vergangenen Jahr machten SPAC-IPOs in den USA rund 41 % des gesamten IPO-Volumens (30 Mrd. USD) und sogar 44 % der Anzahl der Börsengänge (144 IPOs) aus. Von Prof. Dr. Wolfgang Blättchen und Uwe Nespethal

Die Kolumne erscheint auch in GoingPublic 01/26 am 27. März!


In den ersten anderthalb Monaten dieses Jahres stieg der Anteil auf beeindruckende 57 % beim Volumen (9 Mrd. USD) und 70 % bei der Anzahl (40 IPOs). Diese Werte erinnern an die Hochphase im Jahr 2021. Zwar wird die Rekordmarke von 600 SPAC-IPOs aus 2021 noch nicht erreicht, doch 144 SPAC-IPOs zeugen von einer deutlichen Belebung gegenüber dem Tiefpunkt von nur 30 neuen SPAC-Börsengängen anno 2023.

Quantenunternehmen zeigen sich besonders empfänglich für SPACs. Vier der aktuell fünf gelisteten „Pure Plays“ gingen über ein „DeSPACing“ an die Börse: IonQ (2021), Rigetti (2022), D-Wave (2022) und zuletzt Infleqtion 2026 vor wenigen Tagen. Aktuell befinden sich das kanadische Unternehmen Xanadu Quantum mit Crane Harbor, das finnisch-deutsche Unternehmen IQM mit RAAQ sowie das französische Pasqual mit Bleichroeder Acquisition im DeSPACing-Prozess.

Gute Gründe für ein DeSPACing

Warum wählen Quantenunternehmen den Weg über SPACs an die Börse? Abgesehen von Biotechfirmen meiden die meisten IPO-Investoren Kandidaten, die keine belastbare Finanzhistorie vorweisen können. Quantenunternehmen befinden sich häufig noch in der F&E-Phase oder in der Prototypenentwicklung, verfügen über wenige Kunden und stehen vor einem beträchtlichen Investitionsbedarf. Die Bewertung beruht hier vor allem auf dem technischen „Know-how“, was von Investoren spezifisches Fachwissen verlangt.

Bei einem SPAC-Deal wird die Bewertung direkt mit dem meistens technisch beschlagenen Sponsor ausgehandelt, wodurch das Platzierungsrisiko eines klassischen IPOs entfällt. Idealerweise bringt eine SPAC eine gut gefüllte Kasse mit. Auch wenn das Risiko von „Redemptions“ (Rückgaberecht der SPAC-Investoren) besteht, bietet die begleitende Private-Investment-in-Public-Equity-(PIPE-)Finanzierung eine zusätzliche ausgleichende Kapitalspritze, die beim IPO nicht garantiert ist. Bis Mitte 2024 genossen SPAC-Targets in den USA darüber hinaus den Vorteil, Prognosen frei kommunizieren zu dürfen. Dieses Offenlegungsprivileg ist mit den neuen SEC-Regeln entfallen.

Trotzdem setzen Quantenfirmen weiterhin auf SPACs, da die Kombination aus dem verbleibenden Kassenbestand des SPACs („Trust“) nach etwaigen Redemptions, dem bilateral verhandelten Einbringungswert der Zielunternehmen und der PIPE-Kapitalerhöhung das Transaktionsrisiko für einen Börsengang minimiert. So erhielt IonQ rund 300 Mio. USD aus dem Trust und zusätzlich 350 Mio. USD aus einer PIPE-Finanzierung mit namhaften Investoren wie Fidelity oder Silver Lake. Der Einbringungswert lag bei 2,0 Mrd. USD. Rigetti musste nach hohen Rückgaben zwar mit 114 Mio. USD aus dem Trust auskommen, wurde aber durch ein PIPE in Höhe von 147 Mio. USD gestützt. Der Einbringungswert lag bei 1,5 Mrd. USD. D-Wave hatte mit beinahe 97 % Redemptions zu kämpfen, konnte dank institutioneller PIPE-Investoren wie NEC oder Goldman Sachs aber bestehen. Sein Einbringungswert betrug 1,2 Mrd. USD. Infleqtion/Churchill-X erzielte bei nahezu keiner Redemption und einem PIPE von 125 Mio. USD Bruttozuflüsse von über 540 Mio. USD. Der Einbringungswert beträgt 1,8 Mrd. USD. Auch das jüngst angekündigte DeSPACing von IQM/RAAQ setzt auf eine PIPE-Finanzierung von rund 160 Mio. USD und einen SPAC-Trust von 175 Mio. USD. IQM wird ebenfalls mit 1,8 Mrd. USD bewertet.

Fazit

Quantenunternehmen profitieren vom aktuellen Marktumfeld. Milliardenbeträge werden in KI investiert und Quantencomputing zunehmend als energiesparende Erweiterung dieser technologischen Zukunft betrachtet. Die Aktienkurse von IonQ, Rigetti und D-Wave sind in den letzten zwölf Monaten im Zuge dieser Entwicklung förmlich explodiert. Dank der Neubewertung konnten die vier börsennotierten Quantenfirmen über 6 Mrd. USD zusätzliches Kapital einsammeln – ein Erfolg, der ohne Zugang zum Kapitalmarkt so nicht möglich gewesen wäre. Wieder einmal zeigt der US-Kapitalmarkt, wie die amerikanischen Marktteilnehmer in der Lage sind, technologischen Fortschritt zu finanzieren.

Autor/Autorin

Prof. Dr. Wolfgang Blättchen
Geschäftsführender Gesellschafter at  | Website

Prof. Dr. Wolfgang Blättchen ist geschäftsführender Gesellschafter der BLÄTTCHEN FINANCIAL ADVISORY GmbH und seit drei Jahrzehnten als unabhängiger Berater für Kapitalmarktstrategien aktiv. In dieser Zeit konnte er über 100 Pre-IPOs, IPOs und Follow-on-Mandate begleiten. Er ist aktives Mitglied in Aufsichts- und Beiräten sowie Ansprechpartner der Börsen.

Uwe Nespethal
Geschäftsführender Gesellschafter at  | Website

Uwe Nespethal ist ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter der BLÄTTCHEN FINANCIAL ADVISORY GmbH und seit über 20 Jahren als unabhängiger Berater in Kapitalmarktstrategien sowie in der Auflegung von kapitalmarktorientierten Incentivierungsprogrammen für Führungskräfte und Mitarbeiter tätig.